Was bringt das „Win­ter­pa­ket“?

EU stellt ih­re Plä­ne für Ener­gie­markt vor

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT -

Brüs­sel. Die EU-Kom­mis­si­on will den gro­ßen Wurf – auch wenn Kri­ti­ker da Zwei­fel an­mel­den. Bis 2030 soll der Ener­gie­markt in Eu­ro­pa so um­ge­baut wer­den, dass mit mehr er­neu­er­ba­ren Ener­gi­en und Ener­gie­ef­fi­zi­enz die selbst ge­steck­ten Kli­ma­zie­le er­reicht wer­den. Gleich­zei­tig sol­len Strom, Wär­me und Küh­lung er­schwing­lich blei­ben. Das ges­tern ver­öf­fent­lich­te so­ge­nann­te „Win­ter­pa­ket“zählt mehr als 1 000 Sei­ten so­wie Dut­zen­de Vor­schlä­ge, Initia­ti­ven und Richt­li­ni­en. Un­se­re Mit­ar­bei­te­rin Ve­re­na Sch­mitt-Ro­sch­mann gibt Ant­wor­ten auf Fra­gen da­zu.

Was steckt im „Win­ter­pa­ket“?

Die Kom­mis­si­on setzt drei Schwer­punk­te: Ef­fi­zi­enz, er­neu­er­ba­re Ener­gi­en und ein „fai­rer De­al für Ver­brau­cher“. Zu al­len The­men gibt es di­ver­se An­sät­ze. Ei­ne „Ener­gie­ef­fi­zi­enz-Richt­li­nie“soll bis 2030 ein Ein­spar­ziel von 30 Pro­zent si­chern – al­so et­was mehr als die 2014 an­vi­sier­ten 27 Pro­zent. Da­bei geht es um Stro­mer­spar­nis, aber auch um ei­ne Ver­rin­ge­rung von Heiz­wär­me be­zie­hungs­wei­se Ener­gie zum Küh­len. Der zwei­te wich­ti­ge Punkt ist das Er­rei­chen ei­nes 27-Pro­zent-An­teils er­neu­er­ba­rer Ener­gi­en am ge­sam­ten Ener­gie­ver­brauch der Uni­on bis 2030. Da­für soll drit­tens der Strom­markt so um­ge­baut wer­den, dass er bis zu 50 Pro­zent Ökostrom ver­kraf­ten kann. Dies al­les soll hel­fen, dass die EU 2030 min­des­tens 40 Pro­zent we­ni­ger Treib­haus­ga­se ver­ur­sacht als 1990.

Wird das für die Bür­ger nicht wahn­sin­nig teu­er?

Nein, sagt je­den­falls EU-Ener­gie­kom­mis­sar Ma­ros Sef­co­vic. Zwar rech­net er mit jähr­li­chen In­ves­ti­tio­nen von bis zu 177 Mil­li­ar­den Eu­ro ab 2021, um die ge­setz­ten Zie­le zu er­rei­chen. Da­von soll aber nach sei­nem Plan un­ter dem Strich nichts bei den Ver­brau­chern hän­gen blei­ben: „Un­ser Ziel ist es nicht, die Rech­nung der Haus­hal­te in die Hö­he zu trei­ben. Am En­de soll­te der Ver­brau­cher der kla­re Ge­win­ner sein.“Haus­hal­te mit nied­ri­gem Ein­kom­men sol­len durch Ener­gie­spar-Maß­nah­men ent­las­tet wer­den. Da­für will die EU-Kom­mis­si­on die Mit­glied­staa­ten zu In­ves­ti­tio­nen ver­pflich­ten. Denn 23,3 Mil­lio­nen Haus­hal­te in der EU le­ben in „Ener­gie­ar­mut“, kön­nen sich al­so Strom und Hei­zung kaum leis­ten.

Was än­dert sich dann kon­kret für die Ver­brau­cher?

Er­klär­tes Ziel der Kom­mis­si­on ist es, Pri­vat­kun­den mehr Kon­trol­le über ih­re Ener­gie­kos­ten zu ge­ben und letzt­lich über mehr Wett­be­werb zu spa­ren. Sie sol­len leich­ter ih­ren Ver­sor­ger wech­seln kön­nen – näm­lich bin­nen drei Wo­chen und in der Re­gel oh­ne Auf­preis. Künf­tig sol­len Vor­ga­ben für Strom­rech­nun­gen gel­ten, da­mit die Kun­den den Zah­len­wust über­haupt ver­ste­hen und ih­ren Ver­brauch selbst ana­ly­sie­ren kön­nen. So­ge­nann­te in­tel­li­gen­te Strom­zäh­ler („smart me­ter“) und fle­xi­ble Ta­ri­fe sol­len da­zu bei­tra­gen, dass Ver­brau­cher Strom ge­nau dann ab­neh­men kön­nen, wenn er am bil­ligs­ten ist. Die Öko­de­sign-Richt­li­nie soll strom­spa­ren­den Ge­rä­ten zum Durch­bruch ver­hel­fen. Auch soll es über neue Ener­gie­dienst­leis­ter leich­ter wer­den, selbst­er­zeug­te Ener­gie nicht nur selbst zu nut­zen, son­dern auch zu ver­mark­ten.

Was ha­ben Ver­brau­cher- und Um­welt­schüt­zer dar­an aus­zu­set­zen?

Grund­sätz­lich lobt der Eu­ro­päi­sche Ver­brau­cher­ver­band BEUC: „Die Ener­gie­wen­de, die die EU vor­schlägt, könn­te gro­ße Vor­tei­le für Bür­ger und Un­ter­neh­men brin­gen.“Ei­ni­ges geht Ver­brau­cher­schüt­zern aber nicht weit ge­nug. Um­welt­schüt­zer be­kla­gen zu we­nig Ehr­geiz. Die Um­welt­hil­fe et­wa for­dert ein Ener­gie-Ein­spar­ziel von 40 statt 30 Pro­zent. Beim Aus­bau er­neu­er­ba­rer Ener­gi­en se­hen Um­welt­ver­bän­de neue Hür­den durch die EU-Plä­ne, denn nach 2020 gilt nicht mehr, dass Ökostrom im Strom­netz im­mer Vor­rang hat.

BAU­STEL­LE STROM­VER­SOR­GUNG: Bis 2030 soll der Ener­gie­markt in Eu­ro­pa so um­ge­baut wer­den, dass mit mehr er­neu­er­ba­ren Ener­gi­en und Ener­gie­ef­fi­zi­enz die selbst­ge­steck­ten Kli­ma­zie­le er­reicht wer­den. Foto: dpa

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.