Schar­fe Kri­tik nach Pres­se­aus­schluss

Frak­tio­nen wol­len AfD Ver­hal­ten bei Par­tei­tag nicht ein­fach durch­ge­hen las­sen

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Bet­ti­na Grach­trup

Stutt­gart. Für den Aus­schluss der Pres­se bei ih­rem jüngs­ten Par­tei­tag hat die Al­ter­na­ti­ve für Deutsch­land (AfD) im Land­tag scharf Kri­tik ge­ern­tet. Red­ner von CDU, Grü­nen, SPD und FDP so­wie Jus­tiz­mi­nis­ter Gui­do Wolf (CDU) wand­ten sich ent­schie­den ge­gen Ein­schrän­kun­gen der Pres­se­frei­heit. Die AfD ver­wies hin­ge­gen dar­auf, dass es sich bei der Ent­schei­dung, die Jour­na­lis­ten beim Par­tei­tag im No­vem­ber in Kehl aus­zu­schlie­ßen, um ein de­mo­kra­ti­sches Vo­tum der Par­tei­tags­de­le­gier­ten ge­han­delt ha­be. Jus­tiz­mi­nis­ter Wolf sag­te in Stutt­gart: „Wer die Pres­se aus­schließt, der scheint nicht nur et­was zu ver­ber­gen zu ha­ben – der hat auch die Grund­prin­zi­pi­en un­se­res frei­heit­li­chen Staa­tes nicht ver­stan­den. Der wen­det sich be­wusst ge­gen ei­nen Grund­pfei­ler un­se­rer De­mo­kra­tie.“

CDU-Frak­ti­ons­chef Wolf­gang Rein­hart sag­te, die freie Pres­se wer­de ge­ra­de auch in Zei­ten ge­braucht, in de­nen so­zia­le Me­di­en ei­ne im­mer grö­ße­re Rol­le spiel­ten. „Es braucht die Pres­se als pro­fes­sio­nel­le, kri­tisch und mah­nen­de In­stanz um­so mehr, je schnel­ler und un­mit­tel­ba­rer Mei­nun­gen ver­brei­tet wer­den.“Grü­nen-Par­la­ments­ge­schäfts­füh­rer Uli Sckerl hielt der AfD vor, ein ge­stör­tes Ver­hält­nis zur Mei­nungs­frei­heit und zur Pres­se zu ha­ben. Die Mei­nungs­frei­heit en­de für die AfD of­fen­bar dort, wo es öf­fent­li­che Kri­tik an den ei­ge­nen Po­si­tio­nen ge­be. „Sie neh­men als Par­tei an der po­li­ti­schen Wil­lens­bil­dung teil. Dann müs­sen Sie auch er­tra­gen, wenn Ih­nen Mei­nun­gen der Jour­na­lis­ten nicht pas­sen und dass Ver­an­stal­tun­gen

„Es wird sehr wohl über sie be­rich­tet“

und Par­tei­ta­ge öf­fent­lich sind.“Die SPD-Po­li­ti­ke­rin Sa­bi­ne Wöl­f­le sag­te, Par­tei­en müss­ten kri­ti­sche und auch ne­ga­ti­ve Be­richt­er­stat­tung aus­hal­ten. Je­der Ab­ge­ord­ne­te ken­ne aus der ei­ge­nen Er­fah­rung, dass man sich manch­mal falsch zi­tiert füh­le. Aber Pres­se und Po­li­ti­ker brauch­ten ein­an­der und be­geg­ne­ten ein­an­der mit Re­spekt. FDP-Frak­ti­ons­chef Hans-Ul­rich Rül­ke sag­te, wenn Men­schen für ein öf­fent­li­ches Amt wie für ein Bun­des­tags­man­dat auf­ge­stellt wür­den, ha­be die Öf­fent­lich­keit auch ein Recht, sich ein Bild zu ma­chen. Die AfD wer­fe den an­de­ren Par­tei­en ei­ne Hin­ter­zim­mer­po­li­tik vor, die sie dann selbst prak­ti­zie­re. Die AfD kön­ne nicht be­kla­gen, dass über sie nicht be­rich­tet wer­de. „Es wird sehr wohl über sie be­rich­tet. Nur passt Ih­nen das meis­te nicht, was über Sie be­rich­tet wird. Und das liegt an dem, was Sie hier ab­lie­fern“, sag­te Rül­ke.

Beim AfD-Par­tei­tag im No­vem­ber in Kehl muss­ten Me­di­en­ver­tre­ter drau­ßen blei­ben. Der Par­tei­tag, bei dem die Lan­des­lis­te zur Bun­des­tags­wahl auf­ge­stellt wur­de, ver­wehr­te ih­nen per Be­schluss den Zu­gang, weil AfD-Mit­glie­der ei­ne vor­ein­ge­nom­me­ne und se­lek­ti­ve Be­richt­er­stat­tung fürch­te­ten.

EIN JOUR­NA­LIST sitzt wäh­rend ei­ner Land­tags­sit­zung vor dem Wap­pen von Ba­den-Würt­tem­berg. Dis­ku­tiert wur­de dort das Ver­hal­ten der AfD ge­gen­über der Pres­se. Foto: dpa

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