Neue Tö­ne

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - KLAUS-HEL­GE DO­NATH

Prä­si­dent Wla­di­mir Pu­tin kann auch an­ders: Bei sei­ner 13. Re­de an die Na­ti­on zeig­te sich der Kreml­chef von ei­ner un­be­kann­ten Sei­te. Dies­mal gab sich der Kreml­chef ru­hig und aus­ge­gli­chen. Dem Auf­tritt fehl­te, was die Dar­bie­tun­gen des Prä­si­den­ten meist be­glei­tet. Er such­te we­der nach in­ne­ren noch nach äu­ße­ren Fein­den. Kein ein­zi­ges Mal wur­de er ag­gres­siv, sehr zu­frie­den schien er mit sich zu sein. Ei­ner der Grün­de ist Russ­lands er­folg­rei­che Selbst­be­haup­tungs­po­li­tik auf der in­ter­na­tio­na­len Büh­ne. Der nur durch Hart­nä­ckig­keit er­reich­te Er­folg müs­se nun auch in an­de­ren Din­gen zu Hau­se ein­ge­setzt wer­den.

Es sei wich­tig die bi­la­te­ra­len Be­zie­hun­gen zu den USA zu nor­ma­li­sie­ren und „auf gleich­be­rech­tig­ter Ebe­ne zu ent­wi­ckeln“. An­knüp­fungs­punk­te sieht Mos­kau vor al­lem im ge­mein­sa­men Kampf ge­gen den in­ter­na­tio­na­len Ter­ro­ris­mus. Russ­land zählt al­ler­dings auch je­ne Re­bel­len zu den Ter­ro­ris­ten, die in Sy­ri­en ge­gen Staats­chef As­sad kämp­fen und von den USA un­ter­stützt wer­den. Mit Ge­nug­tu­ung merk­te der Staats­chef an, bei­de Län­der hät­ten ei­ne ge­mein­sa­me Ver­ant­wor­tung für die glo­ba­le Si­cher­heit. Ein biss­chen Sti­che­lei durf­te dann aber

doch nicht feh­len. Es gä­be an­ti­rus­si­sche Pro­pa­gan­da und vie­le My­then, die im Wes­ten kur­sier­ten. Da­mit griff er auf das alt­be­währ­te Mus­ter zu­rück, wo­nach Russ­land grund­sätz­lich Op­fer ist und für nichts ver­ant­wort­lich ge­macht wer­den kön­ne. Als Vor­bild für ei­ne neue Wel­t­ord­nung pries der Prä­si­dent un­ter­des­sen Russ­lands Be­zie­hung zu Chi­na.

Schon im ver­gan­ge­nen Jahr mal­te der Kreml­chef trotz der wirt­schaft­li­chen Kri­se im Ge­fol­ge der EU-Sank­tio­nen ein zu­ver­sicht­li­ches Bild der rus­si­schen Wirt­schaft und sah ei­nen Sil­ber­strei­fen am Ho­ri­zont. Grund­sätz­lich neigt Pu­tin da­zu, die wirt­schaft­li­chen Leis­tun­gen zu ro­sig zu be­wer­ten. Die Män­gel­lis­te hat sich seit Jah­ren ge­nau­so we­nig ver­än­dert wie die Vor­schlä­ge zur Be­wäl­ti­gung der Schwie­rig­kei­ten. Nichts ist je­doch ge­sche­hen. Jahr für Jahr for­dert der Kreml­chef die Bü­ro­kra­tie auf, Klein- und Mit­tel­un­ter­neh­men zu för­dern statt Spieß­ru­ten­läu­fe zu ver­an­stal­ten. Es sind struk­tu­rel­le Pro­ble­me, die mit der do­mi­nan­ten Rol­le von Staat und Bü­ro­kra­tie in der rus­si­schen Selbst­be­rei­che­rungs­öko­no­mie ver­knüpft sind. Sie sind in klam­men noch schwie­ri­ger zu lö­sen als in sat­ten Zei­ten.

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