Thea­ter für den wa­chen Blick

Ot­to A. Thoß wur­de als neu­er Lei­ter des Jun­gen Staats­thea­ters vor­ge­stellt

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

„Ich lie­be das Ar­bei­ten für Kin­der und Ju­gend­li­che, sie sind das schwie­rigs­te und bes­te Pu­bli­kum zu­gleich. Denn man kann ih­nen nichts vor­ma­chen“, so Ot­to A. Thoß, der ab der kom­men­den Spiel­zeit die Kin­der- und Ju­gend­spar­te am Ba­di­schen Staats­thea­ter Karlsruhe lei­ten wird. Er folgt da­mit auf Ul­ri­ke Stöck, die an den Mann­hei­mer Schnawwl wech­selt, der seit vie­len Jah­ren bun­des­weit ei­ne der ers­ten Adres­sen des Thea­ters für jun­ge Be­su­cher ist.

In Karlsruhe hat­te Stöck in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren mit we­nig Mit­teln ei­ne be­ach­tens­wer­te Spar­te auf­ge­baut. Sie fin­det vor­nehm­lich in der In­sel in der Karl­stra­ße ih­re Büh­ne und macht für Men­schen ab zwei Jah­ren Thea­ter. Thoß wech­selt in die Fä­cher­stadt aus Wei­mar, wo er ge­gen­wär­tig das Jun­ge Deut­sche Na­tio­nal­thea­ter lei­tet. „Wir le­ben in ei­ner Zeit, die nach ein­fa­chen Ant­wor­ten sucht“, so Thoß bei sei­ner Vor­stel­lung vor der Pres­se. „Es ist am Thea­ter, dem ent­ge­gen­zu­wir­ken und die Din­ge dif­fe­ren­ziert zu be­trach­ten. Und ich glau­be, dass es lohnt, die­se Auf­ga­be schon mit den Al­ler­kleins­ten an­zu­ge­hen.“Da­bei darf der Spaß nicht zu kurz kom­men und die Freu­de am Thea­ter, die die Büh­nen­künst­ler be­flü­gelt, soll auf die jun­gen Be­su­cher über­sprin­gen.

Sei­ne ers­ten Thea­ter­er­fah­run­gen mach­te der kurz vor der Wen­de 1989 im säch­si­schen Vogt­land ge­bo­re­ne Thea­ter­päd­ago­ge und Dra­ma­turg in Be­glei­tung sei­ner Groß­el­tern, die ihn als Abon­nen­ten quer durch al­le Spar­ten ins Thea­ter mit­nah­men. Auch wenn er als Elf­jäh­ri­ger die Qua­li­tät von Opern da­nach be­maß, im wie­viel­ten Akt er ein­schlief, ließ ihn die An­zie­hung des Thea­ters seit der ers­ten Vor­stel­lung – es war „Der klei­ne Prinz“– nicht mehr los.

Nicht erst durch die Ver­lei­hung des „Dr.-Ot­to-Kas­ten-Prei­ses“, den Thoß in die­sem Jahr als För­der­preis der deut­schen In­ten­dan­ten an her­vor­ra­gen­de Nach­wuchs­kräf­te er­hielt, war In­ten­dant Pe­ter Sp­uh­ler auf den jun­gen Kol­le­gen auf­merk­sam ge­wor­den. Ul­ri­ke Stöck, die an der Aus­wahl ih­rer Nach­fol­ge be­tei­ligt war, über­gibt ger­ne an Thoß, der sich als Te­am­play­er und Netz­wer­ker be­kennt und für ein Thea­ter oh­ne Bar­rie­ren und oh­ne Schwel­len steht.

Mit ver­stärkt mo­bi­len Pro­duk­tio­nen will Thoß, der be­reits an ei­nem ers­ten Spiel­plan für Karlsruhe bas­telt, auch Kin­der und Ju­gend­li­che, die man nicht oh­ne wei­te­res in ein Thea­ter brin­gen wür­de, mit dem Thea­ter­vi­rus in­fi­zie­ren, um da­zu bei­zu­tra­gen, dass sie mün­di­ge und to­le­ran­te Bür­ge­rin­nen und Bür­ger wer­den, die der kom­ple­xen Welt mit wa­chem Blick zu be­geg­nen ler­nen. jof

AB 2017/18 lei­tet Ot­to A. Thoß das Jun­ge Staats­thea­ter Karlsruhe. Fo­to: Grün­schloß

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