Grü­nes Licht für Do­brindts Lieb­ling

Brüs­sel stimmt Kom­pro­miss bei Pkw-Maut zu

Pforzheimer Kurier - - ZEITGESCHEHEN - Von Mar­kus Gra­bitz, Sa­scha Mey­er und Al­ki­mos Sar­to­ros

Brüs­sel. Als Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt ges­tern ins EURats­ge­bäu­de in Brüs­sel geht, sagt er nichts zum wich­tigs­ten Grund sei­nes Be­suchs in der EU-Haupt­stadt. Näm­lich grü­nes Licht für ein Vor­ha­ben zu be­kom­men, das Kri­ti­ker nicht zu­letzt als an­ti-eu­ro­pä­isch gei­ßeln: die Pkw-Maut, Pres­ti­ge­pro­jekt sei­ner CSU. Nach Mo­na­ten har­ter Kon­fron­ta­ti­on sind Ber­lin und Brüs­sel auf Har­mo­nie­kurs ein­ge­schwenkt. Trotz­dem bleibt vie­les un­ge­wiss.

Wie kam doch noch die Wen­de? Ob­wohl die Kom­mis­si­on im Sep­tem­ber förm­lich Kla­ge vor dem Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof (EuGH) ein­ge- reicht hat, hat sie stets be­tont, ge­sprächs­be­reit zu sein. Hin­ter den Ku­lis­sen riss der Kon­takt zwi­schen Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um und Kom­mis­si­on nie ab. An­fang No­vem­ber kam plötz­lich auch öf­fent­lich Be­we­gung in die Sa­che. Pünkt­lich zum CSU-Par­tei­tag konn­te Ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt (CSU) stolz ver­kün­den, dass es Aus­sicht auf ei­ne Ei­ni­gung mit der Kom­mis­si­on ge­be. Wie in Brüs­sel zu hö­ren ist, hat sich Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Je­anClau­de Juncker ein­ge­schal­tet, sein Ka­bi­netts­chef Mar­tin Sel­mayr, ein Deut­scher, hat sich in­ten­siv für ei­ne Lö­sung ein­ge­setzt. Ein Top-Ju­rist aus der Kom­mis­si­on, der ge­bür­ti­ge Pforz­hei­mer Cle­mens La­den­bur­ger, hat die Ver­hand­lun­gen aus recht­li­cher Sicht be­treut.

Für den Se­gen der EU wil­ligt Do­brindt nun doch ein, „sei­ne“Maut an zwei Stel­len zu än­dern. Da sind die Kurz­zeit­ta­ri­fe für Fah­rer aus dem Aus­land, die Brüs­sel ten­den­zi­ell zu teu­er sind. Die Prei­se sol­len nun stär­ker ge­spreizt wer­den. Dem­nach ist die güns­tigs­te Zehn-Ta­ges-Maut schon für 2,50 statt fünf Eu­ro zu ha­ben – die teu­ers­te soll aber auch 20 statt 15 Eu­ro kos­ten. Zum zwei­ten bes­sert Do­brindt beim sen­si­bels­ten Punkt nach, dass nur In­län­der für die Maut cent­ge­nau we­ni­ger Kf­zS­teu­er zah­len sol­len – aus EU-Sicht ei­ne Be­nach­tei­li­gung von Aus­län­dern. Be­sit­zer sehr sau­be­rer Eu­ro-6-Au­tos sol­len des­we­gen nun so­gar et­was mehr Steu­er­Ent­las­tung be­kom­men, als sie Maut zah­len. Ins­ge­samt geht es um 100 Mil­lio­nen Eu­ro mehr im Jahr. Mit die­ser Dif­fe­renz soll die Steu­er­ent­las­tung we­ni­ger als ei­ne 1:1-Maut­kom­pen­sa­ti­on aus­se­hen. Die Zehn-Ta­ges-Vi­g­net­ten für durch­rei­sen­de Au­to­fah­rer wer­den mit 2,50 Eu­ro die preis­wer­tes­ten in ganz Eu­ro­pa sein. In Tsche­chi­en kos­tet die Vi­g­net­te, die zur zehn­tä­gi­gen Be­nut­zung von Au­to­bah­nen und Bun­des­stra­ßen nö­tig ist, zwölf Eu­ro, in der Slo­wa­kei zehn Eu­ro und in Ös­ter­reich 8,80 Eu­ro. In Bul­ga­ri­en müs­sen aus­län­di­sche Fahr­zeug­hal­ter für sie­ben Ta­ge sie­ben Eu­ro zah­len.

Bis die Maut tat­säch­lich ein­ge­führt wird, dürf­te es al­ler­dings 2018 wer­den. Zu­nächst muss ei­ne Aus­schrei­bung er­fol­gen. Auch pri­va­te Un­ter­neh­men sol­len bei der Er­he­bung der Maut und dem Ver­trieb der Vi­g­net­ten be­tei­ligt wer­den. Be­ob­ach­ter ge­hen je­doch da­von aus, dass die Aus­schrei­bung schwie­rig wer­den könn­te. Es gibt noch kei­ne Rechts­si­cher­heit. Die Kla­ge der Kom­mis­si­on soll zu­nächst nur auf Eis ge­legt wer­den. Erst wenn Bun­des­tag und Bun­des­rat die Maut­ge­set­ze ge­än­dert ha­ben, soll die Kla­ge end­gül­tig zu­rück­ge­zo­gen wer­den. Das kann Mo­na­te dau­ern. Denk­bar ist zu­dem, dass sich die SPD, die noch nie et­was von den Mau­tplä­nen ge­hal­ten hat, quer stellt und die Ge­setz­ge­bung im bald an­bre­chen­den Bun­des­tags­wahl­kampf hin­aus zö­gert. Zu­dem droht Ös­ter­reich be­reits, ge­gen den Kom­pro­miss ju­ris­tisch vor­zu­ge­hen.

Steu­er-Ent­las­tung für sau­be­re Au­tos

WANN DIE PKW-MAUT auf Au­to­bah­nen kommt, ist nicht ab­seh­bar. Fo­to: dpa

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.