Fast nach Art des Wa­deles­wirts

In der Städ­ti­schen Ga­le­rie Karlsruhe wird heu­te die Aus­stel­lung „Schwarz­wald-Bil­der“er­öff­net

Pforzheimer Kurier - - KULTUR - i Öff­nungs­zei­ten Bis 26. Fe­bru­ar in der Städ­ti­schen Ga­le­rie Karlsruhe, ZKM-Ge­bäu­de, Lo­renz­stra­ße 27. Ge­öff­net: Mitt­woch bis Frei­tag 10 bis 18 Uhr, Sams­tag und Sonn­tag 11 bis 18 Uhr. – Er­öff­nung: heu­te 19 Uhr. Der an­spre­chen­de und in­for­ma­ti­ve Ka­ta­log kost

Düs­ter und un­durch­dring­lich wirk­te der Schwarz­wald wahr­schein­lich schon im­mer, aber sei­nen heu­ti­gen Na­men er­hielt er erst ver­gleichs­wei­se spät. Auf der Ta­bu­la Peu­tin­ge­ria­na, ei­ner Land­kar­te, auf der das Stra­ßen­netz aus der Spät­zeit des Rö­mer­reichs ver­zeich­net ist, wird der Ge­birgs­zug noch als „Silva Mar­cia­nia“ge­führt, was wohl so viel wie Mar­kenoder Grenz­wald heißt. Und in Gai­us Ju­li­us Ca­e­sars Be­richt über den gal­li­schen Krieg (De bel­lo gal­li­co) ist er le­dig­lich in ei­nem Sam­mel­be­griff ein­ge­schlos­sen, der die Ge­samt­heit der deut­schen Mit­tel­ge­bir­ge ein­schließt – von de­nen heu­te kei­nes so be­kannt, ja be­rühmt sein dürf­te wie eben der Schwarz­wald.

In der Städ­ti­schen Ga­le­rie Karlsruhe sind jetzt die An­fän­ge zu se­hen, die auf län­ge­re Sicht da­zu ge­führt ha­ben, dass die Re­gi­on in­zwi­schen ähn­lich wie das Hei­del­ber­ger Schloss oder das Mün­che­ner Ok­to­ber­fest zu den deut­schen Tou­ris­musK­li­schees ge­hört. Denn hier wird heu­te Abend die Aus­stel­lung „Schwarz­wald-Bil­der“er­öff­net, und zu de­nen ge­hö­ren auch Ge­mäl­de, die Wil­helm Hase­mann (1850 bis 1913) in Gutach ge­malt hat – samt der jun­gen Frau­en, die im Som­mer­son­nen­schein mit ih­ren Bol­len­hü­ten durch den Ort spa­zie­ren. Und de­ren Tracht zum In­be­griff des „Black Fo­rest“wer­den soll­te.

Hase­mann war Sach­se, hat­te in Ber­lin und Wei­mar stu­diert und kam ge­wis­ser­ma­ßen di­enst­lich in den Schwarz­wald. Er soll­te den Ro­man „Lor­le, die Frau Pro­fes­sor“des einst in­ter­na­tio­nal er­folg­rei­chen, zeit­wei­se auch in Karlsruhe tä­ti­gen Au­tors Ber­told Au­er­bach (1812 bis 1882) il­lus­trie­ren, und so be­gab sich Hase­mann zu Stu­di­en­zwe­cken ins Ba­di­sche, das ihn der­ma­ßen be­geis­ter­te, dass er sich 1883 in Gutach nie­der­ließ und dort bis zu sei­nem Le­bens­en­de woh­nen blieb.

Vi­el­leicht ging es ihm so wie Lor­les Va­ter, dem Wa­deles­wirt, den Au­er­bach sa­gen lässt: „Es ist mir doch al­le­mal, wenn ich nach der Stadt da komm, wie wenn ich um­fal­len müßt; es ist al­les so eben (flach), es sind kei­ne Berg da, wo ich mich dran hal­ten kann.“Der Schrift­stel­ler traf da­mit ei­ne Nerv. Mit der fort­schrei­ten­den In­dus­tria­li­sie­rung wuchs ei­ne Sehn­sucht nach un­be­rühr­ter Na­tur und nach ei­nem sch­lich­ten, so­li­den Le­ben auf dem Lan­de, wie sie et­wa in den Ge­mäl­den ei­nes Eu­gen Bracht (1842 bis) oder Hans Tho­ma (1839 bis 1924), ei­nes Franz Gräs­sel (1861 bis 1948) oder Vic­tor Pu­hon­ny (1838 bis 1909) ih­ren Nie­der­schlag ge­fun­den hat. Da sieht man wie Bäch­lein durch saf­ti­ge Wie­sen plät­schern (Bracht und Pu­hon­ny), be­geg­net ei­ner „Glot­ter­tä­le­rin bei der Hand­ar­beit“(Gräs­sel) und er­hält trotz al­ler ro­man­ti­scher Un­ter­tö­ne ei­nen Ein­druck vom Ernst bäu­er­li­cher Exis­tenz im 19. Jahr­hun­dert (Tho­ma).

Die se­hens­wer­te Aus­stel­lung ent­hält – fast möch­te man sa­gen: na­tur­ge­mäß – viel Idyl­li­sches, war­tet aber auch mit ei­ni­gen Über­ra­schun­gen auf. Zu ih­nen zäh­len et­wa in ei­ner der Ge­gen­wart ge­wid­me­ten Ab­tei­lung duf­ti­ge und fein nu­an­cier­te Ma­le­rei­en von Bri­git­ta We­ber (1939 bis 1996) oder die atem­be­rau­ben­de Fo­to­in­stal­la­ti­on „Me­ta­phy­sik ist Män­ner­sa­che“von An­na (geb. 1937) und Bern­hard (1937 bis 2011) Blu­me. Aber auch der weit grö­ße­re his­to­ri­sche Teil birgt viel Se­hens­wer­tes – sei­en es die (al­ler­dings et­was tro­cke­nen) Skiz­zen, die Gus­ta­ve Cour­bet (1819 bis 1877) in und um Ba­den-Ba­den ge­fer­tigt hat, oder das von im­pres­sio­nis­ti­scher Fri­sche leuch­ten­de „Mäd­chen vor dem Spie­gel“des Künst­lers Chris­ti­an Lan­den­ber­ger (1862 bis 1927). Selbst Al­f­red Stieg­litz (1864 bis 1946) ist ver­tre­ten, den man doch sonst eher mit New York ver­bin­det. Von ihm sind Fo­tos zu se­hen, die er 1894 in Gutach auf­ge­nom­men hat­te – als Gast von Wil­helm Hase­mann. Micha­el Hübl

WAS STEHT WOHL DRIN IN DIE­SEM SCHREI­BEN? Ei­ne rät­sel­haf­te Bot­schaft birgt „Der Brief“, den die Künst­le­rin Al­ma Erd­mann (1872 bis 1930) um 1900 ge­malt hat und über den sich viel­fäl­tig spe­ku­lie­ren lässt. Fo­to: Do­ro­the­um Wi­en

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