Das Land als Pro­blem­lö­ser?

Bei der Ma­jo­li­ka ver­weist man wei­ter auf die un­güns­ti­gen Rah­men­be­din­gun­gen

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Theo Wes­ter­mann

Die Vor­ga­ben des Ge­mein­de­ra­tes für die Ma­jo­li­ka, ge­trof­fen bei der Sit­zung im ver­gan­ge­nen Sep­tem­ber, wa­ren ei­ne Mi­schung aus Zu­cker­brot und Peit­sche: Es gibt zwar für 2017 ei­nen Zu­schuss von 350 000 Eu­ro und für 2018 ei­nen Zu­schuss von 300 000 Eu­ro. Doch dann soll der Zu­schuss deut­lich schrump­fen und wei­ter war klar: Bis 2017 er­war­tet man ei­nen Zwi­schen­be­richt und bis En­de 2018 ei­nen Ab­bau des De­fi­zits und ein trag­fä­hi­ges Ge­schäfts­mo­dell. Wo­chen nach die­ser Ent­schei­dung will Ma­jo­li­ka-Stif­tungs­vor­stand Klaus Lin­de­mann nicht mehr all­zu sehr ha­dern mit je­dem Satz, der im Ge­mein­de­rat in Rich­tung der wei­ter ums Über­le­ben kämp­fen­den Ma­jo­li­ka ge­sagt wur­de. Er be­kennt: „Wir müs­sen es wei­ter ver­su­chen.“Doch er fragt auch, wie die Vor­ga­ben des Ge­mein­de­ra­tes rea­li­sier­bar sind. „Wir ha­ben doch die gleich­lau­ten­den Wün­sche wie vie­le Stadt­rä­te, aber wir brau­chen auch ei­ne rea­lis­ti­sche und fai­re Chan­ce“. Bei der Ke­ra­mik­ma­nu­fak­tur hat ein dras­ti­scher Per­so­nal­ab­bau statt­ge­fun­den, ei­ne neue künst­le­ri­sche Ori­en­tie­rung trägt Früch­te, ers­te Er­fol­ge bei Kun­den und Auf­trag­ge­bern sind zu ver­zeich­nen.

Wich­ti­ger noch als die fi­nan­zi­el­len Vor­ga­ben sind für Lin­de­mann al­ler­dings die Be­din­gun­gen, un­ter de­nen die ver­blie­be­ne Mann­schaft der Ma­jo­li­ka am Aha­weg ar­bei­ten kann – oder auch nicht ar­bei­ten kann. Denn wei­ter­hin sind die vier Ka­mi­ne ein­sturz­ge­fähr­det und da­mit Tei­le der Rä­um­lich­kei­ten ge­sperrt. Dies gilt auch für Ta­gungs­räu­me und die Woh­nate­liers, die ei­gent­lich für die Ma­jo­li­ka drin­gend be­nö­tig­te Ein­nah­men brin­gen könn­ten. Nach wie vor ist die städ­ti­sche Toch­ter KVVH der Ei­gen­tü­mer der Im­mo­bi­lie. Und laut Miet­ver­trag muss die Ma­jo­li­ka im Prin­zip not­wen­di­ge Sa­nie­run­gen zah­len, was sie aber nicht kann. Ein Hoff­nungs­schim­mer ist nun laut Lin­de­mann, dass ein neu­er Miet­ver­trag ver­han­delt wird, der dann ab Ja­nu­ar in Kraft tre­ten soll. Der Plan ist, dass die Ma­jo­li­ka von 7 000 Qua­drat­me­tern Flä­che 5 000 ab­ge­ben wird.

Un­ter­des­sen rich­ten sich hoff­nungs­vol­le Bli­cke der Ma­jo­li­ka und der Karls­ru­her Kom­mu­nal­po­li­tik al­ler­dings auf das Land. Könn­te das Land die Im­mo­bi­lie über­neh­men an­statt der eben­falls im Ge­spräch be­find­li­che städ­ti­schen Toch­ter Fä­cher Gm­bH? Nach be­stä­tig­ten BNN-In­for­ma­tio­nen prüft man im Fi­nanz­de­zer­nat der Stadt, in­wie­weit man mit dem Land ei­nen so­ge­nann­ten „Let­ter of In­tent“ab­schlie­ßen könn­te, der ei­ne kom­plet­te Über­nah­me des Ma­jo­li­ka-Are­als durch das Land zum Ziel hat. Im Rat­haus hält man dies für ei­ne „rie­si­ge Chan­ce“.

Sol­che Über­le­gun­gen wer­den be­feu­ert durch fol­gen­den Um­stand: Hin­ter den Ma­jo­li­ka-Ge­bäu­den be­fin­den sich die De­pots ver­schie­de­ner Lan­des­ein­rich­tun­gen, et­wa des Lan­des­mu­se­ums. Seit län­ge­rem gibt es die Idee, die­se De­pots aus­zu­bau­en und stär­ker zu öff­nen, un­ter­mau­ert auch durch ei­ne Mach­bar­keits­stu­die des Am­tes für Ver­mö­gen und Bau. Dies passt zu­sam­men mit Plä­nen von Lan­des­mu­se­ums­di­rek­tor Eck­art Köh­ne, ei­nes Ta­ges das Mu­se­um am Markt dort­hin zu ver­la­gern. Köh­ne be­stä­tig­te ge­gen­über den BNN ent­spre­chen­de Ge­sprä­che zwi­schen Kunst- und Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um. Ein Spre­cher des Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um in Stutt­gart sag­te sei­ner­seits, dass ge­prüft wer­de, ob wei­te­re Flä­chen am Aha­weg für die De­pot­nut­zung ge­braucht wür­den.

Wenn das Land nun zu die­ser Er­kennt­nis kom­men soll­te, könn­te es dann nicht gleich die kom­plet­te Ma­jo­li­ka über­neh­men? Vie­le kom­ple­xe De­bat­ten über Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten am Aha­weg ha­ben mit dem Land zu tun, ob es um den Forst, den Na­tur­schutz oder die Zu­fahr­ten geht. Kon­kre­te Ver­hand­lun­gen zwi­schen Stadt und Land gibt es in die­ser Sa­che al­ler­dings noch nicht, sag­te Bau­bür­ger­meis­ter Micha­el Obert auf BNN-An­fra­ge. „Was künf­tig am Aha­weg pas­siert, hängt mit Ent­schei­dun­gen der Stadt­po­li­tik zu­sam­men,“so Obert. Und was die bis­her nicht aus­ge­spro­che­ne In­ter­es­sen­la­ge des Lan­des an­geht? „Das Land muss sich auch mal äu­ßern und sa­gen, das es In­ter­es­se hat – wir war­ten drauf.“

Ver­wal­tung lässt Op­ti­on Land prü­fen

UM DIE ZU­KUNFT der Ma­jo­li­ka wird wei­ter ge­run­gen. Der Ge­mein­de­rat hat kla­re zeit­li­che Vor­ga­ben ge­macht, die Im­mo­bi­li­en­fra­ge ist wei­ter un­ge­klärt. Foto: jo­do

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