Al­ler gu­ten Din­ge sind drei...

Span­nung vor Wahl in Ös­ter­reich / Neu­er Tri­umph für Po­pu­lis­ten?

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

Wi­en. Eu­ro­pa schaut nach Ös­ter­reich: Wenn die 6,4 Mil­lio­nen Wäh­ler der Al­pen­re­pu­blik am kom­men­den Sonn­tag ei­nen neu­en Bun­des­prä­si­den­ten be­stim­men, geht es um ein po­li­ti­sches Si­gnal. Erst­mals könn­te in We­st­eu­ro­pa ein Rechts­po­pu­list Staats­ober­haupt wer­den. Ös­ter­reichs Bun­des­prä­si­dent hat mehr Macht als das deut­sche Staats­ober­haupt und kann – zu­min­dest auf dem Pa­pier – auch die Re­gie­rung ent­las­sen. Nach ei­ner un­gül­ti­gen und ei­ner ver­scho­be­nen Wahl fällt nun im drit­ten An­lauf die Ent­schei­dung. Un­ser Mit­ar­bei­ter Mat­thi­as Rö­der be­ant­wor­tet die wich­tigs­ten Fra­gen da­zu.

Wie­so muss ei­gent­lich noch­mal ge­wählt wer­den?

Das Er­geb­nis der Stich­wahl am 22. Mai, bei der Van der Bel­len knapp ge­won­nen hat­te, wur­de von der FPÖ er­folg­reich vor Ge­richt an­ge­foch­ten. Die Aus­zäh­lung der Brief­wahl­stim­men war in vie­len Or­ten for­mal nicht kor­rekt ab­ge­lau­fen. Teils wur­de zu früh, teils von nicht le­gi­ti­mier­ten Per­so­nen aus­ge­zählt.

Wie­so ist die­se Wahl auf je­den Fall his­to­risch?

Ho­fer wä­re bei ei­nem Sieg am Sonn­tag der ers­te Rechts­po­pu­list an der Spit­ze ei­nes Staa­tes in We­st­eu­ro­pa. Und er wä­re mit 45 Jah­ren der mit Ab­stand bis­her jüngs­te ös­ter­rei­chi­sche Prä­si­dent. Aber auch so ist die Wahl 2016 ein Fall für die Ge­schichts­bü­cher: Erst­mals ist we­der ein Kan­di­dat der so­zi­al­de­mo­kra­ti­schen SPÖ noch der kon­ser­va­ti­ven ÖVP in der Stich­wahl. Was prägt den Wahl­kampf?

Ho­fer will mit „Volks­nä­he“punk­ten und setzt auf den Slo­gan „In eu­rem Sin­ne ent­schei­den“. Dar­un­ter ver­steht er ei­ne strik­te An­ti-Mi­gra­ti­ons­po­li­tik, die For­de­rung nach ei­ner zu re­for­mie­ren­den EU und den Ruf nach mehr Tat­kraft der Re­gie­rung. Van der Bel­len will die Wäh­ler mit sei­ner staats­män­nisch be­dacht­sa­men Art lo­cken und pla­ka­tiert: „Für das An­se­hen Ös­ter­reichs in der Welt“. Er ist über­zeug­ter Eu­ro­pä­er und warnt da­vor, dass ein FPÖ-Prä­si­dent nur ein Zwi­schen­schritt zu ei­ner we­sent­lich in­to­le­ran­te­ren „blau­en Re­pu­blik“ist.

Was un­ter­schei­det die FPÖ von an­de­ren Rechts­po­pu­lis­ten?

Sie agiert we­ni­ger plump und ih­re Rhe­to­rik ist in der Re­gel nicht so dras­tisch. Spe­zi­ell Ho­fer ver­sucht, zum Bei­spiel das Mi­gra­ti­ons- und das EU-The­ma an­zu­spre­chen, oh­ne da­bei so­fort die po­li­ti­sche Mit­te zu ver­prel­len. Nach dem Br­ex­it ju­bel­te die fran­zö­si­sche Rechts­po­pu­lis­tin Ma­ri­ne Le Pen ganz of­fen. Die FPÖ gra­tu­lier­te den Bri­ten brav, aber Ho­fer mach­te spä­ter klar, dass er kei­nen di­rek­ten Öxit an­stre­be, son­dern der EU ei­ne Be­wäh­rungs­chan­ce ge­be.

Gibt es ei­nen Trump-Ef­fekt?

Das ist un­klar. Ei­ne The­se wä­re, dass die neu­er­dings ge­mä­ßig­te­ren Tö­ne des ge­wähl­ten US-Prä­si­den­ten Do­nald Trump bei bis­her un­ent­schlos­se­nen Wäh­lern eher für Ho­fer spre­chen. Nach dem Mot­to: Die Ame­ri­ka­ner ha­ben den Auf­stand ge­gen das Esta­blish­ment ge­wagt, das kön­nen auch wir. Die an­de­re The­se: Das An­ti-Po­pu­lis­ten-La­ger sieht den Trump-Sieg als ul­ti­ma­ti­ven Weck­ruf.

Was wä­ren mög­li­che Fol­gen ei­nes Ho­fer-Sie­ges?

Es wä­re der bis­her größ­te Tri­umph der Rechts­po­pu­lis­ten in We­st­eu­ro­pa. Die EU-Kri­ti­ker be­kä­men neu­en Auf­trieb. In Ös­ter­reich wür­de ei­ne bal­di­ge FPÖRe­gie­rungs­be­tei­li­gung noch wahr­schein­li­cher, denn das Aus­gren­zen ei­ner Par­tei, die den Bun­des­prä­si­den­ten stellt, ist schwer denk­bar. Schon jetzt ist die FPÖ in Um­fra­gen mit 34 Pro­zent die mit Ab­stand po­pu­lärs­te Par­tei.

WEG­WEI­SEN­DE WAHL: Im drit­ten An­lauf ent­schei­den die Ös­ter­rei­cher am Sonn­tag, wer neu­es Staats­ober­haupt wird und in die Hof­burg ein­zieht. Noch nie hat­te die­se Wahl auch in­ter­na­tio­nal ei­nen sol­chen Stel­len­wert. Fotos: dpa

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