Zu­schuss für das Ei­gen­heim?

Uni­on und SPD wol­len Fa­mi­li­en beim Im­mo­bi­li­en­kauf un­ter­stüt­zen

Pforzheimer Kurier - - ZEITGESCHEHEN - Von Ru­di Wais und Dirk Neu­bau­er

Berlin/Karlsruhe. Ein Ei­gen­heim ist teu­er – vor al­lem da, wo die Mie­ten schon hoch sind. Elf Jah­re nach dem En­de der Ei­gen­heim­zu­la­ge wol­len Uni­on und SPD Fa­mi­li­en des­halb beim Kauf ei­ner Im­mo­bi­lie wie­der mit staat­li­chen Zu­schüs­sen un­ter die Ar­me grei­fen. Zwar un­ter­schei­den sich die Plä­ne der Ko­ali­tio­nä­re noch – an­ge­sichts des knap­pen Wohn­raums und der stei­gen­den Prei­se se­hen aber so­wohl CDU und CSU als auch die So­zi­al­de­mo­kra­ten Hand­lungs­be­darf.

Ein be­son­de­res Au­gen­merk will BauStaats­se­kre­tär Flo­ri­an Pro­nold (SPD) da­bei auf die La­ge in den Dör­fern le­gen. Häu­fig sei es güns­ti­ger, ein leer ste­hen­des An­we­sen im Ort zu re­no­vie­ren als auf der grü­nen Wie­se neu zu bau­en, be­ton­te Pro­nold ge­gen­über un­se­rer Zei­tung. Sol­che Pro­jek­te soll­ten da­her künf­tig mit ei­nem spe­zi­el­len Pro­gramm ge­för­dert wer­den.

Ob sich Uni­on und SPD noch vor der Wahl ei­ni­gen, ist al­ler­dings frag­lich. „Ver­mut­lich wird es in die­ser Le­gis­la­tur nichts mehr“, räum­te Pro­nold ein. Wäh­rend die CDU vor ih­rem Par­tei­tag in der nächs­ten Wo­che nur ganz all­ge­mein von „al­len ver­füg­ba­ren In­stru­men­ten“vom Bau­kin­der­geld bis zur steu­er­li­chen För­de­rung spricht, sind die CSU und das SPD-ge­führ­te Bau­mi­nis­te­ri­um schon ei­nen Schritt wei­ter. Die CSU macht sich für ein Bau-Kin­der­geld von jähr­lich 1 200 Eu­ro je Kind über zehn Jah­re stark. Bau­mi­nis­te­rin Bar­ba­ra Hend­ricks (SPD) will Fa­mi­li­en mit ei­nem Kind und ei­nem zu ver­steu­ern­den Jah­res­ein­kom­men von ma­xi­mal 70 000 Eu­ro ei­ne Prä­mie von 8 000 Eu­ro be­zah­len – al­ler­dings nur, wenn die Fa­mi­lie in ei­ner Groß­stadt, ei­ner Uni­ver­si­täts­stadt oder ei­ner an­de­ren Re­gi­on mit ei­nem an­ge­spann­ten Im­mo­bi­li­en­markt lebt. Für ein zwei­tes und ein drit­tes Kind gä­be es dann noch ein­mal je­weils 6 000 Eu­ro, da­mit wä­re dann der ma­xi­ma­le Zu­schuss von 20 000 Eu­ro er­reicht. Nach ers­ten Be­rech­nun­gen kön­nen mit den ver­an­schlag­ten 500 Mil­lio­nen Eu­ro rund 40 000 Fa­mi­li­en ge­för­dert wer­den. Mit wel­chen Prä­mi­en El­tern be­lohnt wer­den, die in ih­ren Dör­fern in­ves­tie­ren, muss nach Pro­nolds Wor­ten noch ge­klärt wer­den. Hend­ricks geht es nach ei­ge­nen An­ga­ben dar­um, mit dem Zu­schuss zum Ei­gen­ka­pi­tal Fa­mi­li­en den Zu­gang zu Kre­di­ten zu er­leich­tern. Na­tür­lich wür­den die Ban­ken wei­ter die Kre­dit­wür­dig­keit prü­fen, sag­te sie. Aber Fa­mi­li­en, die ei­nen Kre­dit für ein Ei­gen­heim be­kä­men, könn­ten ihn in der Re­gel auch be­die­nen, da sie zu­vor ja Mie­te ge­zahlt hät­ten.

Die Ei­gen­heim­zu­la­ge von bis zu 1 250 Eu­ro im Jahr und das Bau­kin­der­geld von zu­letzt 800 Eu­ro pro Kind und Jahr wa­ren mit ei­nem Vo­lu­men von gut 100 Mil­li­ar­den Eu­ro und ei­ner Lauf­zeit von bis zu acht Jah­ren je Bau­vor­ha­ben ei­ne der teu­ers­ten Sub­ven­tio­nen der Nach­kriegs­zeit. In den Au­gen ih­rer Kri­ti­ker hat sie den ge­wünsch­ten Ef­fekt, näm­lich mehr Men­schen die An­schaf­fung ei­ner Im­mo­bi­lie zu er­mög­li­chen, ver­fehlt und nur die Bau­prei­se in die Hö­he ge­trie­ben. Heu­te ha­ben jun­ge Fa­mi­li­en vor al­lem in den Bal­lungs­räu­men gro­ße Pro­ble­me, ein be­zahl­ba­res Ei­gen­heim zu fin­den. Um über­haupt ei­nen Kre­dit zu be­kom­men, müs­sen sie in der Re­gel 20 Pro­zent der Bau­sum­me an­ge­spart ha­ben, da­zu kom­men die im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich sehr ho­hen Ne­ben­kos­ten wie die Grund­er­werb­steu­er, die No­tar­ge­büh­ren und der Ein­trag ins Grund­buch.

Die Lan­des­bau­spar­kas­se Süd­west er­klär­te ges­tern ge­gen­über die­ser Zei­tung, sie be­grü­ße al­le Initia­ti­ven, die zur Stär­kung der Wohn­ei­gen­tums­bil­dung bei­tra­gen. „Ge­nau­so wich­tig ist es, jetzt auch die Spar­för­de­rung für brei­te Be­völ­ke­rungs­schich­ten zu ver­bes­sern“, er­klär­te ei­ne Spre­che­rin der größ­ten deut­schen Lan­des­bau­spar­kas­se, die auch ei­nen Stand­ort in Karlsruhe hat. Denn durch die ge­stie­ge­nen Im­mo­bi­li­en­prei­se und neue­re Re­gu­lie­rungs­maß­nah­men wer­de früh­zei­ti­ger Ka­pi­tal­auf­bau als Ba­sis für ei­ne si­che­re Fi­nan­zie­rung im­mer wich­ti­ger. Tat­säch­lich sei­en aber vie­le ehe­mals Be­rech­tig­te in­zwi­schen aus der För­de­rung her­aus­ge­wach­sen, weil die Ein­kom­mens­gren­zen zum Bei­spiel für die Woh­nungs­bau­prä­mie seit 20 Jah­ren nicht mehr an die Lohn- und Preis­ent­wick­lung an­ge­passt wur­den.

Die CSU macht sich für ein Bau-Kin­der­geld stark

FÖR­DE­RUNG FÜR FA­MI­LI­EN: Bau­mi­nis­te­rin Bar­ba­ra Hend­ricks will Fa­mi­li­en beim Bau­en mit bis zu 20 000 Eu­ro hel­fen. Die Hö­he der För­de­rung soll sich da­bei nach der An­zahl der Kin­der rich­ten. Fotos: pi­co;fo­to­lia.com/dpa

Bar­ba­ra Hend­ricks

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