Ein Ika­rus als Vor­bo­te

Dill­wei­ßen­stein be­kommt ab Ok­to­ber ei­ne neue Ga­le­rie

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Edith Kopf

Die ers­ten Strah­len des Schmuck­ju­bi­lä­ums sind in Dill­wei­ßen­stein an­ge­kom­men. Sie be­leuch­ten an der Bel­rem­stra­ße in un­mit­tel­ba­rer Nä­he von Burg Ra­ben­eck die rost­ro­ten Flü­gel ei­nes Ika­rus, sol­len sie aber nicht wie in der Sa­ge zum Schmel­zen brin­gen. Schließ­lich steht er als Vor­bo­te des Pforz­hei­mer Groß­er­eig­nis­ses am Stra­ßen­rand.

Rund zwei­ein­halb Me­ter groß und auch breit und 1,5 Ton­nen schwer ver­weist die Stahl­skulp­tur von Ge­org Sei­bert auf den „Kunst­raum Bel­rem 8“, an dem Michae­la Thäs­ler und Nor­bert Mu­err­le seit rund drei Jah­ren ar­bei­ten. Wenn er im Ok­to­ber tat­säch­lich er­öff­net wird, ge­lingt den bei­den zu­sam­men mit dem Kul­tur­amt und den Or­ga­ni­sa­to­ren des Schmuck­ju­bi­lä­ums ein Dop­pel­schlag. Zum ei­nen sind die zwei Schmuck­de­si­gner am Ziel, zum an­de­ren ge­ben sie der künst­le­ri­schen Di­men­si­on der Pforz­hei­mer Ge­schich­te Raum, die 2017 in vie­len Fa­cet­ten ge­fei­ert wer­den soll.

Al­lein die Kom­bi­na­ti­on aus den bei­den Initia­to­ren der Ga­le­rie, dem Künst­ler und der Stadt­ver­wal­tung be­tont Kern­ele­men­te der 250 Jah­re zu­rück­rei­chen­den Schmuck­ge­schich­te. Es sind drei Gold­schmie­de mit ho­hem An­spruch, die die Auf­merk­sam­keit auf Dill­wei­ßen­stein len­ken. Wäh­rend Ge­org Sei­bert nach dem Stu­di­um an der Kunst- und Werk­schu­le so­wie Meis­ter­prü­fung in die Kunst ging, setz­te sich der heu­te 68-jäh­ri­ge Mu­err­le in­di­vi­du­ell und als Haus­de­si­gner für ei­ne bis heu­te nam­haf­te Fir­ma durch. Thäs­lers Wer­ke sind eben­falls durch Pforz­heim ge­prägt. Sie hat­te bis 2013 ei­ne Gold­schmie­de in Wies­loch. Wenn die Stadt­ver­wal­tung jetzt über Kul­tur­amt und Ju­bi­lä­ums­ko­or­di­na­to­ren die 2014 ge­grün­de­te Ga­le­rie beim ers­ten öf­fent­li­chen Auf­tritt un­ter­stüt­zen, dann tut sie das, was ty­pisch ist in ei­ner In­dus­trie­stadt, die wach­sen will: Ide­en wer­den mög­lich ge­macht.

Ei­ne um­ge­bau­te al­te Scheu­ne im El­tern­haus von Mu­err­le bil­det die Ba­sis für das „ab­so­lut lang­fris­tig“an­ge­leg­te Pro­jekt „Kunst­raum Bel­rem 8“. Dort bau­ten sich die bei­den De­si­gner ei­nen 50 Qua­drat­me­ter gro­ßen Raum, den sie zwei­mal im Jahr be­spie­len wol­len – ein­mal mit Wer­ken aus dem Be­reich bil­den­de Kunst, ein­mal mit an­ge­wand­ter Kunst. Er­fah­run­gen da­für sam­mel­ten Thäs­ler und Mu­err­le bei drei Ver­suchs­prä­sen­ta­tio­nen. Sie wol­len in Dill­wei­ßen­stein et­was zei­gen, das im Pforz­hei­mer Kunst­ge­sche­hen ei­nen neu­en Ni­veau­punkt setzt.

Die Ver­ant­wort­li­chen der Stadt hat das Kon­zept of­fen­sicht­lich über­zeugt. Sie räum­ten zum Är­ger man­chen An­woh­ners ei­nen der ra­ren Park­plät­ze in der Spiel­stra­ße frei, da­mit Ika­rus in Dill- wei­ßen­stein lan­den konn­te. Er hat ein Haus da­bei, wie schon in Ber­lin in Char­lot­ten­burg und Fried­richs­fel­de. Die Ge­fahr, dass das bis Dill­wei­ßen­stein strah­len­de Schmuck­ju­bi­lä­um sei­nen Flü­geln et­was an­ha­ben könn­te, be­steht al­so eher nicht, zu­mal er Mit­te 2017 wie­der ver­schwin­den soll. Drei wei­te­re Wer­ke Sei­berts wer­den eben­falls schon vor der Er­öff­nung am Sams­tag, 22. Ok­to­ber, im Burg­gar­ten zu se­hen sein. Ein acht Me­ter lan­ger Tisch da­für ist dort schon be­reit­ge­stellt.

DAS HAUS DES IKA­RUS im Hin­ter­grund ver­weist auf die neue Ga­le­rie, die Michae­la Thäs­ler und Nor­bert Mu­err­le auf ih­rer Sei­te der Bel­rem­stra­ße er­öff­nen wol­len. Fo­to: Fix

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