Vor 120 Jah­ren kam die Elek­tri­zi­tät in den Süd­kreis

Il­se­der Hüt­te be­gann 1898 mit der Er­zeu­gung von elek­tri­scher Ener­gie – Ehe­ma­li­ger Kraft­werks­meis­ter er­in­nert sich

Peiner Allgemeine Zeitung - - KREIS PEINE - VON KERS­TIN WOS­NITZA

IL­SE­DE. Vor 120 Jah­ren wur­de im Süd­kreis Peine durch die Il­se­der Hüt­te die Er­zeu­gung der elek­tri­schen Ener­gie ein­ge­führt, zu­nächst auf der Hüt­te und dem Pei­ner Walz­werk. Horst Höpp­ner, ehe­ma­li­ger Kraft­werks­meis­ter, er­in­nert an die­se Zeit.

➞ Als die Il­se­der Hüt­te ge­grün­det wur­de, gab es in die­ser Re­gi­on kei­ne nutz­ba­re Ener­gie­ver­sor­gung.

Als die Il­se­der Hüt­te ge­grün­det wur­de, gab es in die­ser Re­gi­on kei­ne nutz­ba­re Ener­gie­ver­sor­gung. „Bei der Il­se­der Hüt­te hat man aber sehr früh er­kannt, dass man oh­ne Elek­tri­zi­tät nicht aus­kommt, und so wur­de nach den da­mals neu­es­ten Er­kennt­nis­sen in­ves­tiert“, be­rich­tet der heu­te 85-Jäh­ri­ge, der am 8. April 1947 sei­ne Leh­re bei der Il­se­der Hüt­te als Re­pa­ra­tur­schlos­ser im Ma­schi­nen­be­trieb be­gann.

Ein to­ta­ler Strom­aus­fall war der schlimms­te Alp­traum der Il­se­der Hüt­te. Um die­sen aus­zu­schlie­ßen – tat­säch­lich hat es auch nie­mals ei­nen ge­ge­ben – ha­ben sich die Ver­ant­wort­li­chen der Il­se­der Hüt­te auf ei­ne ei­ge­ne Ener­gie­ver­sor­gung fest­ge­legt.

Mit dem Bau ei­ner ei­ge­nen Ko­ke­rei 1870 schaff­te die Il­se­der Hüt­te durch die Kok­ser­zeu­gung und mit dem Pro­zess­gas (Koks­gas) die Aus­gangs­ba­sis für die Ener­gie­er­zeu­gung und -ver­sor­gung. Der be­nö­tig­te Dampf und ab dem 20. Jahr­hun­dert der elek­tri­sche Strom konn­ten in ei­ge­nen An­la­gen er­zeugt wer­den, ist im Buch „Die Il­se­der Hüt­te – 100 Jah­re In­dus­trie­ge­schich­te“nach­zu­le­sen.

Man schrieb das Jahr 1898, als drei Dop­pel­kol­benDampf­ma­schi­nen der Fir­ma Möl­ler auf­ge­stellt wur­den. Je­de hat ei­ne Leis­tung von 450 Ki­lo­watt pro St­un­de. „1900 wur­de ei­ne leis­tungs­stär­ke­re lie­gen­de Dampf­ma­schi­ne der Fir­ma Ha­no­mag in­stal­liert. Da­durch stei­ger­te sich die Leis­tung der Dampf­zen­tra­le auf et­wa 1300 Ki­lo­watt pro St­un­de“, weiß Höpp­ner. Über­all im Werk wur­de elek­tri­sches Licht mit 110 Volt ein­ge­führt – ei­ne rie­si­ge Ar­beits­er­leich­te­rung.

Der Strom­ver­brauch stieg durch den ste­tig stei­gen­den Ein­satz von Elek­tro-Mo­to­ren im Walz­werk, im Hoch­ofen­werk und in den Erz­gru­ben enorm an. Par­al­lel da­zu wur­den stän­dig neue, noch leis­tungs­fä­hi­ge­re Ma­schi­nen zur Strom­er­zeu­gung an­ge­schafft. Sie mach­ten ei­ne Gas- und Strom­ver­sor­gung weit über den ei­ge­nen Be­darf hin­aus mög­lich, so­dass ab 1930 der Pei­ner Süd­kreis mit elek­tri­scher Ener­gie ver­sorgt wer­den konn­te.

1941 wur­de an­stel­le der ers­ten drei klei­nen Dampf­ma­schi­nen ei­ne da­mals hoch­mo­der­ne Dampf­tur­bi­ne „Sys­tem Löjung­ström“auf­ge­stellt, die mit­tels zwei­er Ge­ne­ra­to­ren ei­ne Leis­tung von zwei­mal 750 Ki­lo­watt pro St­un­de brach­te.

„Nach­dem die Hüt­te wei­ter in­ves­tier­te und der Strom­ver­brauch wei­ter­hin an­stieg, wur­den 1954 das Vor­schalt­kraft­werk und in den 1960er Jah­ren das Hoch­druck-Kraft­werk ge­baut. Zu der Zeit war die Wirt­schafts­la­ge enorm“, er­in­nert sich Höpp­ner. Nach Fer­tig­stel­lung der Kraft­werks­an­la­ge konn­te die Gas­zen­tra­le au­ßer Be­trieb ge­nom­men wer­den. Al­ler­dings wur­de sie zu­nächst noch in Re­ser­ve ge­stellt. „Doch das Kraft­werk wur­de oh­ne grö­ße­re Stö­run­gen von 1964 bis 1995 be­trie­ben und hat ent­schei­dend zur wirt­schaft­li­chen Ener­gie­ver­sor­gung der Il­se­der Hüt­te bei­ge­tra­gen“, sagt der ehe­ma­li­ge Kraft­werks­meis­ter nicht oh­ne Stolz.

MICHAE­LA GE­BAU­ER . MICHAE­LA GE­BAU­ER

Horst Höpp­ner 1941: Ganz mo­der­ne Ljung­strom Ge­gen­lauf­ma­schi­ne. Es gab nur acht Stück deutsch­land­weit. 1898: Ma­schi­ne zur elek­tri­schen Strom­er­zeu­gung

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