Spar­zwän­ge schuld an der Ka­ta­stro­phe?

Treib­stoff­man­gel als Ab­sturz­ur­sa­che be­stä­tigt

Pforzheimer Kurier - - BLICK IN DIE WELT - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Ge­org Is­mar

Me­del­lín. Es ist das Do­ku­ment ei­ner Tra­gö­die. Je mehr De­tails über den Ab­sturz der Ma­schi­ne mit dem bra­si­lia­ni­schen Fuß­ball­team AF Cha­pe­co­en­se be­kannt wer­den, um­so fürch­ter­li­cher wird es für die An­ge­hö­ri­gen. In ih­rem Sta­di­on, der Are­na Con­dá, ha­ben sie sich zu Zehn­tau­sen­den an den Hän­den ge­fasst, zum Zeit­punkt, als ihr Team in Me­del­lín zum Fi­nal­hin­spiel um den Süd­ame­ri­ka-Cup ge­gen At­lé­ti­co Na­cio­nal auf­lau­fen soll­te. Dass nun 71 Men­schen tot sind, dar­un­ter 19 Fuß­ball­spie­ler, ist auf ei­ne fast un­glaub­lich an­mu­ten­de Ver­ket­tung merk­wür­di­ger Um­stän­de zu­rück­zu­füh­ren.

Der schlim­me Ver­dacht: Das Flug­zeug könn­te auf sei­nem Flug zwi­schen San­ta Cruz und Me­del­lín aus Spar­grün­den ab­ge­stürzt sein. Der ei­gent­lich ge­plan­te Tank­stopp im nord­bo­li­via­ni­schen Tro­pen­ort Co­bi­ja konn­te auf­grund ei­ner Ver­spä­tung nicht mehr er­reicht wer­den, zu­dem will das Team noch ein Trai­ning in Ko­lum­bi­en ab­sol­vie­ren. War­um nicht ein mög­li­cher Tank­stopp in Ko­lum­bi­ens Haupt­stadt Bogotá ein­ge­legt wur­de, ist ei­nes der gro­ßen Rät­sel. Eben­so, war­um im An­flug auf Me­del­lín nicht so­fort ein Not­fall durch­ge­funkt wur­de.

Es gibt Spe­ku­la­tio­nen, dass der Pi­lot – Mit­eig­ner von La­Mia – ho­he Straf­gel­der ver­mei­den woll­te. Weil der Pi­lot nicht so­fort „Not­fall“funkt, gibt die Flug­lot­sin im To­wer erst ei­nem an­de­ren Flug­zeug die Lan­de­er­laub­nis, La­Mia muss in ei­ne War­te­schlei­fe. Wo­mög­lich kos­tet das den Pas­sa­gie­ren das Le­ben.

Fünf Mi­nu­ten vor dem Ab­sturz wer­den erst­mals die gro­ßen Pro­ble­me ge­mel­det. „La­Mia 2933 hat ei­nen To­tal­aus­fall, To­tal­aus­fall der Elek­tro­nik, oh­ne Treib­stoff“, sagt der Pi­lot laut den von Me­di­en ver­öf­fent­lich­ten Auf­nah­men. We­ni­ge Mi­nu­ten spä­ter wird das Pro­blem aku­ter. Die Mel­dun­gen des Pi­lo­ten wer­den dring­li­cher, fast ver­zwei­felt. Das Flug­zeug ver­liert an Hö­he, hat am Berg „El Gordo“(„Der Di­cke“) nur noch knapp 2 800 Me­ter Hö­he, ob­wohl hier in min­des­tens 3 000 Me­tern ge­flo­gen wer­den müss­te.

Nach dem No­t­ruf mit den Wor­ten „To­tal­aus­fall der Elek­tro­nik, oh­ne Treib­stoff“gibt es ein kur­zes Schwei­gen, dann gibt die Frau im To­wer so­fort grü­nes Licht zum Lan­den. Doch das Flug­zeug scheint völ­lig au­ßer Kon­trol­le. Der Pi­lot for­dert ei­ne ma­nu­el­le Na­vi­ga­ti­on durch den To­wer. Er gibt sei­ne Ko­or­di­na­ten durch, sie ver­sucht ihn zu na­vi­gie­ren. Er for­dert mehr­mals: „Vec­to­res, vec­to­res.“Die Frau im To­wer: „Sie sind 8,2 (See-)Mei­len von der Pis­te ent­fernt.“Das sind 15,2 Ki­lo­me­ter. Dann: „Wel­che Hö­he jetzt?“Kei­ne Ant­wort. „Wel­che Po­si­ti­on, La­Mia 2 933?“Kei­ne Ant­wort. Im To­wer wird so­fort klar, was das be­deu­tet, der tie­fe Schock ist auf den Mit­schnit­ten qua­si zu hö­ren. Am Berg „El Gordo“fin­den Ret­tungs­kräf­te spä­ter das in drei Tei­le zer­bro­che­ne Wrack. Dass das Flug­zeug nicht ex­plo­diert ist, wird von Luft­fahrt­ex­per­ten als kla­res Si­gnal ge­wer­tet, dass die Tanks prak­tisch kom­plett leer wa­ren.

Der­weil kämp­fen meh­re­re Spie­ler des Clubs Cha­pe­co­en­se wei­ter um ihr Le­ben. Im kri­ti­schem Zu­stand be­fin­det sich auch ein Jour­na­list.

Es gab ei­ne Ver­ket­tung merk­wür­di­ger Um­stän­de

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