Chat mit Kol­le­gen

Is­la­mist ar­bei­te­te im BfV

Pforzheimer Kurier - - ZEITGESCHEHEN - Von Jörg Blank und Se­bas­ti­an En­gel

Berlin. Ei­gent­lich hat­te das Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz (BfV) den 51-jäh­ri­gen „Quer­ein­stei­ger“im April nach in­ten­si­ver Si­cher­heits­über­prü­fung ein­ge­stellt, da­mit er die wach­sen­de Is­la­mis­ten-Sze­ne über­wacht. Doch im No­vem­ber fiel der in Ob­ser­va­tio­nen ein­ge­setz­te Fa­mi­li­en­va­ter mit is­la­mis­ti­schen Äu­ße­run­gen im In­ter­net auf. Was er in Chats an­bot, alar­mier­te die Ge­heim­dienst­ler. Was der nun fest­ge­nom­me­ne mut­maß­li­che Is­la­mist nicht wuss­te: Sein Chat-Part­ner war ein Kol­le­ge.

Wie lau­ten die Vor­wür­fe ge­gen den Ver­däch­ti­gen?

Die Staats­an­walt­schaft Düs­sel­dorf er­mit­telt ge­gen den Mann we­gen des Ver­dachts der Vor­be­rei­tung ei­ner schwe­ren staats­ge­fähr­den­den Ge­walt­tat und der ver­such­ten Ver­let­zung von Di­enst­ge­heim­nis­sen. Ge­prüft wird, ob der Ge­ne­ral­bun­des­an­walt den Fall über­nimmt.

Hat der 51-Jäh­ri­ge selbst ei­nen An­schlag ge­plant?

Er hat dem ver­meint­li­chen Is­la­mis­ten, der in Wirk­lich­keit ein Kol­le­ge vom Ge­heim­dienst war, of­fen­bar an­ge­bo­ten, Gleich­ge­sinn­ten Zu­gang zum Haupt­sitz des BfV in Köln zu ver­schaf­fen. Die Staats­an­walt­schaft er­klär­te al­ler­dings, die Er­mitt­lun­gen hät­ten bis­lang kei­ne Hin­wei­se er­ge­ben, dass ei­ne rea­le Ge­fahr be­stan­den ha­be.

Wie sind die Er­mitt­ler dem Mann auf die Sch­li­che ge­kom­men?

Die Ge­heim­dienst­ler über­wa­chen et­wa Chats und Face­book-Ein­trä­ge von ra­di­ka­len Is­la­mis­ten und Sala­fis­ten. Da­bei fiel auch der Ver­däch­ti­ge auf – und zwar kurz nach der Ver­haf­tung des mut­maß­li­chen Hil­des­hei­mer Top-Is­la­mis­ten Abul Wa­laa am 8. No­vem­ber.

Was ist noch über den Ver­däch­ti­gen be­kannt?

Der Fa­mi­li­en­va­ter war vor sei­ner Tä­tig­keit für den Ver­fas­sungs­schutz Bank­an­ge­stell­ter. We­gen ge­plan­ter Um­struk­tu­rie­run­gen in der Bank ha­be er sich nach ei­ner neu­en Tä­tig­keit um­ge­se­hen. Bei der Si­cher­heits­über­prü­fung sei­en fünf Re­fe­renz­per­so­nen – wie Ex-Vor­ge­setz­te oder ehe­ma­li­ge Kol­le­gen – be­fragt wor­den. Da­bei hät­ten sich kei­ne Be­den­ken ge­gen ei­ne An­stel­lung er­ge­ben. Der ge­bür­ti­ge Spa­nier be­sit­ze seit lan­gem die deut­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit. Auch in­ner­halb sei­ner Fa­mi­lie sei die Ra­di­ka­li­sie­rung nicht auf­ge­fal­len.

Wel­che Kon­se­quen­zen zieht der Ver­fas­sungs­schutz?

Ver­fas­sungs­schutz-Prä­si­dent Han­sGe­org Maa­ßen (Foto: dpa) will die Ein­stel­lungs­pra­xis in sei­nem Amt noch­mals über­prü­fen las­sen. Man wer­de den Fall „gründ­lich auf­ar­bei­ten, um zu se­hen, was wir dar­aus ler­nen kön­nen“, sag­te er.

H.-G. Maa­ßen

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