„Das Un­recht wird nicht sie­gen“

UN-Son­der­bot­schaf­te­rin ge­gen Men­schen­han­del Mu­rad fin­det im Land­tag be­we­gen­de Wor­te

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Bet­ti­na Grach­trup

Stutt­gart. In ei­ner be­we­gen­den Re­de im Land­tag hat die UN-Son­der­bot­schaf­te­rin ge­gen den Men­schen­han­del, die Je­si­din Nadia Mu­rad, dem Land Ba­den-Würt­tem­berg für die Auf­nah­me von mehr als 1 000 IS-Op­fern ge­dankt. Zu­gleich äu­ßer­te sie in Stutt­gart die Hoff­nung auf ei­ne si­che­re Zo­ne für die ums Über­le­ben kämp­fen­den Je­si­den im Irak. So­lan­ge dort kei­ne Lö­sung für die re­li­giö­sen Min­der­hei­ten ge­fun­den wer­de, mach­ten sich die­se Men­schen nach Eu­ro­pa auf. Mu­rad for­der­te Mus­li­me und ih­re staat­li­chen und re­li­giö­sen Ober­häup­ter auf, sich öf­fent­lich ge­gen Ex­tre­mis­mus, Ter­ror und Ge­walt aus­zu­spre­chen und an­de­re Re­li­gio­nen und Eth­ni­en zu re­spek­tie­ren.

Mu­rad war selbst Ge­fan­ge­ne der Ter­ror­mi­liz Is­la­mi­scher Staat (IS). Sie konn­te ih­ren Pei­ni­gern aber ent­kom­men und ge­lang­te mit dem bun­des­weit ein­ma­li­gen Son­der­kon­tin­gent der Lan­des­re­gie­rung nach Ba­den-Würt­tem­berg. Heu­te kämpft die 23-jäh­ri­ge ge­gen die Ver­skla­vung ih­rer Glau­bens­schwes­tern im Nord­irak durch den IS und da­für, dass die Ter­ro­ris­ten vor ein in­ter­na­tio­na­les Ge­richt kom­men. Mu­rad und die an­de­ren auf­ge­nom­me­nen Frau­en und Kin­der le­ben im Süd­wes­ten an ge­hei­men Or­ten, um zu ver­hin­dern, dass ISKämp­fer sie auf­spü­ren.

„Manch­mal ha­be ich ge­dacht, dass sie auch mich zer­stört hät­ten“, sag­te Mu­rad mit Blick auf ih­re da­ma­li­gen Pei­ni­ger. Doch nun wis­se sie: Sie ha­be über­lebt, um der Welt von den Ver­bre­chen zu be­rich­ten. Mu­rad dank­te ih­ren Hel­fern in Deutsch­land. „Sie al­le ha­ben uns ge­zeigt, dass die Welt uns nicht ver­ges­sen hat, dass wir doch noch ei­ne Zu­kunft ha­ben wer­den und dass das Un­recht am En­de nicht sie­gen wird.“Es

23-Jäh­ri­ge ge­lang­te mit Son­der­kon­tin­gent ins Land

ge­he ihr und ih­ren Mit­strei­te­rin­nen um Ge­rech­tig­keit, nicht um Ra­che – und auch dar­um zu ver­hin­dern, dass Ju­gend­li­che sich der „Ideo­lo­gie des Has­ses“der IS-Kämp­fer an­schlie­ßen. Mu­rad sprach im Land­tag mit heller, aber fes­ter Stim­me. Die Ab­ge­ord­ne­ten, auch die der rechts­po­pu­lis­ti­schen Al­ter­na­ti­ve für Deutsch­land (AfD), hör­ten ihr ru­hig und mit nach­denk­li­chen Ge­sich­tern zu. Nach der rund 15-mi­nü­ti­gen Re­de spen­de­ten sie viel Ap­plaus und er­ho­ben sich von ih­ren Plät­zen.

Nach Mu­rads An­ga­ben be­fin­den sich noch 3 400 Frau­en und Kin­der in den Fän­gen der Ter­ror­mi­liz. We­ni­ge schaff­ten es, sich selbst zu be­frei­en, weil der IS sie an ge­hei­me Or­te ver­schlep­pe und sie be­wa­che. Flücht­lin­gen in Deutsch­land riet sie, die Rech­te und Ge­set­ze zu ach­ten und Deutsch zu ler­nen. Sie selbst hielt ih­re Re­de im Land­tag, die si­mul­tan über­setzt wur­de, in ei­nem kur­di­schen Dia­lekt. Land­tags­prä­si­den­tin Mu­the­rem Aras (Grü­ne) sag­te zu Mu­rad: „Sie ha­ben Schreck­li­ches er­lebt und engs­te An­ge­hö­ri­ge ver­lo­ren. Aber Sie ha­ben sich nicht bre­chen las­sen, son­dern als jun­ge Über­le­ben­de die Stim­me er­ho­ben, um ge­gen Ge­walt, Men­schen­han­del und Völ­ker­mord zu pro­tes­tie­ren.“Sie freue sich, dass Mu­rad sich in Ba­den-Würt­tem­berg wohl füh­le. „Wenn Sie es wün­schen, ist die­ses Land ger­ne Ih­re neue Hei­mat.“Ne­ben Mu­rad war auch La­mi­ja Ad­schi Ba­schar im Land­tag mit da­bei. Bei­de jun­gen Frau­en wer­den vom EU-Par­la­ment mit dem re­nom­mier­ten Sacha­row-Preis aus­ge­zeich­net.

DIE FRÜ­HE­RE IS-GE­FAN­GE­NE NADIA MU­RAD um­armt Land­tags­prä­si­den­tin Mu­the­rem Aras. Die Je­si­din be­dank­te sich beim Land für die Auf­nah­me von IS-Op­fern. Fo­to: Krauf­mann

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