„Stress hin­ter­lässt Spu­ren im Erb­gut“

Vor­trag zum The­ma Epi­ge­ne­tik beim Fach­tag „Frü­he Hil­fe“in Pforz­heim

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Phil­ipp Rohn

„Stress kann Spu­ren in un­se­rer DNS hin­ter­las­sen“, er­klär­te Pro­fes­so­rin Ger­lin­de Metz von der Le­th­bridge Uni­ver­si­tät in Al­ber­ta, Ka­na­da. Ihr Vor­trag zum The­ma Epi­ge­ne­tik be­rei­cher­te ges­tern den Fach­tag „Frü­he Hil­fe“vom Kin­der­schutz Pforz­heim und Enz­kreis in den Ta­gungs­räu­men des Kul­tur­haus Os­ter­feld. Rund 100 Be­su­cher wa­ren ge­kom­men.

„Be­son­ders in der Schwan­ger­schaft er­leb­te trau­ma­ti­sche Er­eig­nis­se kön­nen Aus­wir­kun­gen auf das Erb­gut des un­ge­bo­re­nen Kin­des ha­ben“, fuhr Metz fort. Wie ei­ne bio­lo­gi­sche Nach­richt wür­den In­for­ma­tio­nen wäh­rend der Schwan­ger­schaft von der Mut­ter auf das Kind über­tra­gen. Dies be­ein­flus­se bei­spiels­wei­se das Auf­tre­ten be­stimm­ter Krank­hei­ten, so­wie psy­chi­scher Stö­run­gen über Ge­ne­ra­tio­nen hin­weg.

„Für uns in Pforz­heim ha­ben die Er­kennt­nis­se aus die­ser For­schung ak­tu­ell ei­ne ganz be­son­de­re Re­le­vanz“, sag­te So­zi­al­bür­ger­meis­te­rin Mo­ni­ka Mül­ler. „Da vie­le trau­ma­ti­sier­te Men­schen zu uns flüch­ten und hier auch Kin­der be­kom­men, müs­sen wir uns da­mit aus­ein­an­der­set­zen.“

Als Bin­de­glied zwi­schen Na­tur- und So­zi­al­wis­sen­schaft lie­fe­re die Epi­ge­ne­tik das Hand­werks­zeug zur Ge­sund­heits­för­de­rung und Krank­heits­pro­phy­la­xe bei die­sen Kin­dern. „Auch die Bom­ben­nacht am 23. Fe­bru­ar 1945 hat Spu­ren im Erb­gut der Pforz­hei­mer hin­ter­las­sen, die man noch heu­te wahr­neh­men kann“, meint Mül­ler. In der Ver­gan­gen­heit ha­be man ver­sucht das Auf­tre­ten von Krank­hei­ten wie De­menz, Dia­be­tes, De­pres­sio­nen oder Par­kin­son ent­we­der ein­deu­tig dem Erb­gut oder Um­welt­ein­flüs­sen zu­zu­schrei­ben. For­schungs­er­geb­nis­se aus der Epi­ge­ne­tik lie­fer­ten nun al­ler­dings Hin­wei­se dar­auf, dass man bei­des nicht strikt tren­nen kön­ne.

„Die Aus­wir­kun­gen von Stress und Trau­ma­ta auf kom­men­de Ge­ne­ra­tio­nen sind nach­ge­wie­sen“, sag­te Pro­f­a­mi­lia-Be­ra­tungs­stel­len­lei­te­rin An­na Krieb. „Die gu­te Nach­richt ist je­doch, dass man mit lan­gen The­ra­pie­pro­zes­sen ei­ne deut­li­che Ver­bes­se­rung er­zie­len kann.“Der Fo­kus müs­se des­halb jetzt dar­auf lie­gen, aus den wis­sen­schaft­li­chen Er­kennt­nis­sen pra­xis­taug­li­che Dia­gno­se­und Be­hand­lungs­mög­lich­kei­ten zu ent­wi­ckeln.

DAS ERB­GUT DES UN­GE­BO­RE­NEN KIN­DES kann durch trau­ma­ti­sche Er­eig­nis­se in der Schwan­ger­schaft be­ein­flusst wer­den, sagt Pro­fes­so­rin Ger­lin­de Metz. Foto: dpa

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