Op­fer nicht auf­find­bar

49-Jäh­ri­ger bringt es auf 13 Vor­stra­fen

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM -

ih. Be­droh­li­cher Be­such beim Sauf­kum­pan, Über­fall am Schloss­berg, Dieb­stahl im Kauf­land – bei der An­kla­ge des 49-Jäh­ri­gen und sei­nes Schwie­ger­sohns konn­te Staats­an­walt Alex­an­der Diel aus dem Vol­len schöp­fen, bei der Be­weis­auf­nah­me muss­te er im Trü­ben fi­schen: Die Op­fer glänz­ten durch Ab­we­sen­heit.

Am Nach­mit­tag des 4. Ju­ni 2015 soll das Duo den flüch­ti­gen Sauf­kum­pan aus dem Enzau­en­park in sei­ner Pforz­hei­mer Woh­nung be­sucht ha­ben. Der 49-jäh­ri­ge An­ge­klag­te soll 100 Eu­ro und das Han­dy des Op­fers ver­langt und sei­ner For­de­rung mit ei­nem Faust­schlag ge­gen die Wand und der Dro­hung „Sonst bring ich dich um“Nach­druck ver­lie­hen ha­ben. Un­ter dem Vor­wand, Geld zu be­sor­gen, mach­te das Op­fer sich aus dem Staub. Drei Ta­ge spä­ter soll der 29-jäh­ri­ge Schwie­ger­sohn noch ein­mal vor­bei­ge­kom­men sein, die Woh­nung im ers­ten Stock durch­sucht so­wie 100 Eu­ro und ein Han­dy ge­klaut ha­ben. Der Woh­nungs­in­ha­ber be­fand sich zu die­ser Zeit un­ter der Du­sche, wo er aus Angst auch gleich blieb. So zu­min­dest hat­te es das Op­fer da­mals zu Pro­to­koll ge­ge­ben, so hat­te es da­mals der Nach­bar aus dem Erd­ge­schoss bei der Po­li­zei­ver­neh­mung be­stä­tigt. Ein­ein­halb Jah­re nach der mut­maß­li­chen Tat sah die Sa­che an­ders aus. Das Op­fer ist un­auf­find­bar. Der Woh­nungs­nach­bar, Trink-Kum­pel von je­der­mann, mu­tiert vom Be­las­tungs- zum Ent­las­tungs­zeu­gen. „Ich ha­be mich meh­re­re Ta­ge nicht wohl­ge­fühlt, die bei­den ha­ben nach mir ge­schaut. Die wa­ren nur kurz da.“Das weiß der Zeu­ge ge­nau. Schließ­lich hat­te der an­ge­klag­te Schwie­ger­va­ter nicht ein­mal Zeit ge­nug, um sein Bier aus­zu­trin­ken. „Die Fla­sche war noch halb voll.“Der Schwie­ger­sohn ha­be die gan­ze Zeit an der Tür ge­war­tet. Über­haupt sei der Ge­schä­dig­te ein Hal­lo­dri ge­we­sen: „Der mit sei­nen Be­täu­bungs­mit­tel-Sa­chen, an­dau­ernd hat er Par­ty ge­macht. Mich hat er auch schon mit dem Mes­ser be­droht.“Freund oder Feind? Wahr­heit oder Un­wahr­heit? Sein Aus­sa­ge­wan­del ficht den Zeu­gen nicht an. „Liegt vi­el­leicht am Alk, den ich ge­trun­ken ha­be.“

Auch die Be­weis­auf­nah­me in Be­zug auf den Über­fall am Schloss­berg im Sep­tem­ber ist holp­rig: Die An­ge­klag­ten sol­len ei­nem Be­trun­ke­nen ge­gen 2.30 Uhr mor­gens aus ei­ner Kn­ei­pe Rich­tung Bahn­hof ge­folgt sein, ihn zu Bo­den ge­run­gen und be­klaut ha­ben. Das Op­fer ist mög­li­cher­wei­se nach Schwe­den aus­ge­wan­dert. Ein Au­gen­zeu­ge tut sich mit der Iden­ti­fi­ka­ti­on eher schwer. Blei­ben Vi­deo-Auf­nah­men vom Kom­men und Ge­hen im Ein­gangs­be­reich der Kn­ei­pe. „Die An­ge­klag­ten sind di­rekt nach dem Op­fer ge­gan­gen. Der Zeit­ab­lauf wür­de ge­nau zu ei­nem Über­fall pas­sen“, meint der Po­li­zei­be­am­te.

Nur bei den La­den­dieb­stäh­len im Ju­li und De­zem­ber ist die Sa­che klar: Die bei­den An­ge­klag­ten ga­ben zu, ein Blau­punkt-Ra­dio, ei­ne USB-Box und ei­nen Blu-ray-Play­er mit­ge­nom­men zu ha­ben. Die Be­rufs­lauf­bahn der An­ge­klag­ten ist ähn­lich: kein Schul­ab­schluss, kei­ne Aus­bil­dung, Ge­le­gen­heits­jobs. In punc­to Vor­stra­fen­re­gis­ter sind sie un­ter­schied­lich wie Tag und Nacht. Wäh­rend der 29-Jäh­ri­ge kei­ne Ein­tra­gun­gen hat, bringt der Schwie­ger­va­ter es auf 13 – ei­ne Mi­schung aus Dieb­stäh­len, Voll­rausch-Fahr­ten, Kör­per­ver­let­zung bis hin zum ver­such­ten Tot­schlag im Jahr 2011, für den er zu ei­ner Frei­heits­stra­fe von fünf Jah­ren und drei Mo­na­ten ver­ur­teilt und in ei­ne Ent­zie­hungs­an­stalt ein­ge­wie­sen wur­de.

Der Pro­zess wird am 20. De­zem­ber um 9 Uhr fort­ge­setzt.

Schwie­ger­va­ter 2011 zu Frei­heits­stra­fe ver­ur­teilt

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