„Gold­rausch“auf der Stadt­büh­ne

Mit­spie­ler für Open-Air-Spek­ta­kel ge­sucht

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Edith Kopf

Die Scha­tul­le vol­ler Über­ra­schun­gen ist schon kon­zi­piert. Jetzt geht es für das Thea­ter Ti­ta­nick dar­um, die rich­ti­gen Leu­te zu fin­den für das Frei­luft­spek­ta­kel, das am 28. und 29. Ju­li für Be­geis­te­rung sor­gen soll in der Pforz­hei­mer In­nen­stadt.

Ge­fragt sind al­le, die schau­spie­le­risch, als Sän­ger oder durch Tanz und In­stru­men­tal­mu­sik et­was da­zu bei­tra­gen kön­nen, dass Pforz­heims Ge­schich­te ab dem Jah­re 1767 zu ei­ner sinn­li­chen Ins­ze­nie­rung ver­wo­ben wer­den kann. Die Idee da­zu prä­sen­tier­te jetzt der künst­le­ri­sche Lei­ter der For­ma­ti­on, Uwe Köh­ler. Er sprach im Kup­fer­däch­le vor ei­nem größ­ten­teils kun­di­gen Pu­bli­kum. Schließ­lich war die in Müns­ter be­hei­ma­te­te Thea­ter­grup­pe schon mehr­fach in Pforz­heim als Mit­wir­ken­de der „Som­mer­spros­sen“zu er­le­ben.

Jetzt geht es um mehr. Der an­ge­dach­te „Gold­rausch“ist „ein gro­ßes Pro­jekt“, das vor rund drei Jah­ren an­ge­sto­ßen wor­den sei, in­for­mier­te Ju­bi­lä­ums­ko­or­di­na­tor Ger­hard Baral. Gleich zu Be­ginn der Ge­schich­te ha­be die Ver­bin­dung von Gold und Wai­sen­kin­dern Bil­der er­zeugt, sag­te Köh­ler, be­vor er den lan­gen „Gold­fa­den“aus­roll­te, der ganz am Schluss der Thea­ter­ge­schich­te in ei­ner bun­ten Vi­si­on über Pforz­heims Zu­kunft glän­zen soll.

Ge­plant ist ei­ne Auf­füh­rung, die sich wahr­schein­lich über acht Sta­tio­nen durch die gan­ze Kern­stadt zieht. Das ers­te Bild auf dem Wai­sen­haus­platz setzt mit der Ur­sze­ne ein, auf die sich al­les be­zieht beim Schmuck­ju­bi­lä­um: das Recht, aus dem Wai­sen­haus mit all sei­nen jun­gen Be­woh­nern ei­ne Fa­b­rik für Uh­ren und Schmuck zu ma­chen. Hun­ger und Ver­wahr­lo­sung ge­hen zu­rück, der gol­de­ne Fa­den wird aus­ge­rollt und lenkt den Blick auf die Rass­ler, die bald dar­auf zur Ar­beit nach Pforz­heim zie­hen. Schau­spiel­ama­teu­re dür­fen sich an­ge­spro­chen füh­len bei die­sem Teil, der auf der Ger­ni­kaB­rü­cke spie­len soll. Sie sind im­mer ge­fragt, wenn Dy­na­mik rein muss oder wenn Mas­sen­sze­nen ge­spielt wer­den, er­läu­ter­te Clair Ho­wells. Sie wird die 40 bis 50 Ama­teu­re, die ge­braucht wer­den, bei vier Wo­chen­end­work­shops je­weils von Frei­tag­abend bis Sonn­tag am frü­hen Nach­mit­tag fit ma­chen für den gro­ßen Ein­satz.

„Mo­ti­va­ti­on ist das Wich­tigs­te da­bei“, sagt die Ama­teur­ver­ant­wort­li­che. Er­fah­rung für die­se Art von Mit­mach­thea­ter brin­gen sie und all die an­de­ren beim 1990 ge­grün­de­ten Thea­ter Ti­ta­nick von Auf­füh­run­gen mit, die sie bei­spiels­wei­se in Müns­ter aus An­lass des West­fä­li­schen Frie­dens vor da­mals 350 Jah­ren oder ver­gan­ge­nes Jahr zu 1000 Jah­re Leip­zig ge­sam­melt ha­ben. An­sons­ten ist das En­sem­ble mit Stü­cken un­ter­wegs, die es welt­weit spie­len kann und dies auch tut. Die Ins­ze­nie­run­gen set­zen auf „Ge­schich­ten oh­ne Wor­te“, er­läu­ter­te Köh­ler. Die Sze­nen sol­len sich selbst er­klä­ren.

Ei­ne we­sent­li­che Be­deu­tung da­bei ha­ben bei der jetzt ge­plan­ten Auf­füh­rung die Pforz­hei­mer Se­ckel. Sie sind aus­ge­spro­chen wand­lungs­fä­hig – kön­nen zum Mark­graf, zum Rass­ler oder zum „Ti­ge­rer“wer­den, wenn sich der „Gold­rausch“et­was wei­ter ent­wi­ckelt hat und bei den Ein­käu­fern im Ho­tel Ruf am Bahn­hof ge­lan­det ist.

Da­zwi­schen auf dem Weg über den Schloss­berg ge­win­nen Ocker-, Blau­grau­und Rot­braun­far­be­ne Ein­fluss. Sie sym­bo­li­sie­ren die Ein­wan­de­rungs­wel­len, die auch durch die Gold­ge­schich­te nach Pforz­heim ka­men. Lie­bes­kon­flik­te blie­ben nicht aus, wird die Auf­füh­rung am letz­ten Ju­li­wo­chen­en­de zei­gen.

Wei­ter­rei­chen­de Schat­ten wirft das Volks­thea­ter zur Pforz­heim­ge­schich­te, wäh­rend die dar­ge­stell­ten Schmuck­ler beim Be­zirks­amt­sturm gut ver­kau­fen. Die Mes­se ver­sinkt im Cha­os, aus der Scha­tul­le wird ei­ne Art schwar­zer Sarg, der in ei­nem Trau­er­zug zum Leo ge­zo­gen wird.

Das er­in­nert an den 23. Fe­bru­ar 1945, aber auch an mehr. Und es bie­tet die Vor­la­ge für ei­nen bun­ten Vo­gel, der wie Phö­nix aus der Asche steigt. Es gibt ei­ni­ge Grup­pen, die das al­les mu­si­ka­lisch und tän­ze­risch be­glei­ten wol­len. Chö­re, Tromm­ler, Step­per, Blä­ser und das Haus der Ju­gend nutz­ten die Prä­sen­ta­ti­on des Thea­ter­pro­jekts zum Erst­kon­takt mit der mu­si­ka­li­schen Lei­te­rin Ma­ria Hin­ze. Jetzt kommt es noch auf die Hob­by­schau­spie­ler an, den „Gold­rausch“zu ei­nem ech­ten Thea­ter­spaß zu ma­chen.

FLE­XI­BEL WIE EIN STAUBSAUGERSCHLAUCH muss der „gol­de­ne Fa­den“sein, der sich bei der Auf­füh­rung des Thea­ter­stücks „Gold­rausch“vom Wai­sen­haus über den Bahn­hof zum Markt­platz er­stre­cken soll, wie Uwe Köh­ler er­läu­tert. Foto: Wa­cker

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