„St­ein­wüs­ten nicht zeit­ge­mäß“: Rats­po­li­ti­ker for­dern mehr Grün

Der au­ßer­ge­wöhn­lich hei­ße Som­mer hat ei­ne De­bat­te zur Stadt­ent­wick­lung an­ge­sto­ßen

Peiner Allgemeine Zeitung - - HANNOVER - VON ANDRE­AS SCHIN­KEL

HAN­NO­VER. Nur Tro­cken­heit, Hit­ze, Tem­pe­ra­tu­ren über der 35-Grad-Mar­ke – Han­no­ver er­lebt ei­nen Re­kord­som­mer. Rats­po­li­ti­ker sind sich mehr­heit­lich ei­nig, dass die künf­ti­ge Stadt­ent­wick­lung sol­che Hit­ze­wel­len stär­ker be­rück­sich­ti­gen muss. „Es wird an­ge­sichts des Kli­ma­wan­dels nicht die letz­te Hit­ze­pe­ri­ode in Han­no­ver sein“, sagt SPD-Bau­po­li­ti­ker Lars Ke­lich.

Er schlägt vor, 1000 zu­sätz­li­che Bäu­me auf städ­ti­schen Grund­stü­cken zu pflan­zen. „Wir müs­sen über das Ent­sie­geln von Flä­chen nach­den­ken“, sagt Ke­lich. Für pri­va­te Grund­stücks­ei­gen­tü­mer soll­ten eben­falls An­rei­ze ge­schaf­fen wer­den, Bäu­me zu pflan­zen. Auch aus an­de­ren Frak­tio­nen kom­men Vor­schlä­ge. Die CDU kann sich vor­stel­len, mehr Trink­brun­nen auf­zu­stel­len und Fas­sa­den zu be­grü­nen. „Klar ist: St­ein­wüs­ten wie der Platz an der Go­se­rie­de sind nicht mehr zeit­ge­mäß“, sagt CDU-Bau­po­li­ti­ker Fe­lix Sem­per.

Be­reits vor fast zehn Jah­ren hat die Stadt­ver­wal­tung so­ge­nann­te Kli­ma­kar­ten er­stel­len las­sen. Sie ma­chen sicht­bar, in wel­chen Be­rei­chen die Tem­pe­ra­tu­ren stark an­stei­gen. Tief­rot ist das ge­sam­te Ge­biet der In­nen­stadt, aber auch gro­ße asphal­tier­te und be­bau­te Flä­chen et­wa bei VW-Nutz­fahr­zeu­ge in Stö­cken, am Lin­de­ner Ha­fen, am Groß­markt oder in an­de­ren Ge­wer­be­parks.

Dort er­hitzt sich tags­über das Ge­län­de so stark, dass wäh­rend der Som­mer­mo­na­te nachts kaum Aus­küh­lung mehr mög­lich ist. Der Ef­fekt trägt zur Tem­pe­ra­tur­er­hö­hung in der ge­sam­ten Stadt bei. Die Um­welt­ex­per­ten im Rat­haus emp­fah­len da­mals, Frisch­luft­schnei­sen in­ner­halb der Ci­ty frei zu hal­ten. Da­mit sind We­ge ge­meint, auf de­nen küh­le Luft in Rich­tung Zen­trum strömt. Sie ver­lau­fen et­wa ent­lang der süd­li­chen und nord­west­li­chen Lei­neaue und vom Masch­park am Rat­haus vor­bei Rich­tung Alt­stadt.

„Die Stadt braucht Luft zum At­men“, sagt FDP-Bau­po­li­ti­ker Wil­fried En­gel­ke. Ei­ne wei­te­re Ver­dich­tung der In­nen­stadt mit zu­sätz­li­chen Ge­bäu­den hal­te er für äu­ßerst schwie­rig. „Da­her soll­te auch der St­ein­tor­platz nicht zu­ge­baut wer­den“, sagt En­gel­ke. Er kön­ne sich viel Grün und ei­nen Brun­nen auf dem Platz vor­stel­len, wol­le aber der jüngst ge­star­te­ten Bür­ger­be­tei­li­gung nicht vor­grei­fen. Das sieht auch sei­ne Kol­le­gin von den Grü­nen so. „Die Men­schen sol­len An­re­gun­gen ge­ben, wie der Platz aus­se­hen könn­te“, sagt Eli­sa­beth Clau­sen-Mu­ra­di­an. Den­noch kön­ne sie sich vor­stel­len, die ge­pflas­ter­te Flä­che auf­zu­rei­ßen.

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