Der Maul­wurf

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - GER­HARD WINDSCHEID

Die Ge­schich­te er­in­nert an ei­nen Agen­ten­thril­ler von John le Car­ré: Beim In­lands­ge­heim­dienst nis­tet sich ein Maul­wurf ein und ver­sorgt die Ge­gen­sei­te mit höchst bri­san­ten In­for­ma­tio­nen. Die Ge­gen­spie­ler der wa­cke­ren Filz­hü­te sind dies­mal nicht geg­ne­ri­sche Ge­heim­diens­te, son­dern Is­la­mis­ten, die den west­li­chen Wer­ten den Krieg er­klärt ha­ben.

Ein Mit­ar­bei­ter des deut­schen Ver­fas­sungs­schut­zes ent­pupp­te sich als Hand­lan­ger der selbst er­nann­ten Got­tes­krie­ger, die er mit In­for­ma­tio­nen aus sei­ner Be­hör­de ver­sorg­te. Zu­dem er­klär­te er sich nach den bis­he­ri­gen Er­mitt­lun­gen be­reit, tat­kräf­tig bei mög­li­chen Atta­cken zur Hand zu ge­hen. Wer bis­lang glaub­te, nur ost­eu­ro­päi­sche oder asia­ti­sche Ge­heim­diens­te wür­den auf die Hil­fe von Maul­wür­fen set­zen, sieht sich ge­täuscht. Dschi­ha­dis­ten und Sala­fis­ten nut­zen al­le Tricks aus, um ihr tod­brin­gen­des Süpp­chen zu ko­chen. Man muss dem Ver­fas­sungs­schutz zu­gu­te hal­ten, dass die un­dich­te Stel­le im Be­hör­den­ge­fü­ge re­la­tiv rasch auf­ge­flo­gen ist. Ein

Kon­takt im In­ter­net wur­de dem 51-Jäh­ri­gen Is­la­mis­ten-Sym­pa­thi­sant zum Ver­häng­nis. Nicht aus­zu­den­ken, was al­les hät­te pas­sie­ren kön­nen, wenn der Mann nicht auf­ge­flo­gen wä­re. An­geb­lich hat der Maul­wurf sei­nen is­la­mis­ti­schen Freun­den an­ge­bo­ten, ih­nen Zu­gang zur Be­hör­de zu ver­schaf­fen.

Vor kur­zem be­leg­te ei­ne Stu­die, wie sich Is­la­mis­ten im­mer mehr der In­ter­ne­tPlatt­form Youtu­be be­die­nen, um für ih­re Sa­che zu wer­ben. Zwar gei­ßeln die Is­la­mis­ten die west­li­che Le­bens­art, gleich­zei­tig nut­zen sie die Bil­der­spra­che der Hol­ly­wood-Fil­me, um neue Kämp­fer zu re­kru­tie­ren. Auch der Maul­wurf beim Ver­fas­sungs­schutz zeigt ei­ne neue Qua­li­tät der Me­tho­den der Is­la­mis­ten. An­geb­lich hat sich der 51-Jäh­ri­ge erst vor kur­zem ra­di­ka­li­siert. Sei­ne fa­mi­liä­re Um­ge­bung hat­te kei­ne Ah­nung von dem Sin­nes­wan­del. Dies zeigt, wie wich­tig es ist, wirk­lich auf der Hut zu sein. Mit ei­ner ein­ma­li­gen Über­prü­fung von Stel­len­an­wär­tern ist es nicht ge­tan. Wer kei­ne bö­sen Über­ra­schun­gen er­le­ben will, muss wach­sam sein.

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