Ei­ne Büh­ne für Je­der­mann

Folk­mee­ting im Pris­ma-Club be­geis­tert gro­ßes Pu­bli­kum

Pforzheimer Kurier - - KUL­TUR IN PFORZ­HEIM -

Wer kann, der soll und wer will, der darf: Gu­tes Mot­to, das je­de Sai­son auf dem Pro­gramm des Folk­club Pris­ma steht. Es ge­hört zum Folk­mee­ting und be­deu­tet auch am neu­en Spiel­ort Ga­so­me­ter nichts an­de­res als „Büh­ne frei für je­den, der ein In­stru­ment be­die­nen kann“.

Pris­ma-Chef He­se Schrö­ter braucht da gar nicht groß auf die Wer­be­trom­mel ein­schla­gen, die Lis­te ist recht schnell voll. Teil­wei­se auch von Leu­ten, die es im­mer wie­der wis­sen wol­len, wie es ist, vor ei­nem recht gro­ßen Pu­bli­kum zu spie­len, das Über­ra­schun­gen liebt. „Das letz­te Mal, als wir da­bei wa­ren, das war noch im Bot­tich“, sagt Mar­tin Gass­mann, der für die Bü­chen­bron­ner Band „Per­ma­nent Chan­ge“die Gi­tar­ren­sai­ten in Schwin­gung ver­setzt. Zu­sam­men mit Man­fred Schwei­kert (Gei­ge) und Hans-Jörg Brösch (Gi­tar­re) bringt er als ers­te Band die Zu­hö­rer in Schwin­gung. Und das ge­lingt aus­ge­spro­chen gut mit ei­ner All­round-Mi­schung in­klu­si­ve An­klän­ge an Djan­go Rein­hardt. Auch das be­weist Rhyth­mus-Ge­fühl (von Hans-Jörg Brosch), denn so ein­fach ist es nun auch wie­der nicht, das Did­ge­ri­doo recht­zei­tig und im rich­ti­gen Win­kel auf den Kopf zu stel­len, da­mit die St­ein­chen an den nach in­nen ge­trie­be­nen Kak­tus-St­a­cheln hin­ab „reg­nen“.

Es gibt aber auch mu­ti­ge „Ram­penSäue“, die sich was trau­en: „Wie lan­ge kennt ihr euch?“, fragt He­se Schrö­ter das nächs­te Duo. „Vier Wo­chen?“Län­ger nicht. Kai Por­to­la­no schafft es trotz­dem, der spa­nisch an­ge­hauch­ten Gi­tar­re Schritt zu hal­ten mit dem Tem­pe­ra­ment von Gi­tar­ris­tin und Sän­ge­rin Ju­lia Sch­naidt. „Va­mos“– ja, auf geht’s: ins Land der ge­fühl­vol­len Bal­la­den mit Son­nen­un­ter­gän­gen und See­len, die im Jen­seits nun frei sind. Und Ju­lia Sch­naidt for­dert auch das Pu­bli­kum, das ei­nen recht lan­gen Re­frain im Sin­ne von „al­les wird gut, es braucht nur ein biss­chen Mut“mit­sin­gen darf. Und das auch tut. Die et­wa 60 Gäs­te sind voll da­bei. „Es spricht sich schnell her­um, un­se­re Mee­tings sind be­gehrt un­ter den Bands, weil das Pu­bli­kum wirk­lich zu­hört“, sagt He­se Schrö­ter, der an die­sem Abend aber auch fest­stel­len muss, dass man­che vi­el­leicht doch Muf­fen­sau­sen ha­ben. Je­den­falls ist der „Kar­le“mit­samt sei­nem Country-Blues un­auf­find­bar, als er an­ge­kün­digt wird. Am Fahrt­weg kann es nicht ge­le­gen ha­ben, al­le Bands kom­men aus der Um­ge­bung. Doch auch dar­über wird kei­ne Lis­te ge­führt. An­mel­dung ge­nügt. Egal, mit was. „Ich sag im­mer: Wenn ich ei­nen Es­ki­mo fin­de, der auf ei­ner Wal­kno­chen-Flö­te spielt, der ist will­kom­men“, scherzt He­se Schrö­ter.

Ei­ne an­de­re Band muss beim Folk­mee­ting we­gen ver­letz­ter Fin­ger kurz­fris­tig ab­sprin­gen. Macht nichts, dann ist schon Platz für ei­nen New­co­mer. „Ich muss ja mal was ma­chen, was mir Angst macht“, meint ein grin­sen­der Ju­gend­haus-Chef Bart De­wi­jze. Da schau an: Der Bel­gi­er zeigt sich als der Mann der lei­sen Tö­ne mit ei­ner lau­ten Sehn­sucht nach dem Meer. Be­mer­kens­wert ist vor al­lem sei­ne Stim­me, rau, leicht be­legt und mit ei­ner un­ver­wech­sel­ba­ren Klang­far­be. Man kennt sich in der Sze­ne und so gibt es im­mer wie­der auch For­ma­tio­nen, die sich für wasch­ech­ten „Blue Grass“et­wa zu­sam­men­fin­den, wie Se­bi, Ali­na, Fou und Ur­sel.

Den ka­ba­ret­tis­ti­schen Vo­gel, den darf dann auch noch ein al­ter Be­kann­ter aus Ett­lin­gen ab­schie­ßen: Tho­mas Hans Mey­er singt „wühl, wühl, wühl“und wühlt nicht nur im Sperr­müll, der sein Le­ben „wie­der gut“macht, son­dern mit Mund­har­mo­ni­ka, Fuß-Schlag­zeug und Gi­tar­re lust­voll „Blues-end“in al­ten Hei­mat­lie­dern.

So macht „Das Wan­dern ist des Mül­lers Lust“dop­pelt Spaß. Su­san­ne Roth

Ers­ter Auf­tritt für Ju­gend­haus-Chef Bart De­wi­jze

BLUE­GRASS IN REIN­FORM von Leu­ten aus der Mu­sik­sze­ne, die sich schon lan­ge ken­nen und teil­wei­se fürs Pris­ma ar­bei­ten (von links): Ali­na (Kas­se Pris­ma), Se­bi (Ton­tech­nik Pris­ma), Fou und Ur­sel. Fo­to: Roth

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.