Ver­fah­ren ein­ge­stellt

Ehe­ma­li­ge Sach­senLB-Ban­ker stim­men Geld­auf­la­ge zu

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT -

Leip­zig (dpa). Mit drei knap­pen „Ja“ist der wohl letz­te Straf­pro­zess ge­gen ExVor­stän­de der kol­la­bier­ten Sach­senLB zu En­de ge­gan­gen. Die Staats­an­walt­schaft und die bei­den an­ge­klag­ten ExLan­des­ban­ker Her­bert Süß (77) und Ste­fan Leus­der (61) stimm­ten ges­tern im Land­ge­richt Leip­zig der von der Wirt­schafts­straf­kam­mer vor­ge­schla­ge­nen vor­läu­fi­gen Ein­stel­lung des Ver­fah­rens zu. Wenn sie bis zum 10. De­zem­ber je 80 000 Eu­ro Geld­auf­la­ge an die Staats­kas­se zah­len, wird das Ver­fah­ren we­gen ge­rin­ger Schuld end­gül­tig ein­ge­stellt.

Da­mit mün­de­ten sämt­li­che straf­recht­li­che Er­mitt­lun­gen zum Sach­senLBFi­as­ko nicht in ei­ner Ver­ur­tei­lung. Seit Ja­nu­ar die­ses Jah­res war ge­gen Ex-Vor­stands­chef Süß und den ehe­ma­li­gen Ka­pi­tal­markt­vor­stand Leus­der ver­han­delt wor­den. Die Staats­an­walt­schaft hat­te sie we­gen Un­treue und Bi­lanz­fäl­schung an­ge­klagt. Un­ter ih­rer Füh­rung wur­den ris­kan­te Kre­dit­er­satz­ge­schäf­te der Sach­senLB über iri­sche Zweck­ge­sell­schaf­ten ge­neh­migt und er­heb­lich aus­ge­wei­tet. Die­se Du­blinDe­als brach­ten die Lan­des­bank im Som­mer 2007 an den Rand des Ruins. Die Sach­senLB wur­de ei­lig an die Lan­des­bank Ba­denWürt­tem­berg (LBBW) not­ver­kauft (die BNN be­rich­te­ten).

Die Wirt­schafts­straf­kam­mer un­ter Vor­sitz des Rich­ters Vol­ker San­der müh­te sich 36 Pro­zess­ta­ge lag, die Vor­gän­ge in den Jah­ren vor der Fi­nanz­kri­se 2007 auf­zu­hel­len. Fest steht, dass die Lan­des­bank das Vo­lu­men der De­als mit US-Im­mo­bi­li­en­kre­di­ten im­mer mehr aus­wei­te­te. Im Som­mer 2007 um­fass­te das Port­fo­lio 17,66 Mil­li­ar­den Eu­ro. Da­für haf­te­te die Sach­senLB na­he­zu in vol­lem Um­fang – und mit ihr die Ei­gen­tü­mer, der Frei­staat Sach­sen und die Sach­sen Fi­nanz­grup­pe. Die Kam­mer sah durch­aus ei­ne Rei­he von Pflicht­ver­let­zun­gen. In der Bank ha­be es ein man­gel­haf­tes Ri­si­ko­ma­nage­ment ge­ge­ben, sag­te San­der. Aber es sei von der iri­schen Toch­ter Sach­senLB Eu­ro­pe auch ein „stark Ri­si­ko-ver­kür­zen­des Bild“an die Zen­tra­le ver­mit­telt wor­den. Am En­de konn­ten die Rich­ter nicht er­ken­nen, dass die Ma­na­ger vor­sätz­lich han­del­ten.

Süß und Leus­der hat­ten die Vor­wür­fe stets zu­rück­ge­wie­sen. Mit der vor­läu­fi­gen Ein­stel­lung des Ver­fah­rens ist die straf­recht­li­che Au­f­ar­bei­tung des Sach­senLB-De­ba­kels prak­tisch ab­ge­schlos­sen. Of­fen ist zwar noch ei­ne An­kla­ge ge­gen die letz­te Fi­nanz­che­fin der Bank. Al­ler­dings ist sie seit Jah­ren we­gen Krank­heit ver­hand­lungs­un­fä­hig. Ob es je zu ei­nem Pro­zess kommt, ist un­klar. Si­cher ist, dass der Un­ter­gang der Lan­des­bank den Frei­staat noch be­schäf­tigt. Beim Not­ver­kauf bürg­te das Land mit 2,75 Mil­li­ar­den Eu­ro für Aus­fäl­le der ris­kan­ten Pa­pie­re. Im­mer neue Tran­chen wer­den fäl­lig. Im drit­ten Quar­tal 2016 flos­sen rund 16,5 Mil­lio­nen Eu­ro an die LBBW. Da­mit sind nach An­ga­ben des Fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums in­zwi­schen ins­ge­samt schon 1,47 Mil­li­ar­den Eu­ro über­wie­sen wor­den.

LICHT INS BAN­KEN-DUN­KEL um die Sach­senLB soll­te das Ver­fah­ren ge­gen zwei Ex-Ban­ker brin­gen, das nun ge­gen ei­ne Geld­auf­la­ge ein­ge­stellt wird. Fo­to: dpa

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