Ein Zei­chen ge­gen Aus­län­der­feind­lich­keit

Mer­kel pocht bei ih­rem Be­such in Spa­ni­en auf ei­ne Re­form des Asyl­sys­tems in der EU

Peiner Allgemeine Zeitung - - POLITIK - VON MAR­TI­NA HER­ZOG

SAN­LÚ­CAR DE BAR­RA­ME­DA. Deutsch­land be­stärkt Spa­ni­en bei sei­nen Be­mü­hun­gen, den Flücht­lings­zu­strom von Ma­rok­ko übers Mit­tel­meer nach Eu­ro­pa ein­zu­däm­men. Bei den Ge­sprä­chen mit dem nord­afri­ka­ni­schen Staat ha­be Spa­ni­en aber die Fe­der­füh­rung, sag­te Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) am Sonn­abend im süd­spa­ni­schen San­lú­car de Bar­ra­me­da zum Auf­takt ih­res zwei­tä­gi­gen Be­suchs bei Mi­nis­ter­prä­si­dent Pe­dro Sán­chez. Zugleich mahn­te sie ei­ne stär­ke­re Ver­tei­lung von Flücht­lin­gen in­ner­halb Eu­ro­pas an, räum­te aber ein, dass da­zu bis­lang die Ei­nig­keit un­ter den EU-Staa­ten fehlt. „Mit die­ser Fra­ge be­schäf­ti­gen wir uns ja un­ent­wegt. Da ha­ben wir noch kei­ne Lö­sung ge­fun­den.“

Ma­rok­ko fühlt sich von der EU al­lein­ge­las­sen und dringt auf ei­ne stär­ke­re fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung, zu­mal die An­kunft von Mi­gran­ten so­zia­le Span­nun­gen er­zeugt. „Zur­zeit steht das Land un­ter ei­nem enor­men Mi­gra­ti­ons­druck, der von den Län­dern süd­lich des Sa­ha­ra aus­geht“, sag­te Sán­chez.

Ma­rok­ka­ni­sche Si­cher­heits­be­hör­den ha­ben nach An­ga­ben von Men­schen­recht­lern Hun­der­te Mi­gran­ten aus den Küs­ten­re­gio­nen nach Sü­den ins Lan­des­in­ne­re de­por­tiert. Wei­ter be­rich­te­te der Ma­rok­ka­ni­sche Ver­band für Men­schen­rech­te (AMDH), meh­re­re Zelt­la­ger in den Wäl­dern na­he der spa­ni­schen Ex­kla­ve Me­lil­la sei­en zer­stört wor­den. Zu­letzt hat­ten im­mer mehr Flücht­lin­ge die Rou­te über Ma­rok­ko ge­wählt. In die­sem Jahr sind be­reits mehr als 28 000 von Ma­rok­ko aus nach Spa­ni­en ge­langt.

San­chez sag­te, das afri­ka­ni­sche Land kön­ne bei aus­rei­chen­der Un­ter­stüt­zung ei­ne „Schlüs­sel­rol­le bei der Ord­nung der Mi­gra­ti­ons­strö­me spie­len“. Über die Hö­he zu­sätz­li­cher Fi­nanz­hil­fen woll­te der Chef der spa­ni­schen So­zia­lis­ten nicht spre­chen.

Auf die Fra­ge, ob Spa­ni­en Flücht­lin­ge auf­hal­ten müs­se, die nach Deutsch­land wei­ter­rei­sen woll­ten, ant­wor­te­te Mer­kel aus­wei­chend. Das bis­he­ri­ge Du­blin-Sys­tem sei „nicht funk­ti­ons­fä­hig“, sag­te sie. „Nach der Theo­rie dürf­te nie ein Mi­grant oder ein Flücht­ling in Deutsch­land an­kom­men. Das ent­spricht aber nicht der Rea­li­tät.“Das Du­blin-Sys­tem sieht vor, dass in der Re­gel je­ner Staat für ei­nen Mi­gran­ten zu­stän­dig ist, in dem er zu­erst den Bo­den der EU be­tritt.

Die Mi­gran­ten sei­en ei­ne An­ge­le­gen­heit al­ler EU-Staa­ten, nicht nur der An­kunfts­län­der am Mit­tel­meer, sag­te Mer­kel. Die­se sag­ten zu Recht: „Das ist doch ei­ne Her­aus­for­de­rung für uns al­le.“Die EUStaa­ten kön­nen sich seit Jah­ren nicht auf ei­ne Re­form des ge­mein­sa­men Asyl­sys­tems ei­ni­gen.

In Spa­ni­en kam Mer­kels Be­such gut an. „Sán­chez und Mer­kel stär­ken die Ach­se ge­gen die Aus­län­der­feind­lich­keit in Eu­ro­pa“, ti­tel­te am Sonn­tag auf Sei­te eins „El País“, die links­li­be­ra­le Re­nom­mier­zei­tung.

FO­TO: LAU­RA LE­ON/AP

Viel Ei­nig­keit beim The­ma Asyl: Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel und Mi­nis­ter­prä­si­dent San­chez im süd­spa­ni­schen San­lú­car.

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