Hol­lan­de tritt nicht wie­der an

Frank­reichs Staats­prä­si­dent ver­zich­tet auf Kan­di­da­tur für zwei­te Amts­zeit

Pforzheimer Kurier - - ERSTE SEITE -

Pa­ris (dpa). Der po­li­tisch an­ge­schla­ge­ne fran­zö­si­sche Staats­prä­si­dent François Hol­lan­de tritt nicht für ei­ne zwei­te Amts­zeit an. Dies gab der So­zia­list ges­tern Abend in ei­ner kurz­fris­tig an­ge­setz­ten Fern­seh­an­spra­che im Ély­sée-Pa­last in Pa­ris be­kannt. Er sei sich der Ri­si­ken be­wusst, die ei­ne er­neu­te Kan­di­da­tur ber­gen wür­de, sag­te Hol­lan­de, der auch im ei­ge­nen La­ger in Be­dräng­nis ist. „Ich kann kei­ne Zer­split­te­rung der Lin­ken ak­zep­tie­ren.“

Die Ent­schei­dung des 62 Jah­re al­ten Staats­chefs war mit Span­nung er­war­tet wor­den. Sei­ne So­zia­lis­ten wol­len ih­ren Kan­di­da­ten in ei­ner Vor­wahl im Ja­nu­ar kü­ren. Die Fran­zo­sen wäh­len ih­ren neu­en Prä­si­den­ten dann in vor­aus­sicht­lich zwei Wahl­gän­gen am 23. April und am 7. Mai kom­men­den Jah­res. Hol­lan­de konn­te sich zu­letzt we­nig Hoff­nun­gen auf ei­ne zwei­te Amts­zeit ma­chen: Sei­ne Um­fra­ge­wer­te sind seit Lan­gem im Kel­ler. n Zeit­ge­sche­hen

Pa­ris. Schon von An­fang an war klar, dass François Hol­lan­de in sei­ner für ges­tern Abend über­ra­schend ein­ge­ru­fe­nen Fern­seh­an­spra­che ei­ne Sen­sa­ti­on zu ver­kün­den hat­te. Mit erns­ter Mie­ne trug der fran­zö­si­sche Staats­chef ei­ne Bi­lanz sei­ner Amts­zeit vor, be­vor er dann in der neun­ten Mi­nu­te den ent­schei­den­den Satz sprach: „Ich ha­be be­schlos­sen, nicht bei der Prä­si­dent­schafts­wahl an­zu­tre­ten.“Er sei sich der Ri­si­ken ei­ner Spal­tung be­wusst, die sei­ne Kan­di­da­tur be­deu­te, er­gänz­te der So­zia­list.

Der 62-Jäh­ri­ge ist der ers­te Prä­si­dent der seit 1958 in­stal­lier­ten Fünf­ten Re­pu­blik, der nicht wie­der kan­di­diert. 2012 war er mit rund 52 Pro­zent der Stim­men ge­wählt wor­den. Zu­letzt wa­ren dem un­be­lieb­ten Amts­in­ha­ber in Um­fra­gen nur noch sie­ben bis neun Pro­zent vor­her­ge­sagt wor­den. Am Wo­che­n­en­de hat­te sein Re­gie­rungs­chef Ma­nu­el Valls sich in ei­nem Zei­tungs­in­ter­view zu ei­ner Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­tur be­reit er­klärt.

Der 54-Jäh­ri­ge war auf Ab­stand zum Staats­chef ge­gan­gen, nach­dem Hol­lan­de in ei­nem Buch zwei Jour­na­lis­ten pein­li­che Be­kennt­nis­se an­ver­traut hat­te. Valls sprach von ei­ner „Schan­de“. Auch an­de­re So­zia­lis­ten sa­hen in den Ent­hül­lun­gen das Amt des Prä­si­den­ten be­schä­digt. Ei­ne Kri­tik, die Hol­lan­de an­schei­nend ver­stan­den hat. In sei­ner An­spra­che gab er „Irr­tü­mer“zu. „Die Macht­aus­übung hat mir nicht die Hell­sich­tig­keit ge­raubt“, ver­si­cher­te der Staats­chef. Gleich­zei­tig zog er ei­ne Bi­lanz sei­ner Amts­zeit, die von der Ein­füh­rung der Ho­mo-Ehe bis zum Mi­li­tär­ein­satz in Ma­li reich­te. Er räum­te ein, dass sein wich­tigs­tes Ver­spre­chen die Ver­rin­ge­rung der Ar­beits­lo­sig­keit ge­we­sen sei. „Die Er­geb­nis­se stel­len sich ein, aber spä­ter als er­war­tet.“2014 hat­te Hol­lan­de bei ei­nem Be­such der Mi­che­linRei­fen­fa­brik an­ge­kün­digt, nicht wie­der an­zu­tre­ten, wenn er es nicht schaf­fe, den Trend zu im­mer mehr Ar­beits­lo­sen zu bre­chen. Die Ar­beits­lo­sen­zah­len wa­ren zu­letzt leicht zu­rück­ge­gan­gen. Den­noch geht die Sta­tis­tik­be­hör­de Insee wei­ter von ei­ner Quo­te von zehn Pro­zent aus.

Hol­lan­de hat­te sei­ne Ent­schei­dung für An­fang De­zem­ber an­ge­kün­digt. Am 15. De­zem­ber schließt sei­ne so­zia­lis­ti­sche Par­tei die Kan­di­da­ten­lis­te für die Vor­wahl im Ja­nu­ar. Bis­her ha­ben sich vier Be­wer­ber des lin­ken Par­tei­flü­gels er­klärt, dar­un­ter der frü­he­re Wirt­schafts­mi­nis­ter Arn­aud Mon­tebourg. Au­ßer­halb der so­zia­lis­ti­schen Par­tei be­wirbt sich Hol­lan­des po­li­ti­scher Zög­ling Em­ma­nu­el Ma­cron, eben­falls Ex-Wirt­schafts­mi­nis­ter. „Ich kann die Zer­split­te­rung der Lin­ken nicht hin­neh­men“, ver­si­cher­te Hol­lan­de, der kaum Aus­sich­ten hat­te, sei­ne Par­tei noch ein­mal hin­ter sich zu brin­gen.

Frank­reichs Staats­chef gab in sei­ner zehn­mi­nü­ti­gen Re­de be­reits die Li­nie des Wahl­kamp­fes der So­zia­lis­ten vor. Er kri­ti­sier­te das Pro­jekt des kon­ser­va­ti­ven Kan­di­da­ten François Fil­lon, der am Wo­che­n­en­de die Vor­wah­len ge­won­nen hat­te. Sein Pro­gramm stel­le das So­zi­al­sys­tem in Fra­ge und ver­schär­fe die herr­schen­den Un­gleich­hei­ten, be­merk­te er. Die Be­kannt­ga­be sei­ner Ent­schei­dung war erst für nächs­te Wo­che er­war­tet wor­den, da Hol­lan­de heu­te für zwei Ta­ge nach Abu Dha­bi fliegt. Dort soll er ei­nen Ab­le­ger des Lou­vre ein­wei­hen. Chris­ti­ne Lon­gin

Prä­si­dent macht Weg für Pre­mier Valls frei

DER DRUCK WAR ZU GROSS: Frank­reichs Staats­prä­si­dent gab ges­tern Abend be­kannt, dass er kei­ne Chan­ce auf ei­ne Wie­der­wahl sieht. Fo­to: AFP

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.