OB-Wahl bremst Länd­le-Chef beim Ju­bi­lä­um aus

Kommt Kret­sch­mann statt­des­sen im Jahr 2018 zur Fei­er der äl­tes­ten Be­rufs­schu­le der Welt?

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Edith Kopf

„Als Ges­tern Mor­gen war“gab es sie noch nicht, die Gold­schmie­de­schu­le. Aber ihr Er­schei­nen ließ nicht lan­ge auf sich war­ten, nach­dem der Mark­graf 1767 die Uh­ren und bald da­nach die Schmuck­pro­duk­ti­on im gro­ßen Stil auf den Weg brach­te. Schul­lei­ter Micha­el Kie­fer hat des­halb gera­de gleich zwei Fes­ti­vi­tä­ten auf dem Tisch. Wäh­rend die äl­tes­te Be­rufs­schu­le der Welt heu­te die Weih­nachts­ga­le­rie un­ter dem Ti­tel „Als Ges­tern noch mor­gen war“als ers­ten Bei­trag zum Schmuck­ju­bi­lä­um der Gold­stadt er­öff­net, dreht sich vie­les be­reits um Sep­tem­ber 2018, wenn die Schu­le selbst ih­ren 250. Ge­burts­tag fei­ert. Sie be­zieht sich da­bei auf die Ein­stel­lung des ers­ten Zei­chen­leh­rers na­mens Koess­ler am 12. De­zem­ber 1768.

„Die An­fra­gen lau­fen gera­de“, sagt Kie­fer mit Blick auf den „ziem­lich gro­ßen Fest­akt“, der da­zu ge­plant ist. Kon­kret geht es ak­tu­ell vor al­lem um ei­nen: Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann steht auf der Wun­sch­lis­te für das Er­eig­nis. Die Chan­cen, dass er kommt, ste­hen nicht schlecht. Denn Kret­sch­mann wird wohl feh­len bei der Er­öff­nungs­ga­la zur Fei­er 250 Gold­stadt am 12. Mai. Die ter­min­li­che Nä­he zur Ober­bür­ger­meis­ter­wahl las­se ei­nen Auf­tritt des Mi­nis­ter­prä­si­den­ten nicht zu, sagt Ju­bi­lä­ums­or­ga­ni­sa­tor Ger­hard Baral.

Ein Pforz­heim-Sou­ve­nir ist trotz­dem drin für den Länd­le-Chef. Schließ­lich ha­ben Gold­schmie­de­schü­ler nicht ein­fach nur ein Ju­bi­lä­ums­ge­schenk ent­wor­fen. Das Sie­ger­stück bei dem von Gold­schmie­de­schu­le und Schmuck­wel­ten aus­ge­lob­ten Wett­be­werb soll in Se­rie ge­hen.

Schö­ner Ne­ben­ef­fekt des En­ga­ge­ments ei­ner be­deu­ten­den Pforz­hei­mer Schmuck­fir­ma ist, dass auch Kie­fer et­was in die Hand be­kommt, das er „für die Schu­le nut­zen kann“. Die Ent­schei­dung der Ju­ry wird Mit­te Ja­nu­ar be­kannt ge­ge­ben. Sie hat­te rund 100 Ent­wür­fe vor­lie­gen, die ei­nes ge­mein­sam ha­ben: kei­nes der Stü­cke darf im Ver­kauf nicht mehr als 50 Eu­ro kos­ten.

Auf ei­ne Zei­t­rei­se zu 250 Jah­re Gold­stadt ge­hen die Gold­schmied­schü­ler aus der St.-Ge­or­gen-Stei­ge im März. Sie wird in den Schmuck­wel­ten ge­zeigt und soll den Blick eben­so auf tech­ni­sche wie auf sti­lis­ti­sche Ent­wick­lun­gen len­ken, so Kie­fer. Au­ßer­dem ist das Pu­bli­kum ge­fragt, ein preis­wür­di­ges Aus­stel­lungs­stück her­aus zu deu­ten.

Sil­ber­glanz in die Gold­schmie­de­schu­le bringt der Ham­mer­club, der vom 5. bis 7. Mai zum Gold­stadt­ju­bi­lä­um bei­tra­gen will. Da­mit ver­bun­den ist ei­ne Aus­stel­lung un­ter dem Mot­to „Ju­bi­lee“in der Ga­le­rie für Kunst und De­sign in den Schmuck­wel­ten und ein öf­fent­li­ches Sil­ber schmie­den auf dem Leo­pold­platz. Au­ßer­dem gibt es ein Pro­jekt mit sechs be­rufs­bil­den­den Schu­len. Es muss auf 50 Teil­neh­mer be­grenzt wer­den, er­zählt Kie­fer. Mehr Platz sei in der Ju­gend­her­ber­ge nicht zu be­kom­men. Der Be­such der Mit­glie­der des „Sil­ber­fo­rums“rückt auch ein The­ma in den Mit­tel­punkt, den der Pforz­hei­mer Nach­wuchs gera­de ver­sucht wie­der­zu­be­le­ben: Guil­lochie­ren. Bei­spiel­haf­tes da­zu könn­te die Aus­stel­lung Au­to­ren­schmuck in der Buch­hand­lung Tha­lia brin­gen. Zum Ein­stieg gibt es am 6. April na­tür­lich auch Li­te­ra­ri­sches.

Ei­ne Pre­mie­re plant die Gold­schmie­de­schu­le als Fi­na­le zu 250 Jah­re Gold­stadt: Es gibt ei­nen Tag der of­fe­nen Werk­statt, an dem dann auch die Uhr­ma­cher ei­nen Bei­trag leis­ten und Be­su­cher sich im Schmuck­ma­chen ver­su­chen kön­nen. Als Vor­griff dar­auf, was ein Jahr spä­ter pas­siert, ist das nicht zu ver­ste­hen. Die Gold­schmie­de­schu­le will beim Ge­burts­tags­fest im Sep­tem­ber 2018 viel­mehr auf­grei­fen, dass sie zwar die ers­te be­rufs­stän­di­ge Schu­le der Welt war, die Idee als sol­che aber in der Luft lag. Auch Ha­nau und Schwä­bisch Gmünd kön­nen na­he­zu seit Be­ginn ih­rer Schmuck­ge­schich­te auf ei­gens ein­ge­rich­te­te Aus­bil­dungs­stät­ten bau­en. Die­se Par­al­le­li­tät wird be­reits jetzt im Stadt­mu­se­um the­ma­ti­siert. In der Gold­schmie­de­schu­le soll dar­an im Sep­tem­ber 2018 ei­ne Aus­stel­lung an­knüp­fen.

EIN SCHLANGENKOPF als Zei­chen der Un­be­re­chen­bar­keit prä­sen­tiert Lau­ra Gö­ring bei der heu­te be­gin­nen­den Weih­nachts­aus­stel­lung. El­lena Shu­to­va setzt bei ih­rem Col­lier auf ei­nen neo­rea­lis­ti­schen Be­zug. Fo­to: Eh­mann

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.