Hand­wer­ker­man­gel bremst Woh­nungs­bau

Laut ei­ner KfW-Stu­die geht die Sche­re zwi­schen Bau­ge­neh­mi­gun­gen und -fer­tig­stel­lun­gen wei­ter aus­ein­an­der

Peiner Allgemeine Zeitung - - WIRTSCHAFT - VON ANDRE­AS HO­ENIG UND FRIE­DE­RI­KE MARX

BER­LIN. Klemp­ner, Hei­zungs­in­stal­la­teu­re und Co. drin­gend ge­sucht: Feh­len­de Fach­kräf­te und der Bau­land­man­gel in Bal­lungs­zen­tren brem­sen nach Ein­schät­zung der KfW den Bau neu­er Woh­nun­gen. Die wich­tigs­te Ur­sa­che für Eng­päs­se auf dem Woh­nungs­markt sei­en nicht zu lang­sa­me Ge­neh­mi­gun­gen der Kom­mu­nen oder zu we­ni­ge Bau­wil­li­ge. Ei­ne zen­tra­le Rol­le spiel­ten viel­mehr Ka­pa­zi­täts­eng­päs­se in der Bau­wirt­schaft – zu­neh­mend aus­ge­löst durch Fach­kräf­te­man­gel, heißt es in ei­ner Stu­die der staat­li­chen För­der­bank. „In den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren hat sich die Sche­re zwi­schen Bau­ge­neh­mi­gun­gen und Bau­fer­tig­stel­lun­gen im Woh­nungs­sek­tor im­mer wei­ter ge­öff­net. Ak­tu­ell war­ten in Deutsch­land 653 000 ge­neh­mig­te Woh­nungs­neu­bau­ten auf Um­set­zung“, er­läu­ter­te KfW-Chef­volks­wirt Jörg Zeu­ner.

Die Auf­trags­bü­cher der Bau­un­ter­neh­men sind prall ge­füllt, doch weil Fach­kräf­te feh­len, kön­nen sie nicht schnell ge­nug ab­ge­ar­bei­tet wer­den. Wäh­rend das Bau­haupt­ge­wer­be, zum Bei­spiel Hoch­bau­un­ter­neh­men, den An­ga­ben zu­fol­ge die Lü­cke bis­lang mit Mit­ar­bei­tern aus dem Aus­land füllt, feh­len im Bau­hand­werk zu­neh­mend qua­li­fi­zier­te Kräf­te.

Der Stu­die zu­fol­ge man­gelt es an Fach­kräf­ten im Klemp­ner-, Sa­ni­tär-, Hei­zungs- und Kli­ma­hand­werk. Das zei­ge die ho­he Zahl und die lan­ge Dau­er ge­mel­de­ter of­fe­ner Stel­len bei der Bun­des­ar­beits­agen­tur. Vor al­lem Meis­ter sei­en schwer zu be­kom­men, aber zu­neh­mend auch an­de­re qua­li­fi­zier­te Mit­ar­bei­ter. „Der Fach­kräf­te­man­gel wird all­mäh­lich zum größ­ten Ri­si­ko für ei­ne Aus­wei­tung der Bau­tä­tig­keit in Deutsch­land“, warn­te der Öko­nom.

Das Hand­werk ha­be zu we­nig Nach­wuchs, sagt auch Hand­werks­prä­si­dent Hans Pe­ter Woll­sei­fer „Das ver­schärft sich im­mer mehr, weil es ei­ner­seits im­mer we­ni­ger Schul­ab­gän­ger und an­de­rer­seits den Drang zum Stu­di­um gibt.“Ob­wohl die Zahl neu ab­ge­schlos­se­ner Aus­bil­dungs­ver­trä­ge stei­ge, wer­de das Hand­werk auch die­ses Jahr nicht al­le Aus­bil­dungs­plät­ze be­set­zen kön­nen. „Zur­zeit sind mehr als 30 000 Aus­bil­dungs­plät­ze al­lein im Hand­werk wei­ter of­fen – und das trotz der sehr gu­ten Zu­kunfts­und Be­rufs­per­spek­ti­ven. Das wird sich bis En­de Sep­tem­ber re­du­zie­ren, aber wir rech­nen da­mit, dass dann im­mer noch um die 20 000 Aus­bil­dungs­plät­ze nicht be­setzt sind“, so Woll­sei­fer. Um Ju­gend­li­che zu be­geis­tern, sei­en An­er­ken­nung für das Hand­werk und Wert­schät­zung für be­rufs­prak­ti­sche Aus­bil­dung und Ar­beit nö­tig.

Woll­sei­fer for­der­te zu­dem, dass die Meis­ter­aus­bil­dung und -prü­fung künf­tig voll­stän­dig kos­ten­frei sei – ge­nau­so wie das beim Stu­di­um bis zum Ex­amen der Fall sei. Um den Meis­ter kos­ten­frei zu stel­len, wä­ren um die 60 Mil­lio­nen Eu­ro nö­tig. „Das soll­te es un­se­rer Ge­sell­schaft schon wert sein, meis­ter­li­ches Kön­nen auch für die Zu­kunft zu si­chern.“

FO­TO: NES­TOR BACH­MANN/DPA

Lan­ge War­te­zei­ten: Hei­zungs­bau­er ver­le­gen Roh­re ei­ner Fuß­bo­den­hei­zung.

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