Elek­tro-Schwal­be geht vor­erst nicht an die Bör­se

Das Start-up Go­ve­cs hat den ge­plan­ten Gang aufs Par­kett we­gen des „schwie­ri­gen Markt­um­fel­des“ab­ge­sagt

Peiner Allgemeine Zeitung - - WIRTSCHAFT - VON CARS­TEN HOEFER

MÜNCHEN. Knapp drei Jahr­zehn­te nach dem Mau­er­fall soll­te die Schwal­be zu ei­nem neu­en Hö­hen­flug an­set­zen – doch der ist vor­erst aus­ge­blie­ben. Das Münch­ner Start-up Go­ve­cs woll­te an die­sem Diens­tag mit ei­ner elek­tri­schen Neu­auf­la­ge des DDRKlein­kraft­rads an die Bör­se ge­hen. Doch die Nach­fra­ge hielt sich in Gren­zen. Der Bör­sen­gang ist nun we­gen des „schwie­ri­gen Markt­um­felds“auf un­be­stimm­te Zeit ver­scho­ben.

Den­noch ist sich das Star­t­up si­cher, mit sei­nem Pro­dukt grund­sätz­lich rich­tig zu lie­gen: „Der Zwei­rad­markt wächst“, sagt Go­ve­cs-Chef Tho­mas Gr­ü­bel. „Der Trend hat ganz klar mit der Ur­ba­ni­sie­rung zu tun.“Bei Ben­zin­rol­lern ge­be es in der EU ein jähr­li­ches Wachs­tum der Zu­las­sungs­zah­len von 7 Pro­zent. „Bei Elek­trorol­lern sind es mehr als 70 Pro­zent, wenn auch von ei­ner nied­ri­ge­ren Ba­sis aus.“

Doch der Wett­be­werb ist hart – und die Kon­kur­renz sehr viel um­satz­stär­ker: Ein ehr­gei­zi­ger Ri­va­le der Schwal­be ist der Büf­fel, so die deut­sche Über­set­zung des chi­ne­si­schen Wor­tes Niu. Der gleich­na­mi­ge Elek­trorol­ler­her­stel­ler aus der Volks­re­pu­blik ist seit Kur­zem im US-In­dex Nas­daq ge­lis­tet und hat auf sei­nem Hei­mat­markt be­reits mehr als 300 000 Ex­em­pla­re ver­kauft. Nun will Niu Eu­ro­pa er­obern. Und mitt­ler­wei­le ist auch Eu­ro­pas größ­ter Zwei­rad­her­stel­ler in das EGe­schäft ein­ge­stie­gen: Die ita­lie­ni­sche Piaggio-Grup­pe star­te­te im Sep­tem­ber die Pro­duk­ti­on der Ve­s­pa Elett­ri­ca, on­line kann der E-Rol­ler be- reits vor­be­stellt wer­den. Schnel­lig­keit scheint al­so ge­bo­ten. Dem­ent­spre­chend will Go­ve­cs-Chef Gr­ü­bel die Pro­duk­ti­on er­hö­hen: „Wir ha­ben im ver­gan­ge­nen Jahr cir­ca 3000 Fahr­zeu­ge ver­kauft, in die­sem Jahr er­war­ten wir cir­ca 4200 und im kom­men­den Jahr rech­nen wir mit cir­ca 9000.“

Pro­du­ziert wird die E-Schwal­be al­ler­dings nicht in Deutsch­land, son­dern in Po­len und in Ko­ope­ra­ti­on mit ei­nem spa­ni­schen Her­stel­ler, der Mo­tor stammt von Bosch. Höchst­ge­schwin­dig­keit sind 45 Ki­lo­me­ter pro Stun­de, mit ei­ner Ak­ku­la­dung kommt die Schwal­be 163 Ki­lo­me­ter weit. Der Bör­sen­gang soll­te das not­wen­di­ge Geld für ei­ne neue Fa­b­rik in Po­len brin­gen.

FO­TO: JANSEN/DPA

Das Mo­dell aus DDR-Zei­ten kommt in der elek­tri­schen Neu­auf­la­ge mit ei­ner Ak­ku­la­dung 163 Ki­lo­me­ter weit.

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