„Hoff­nungs­lo­ser Ro­man­ti­ker“

„Flie­gen­der Weih­nachts­mann“tankt in al­tem Kas­sen­wa­gen neue Kraft

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Ekart Kin­kel

Wenn Fal­ko Tra­ber zwi­schen sei­nen Auf­trit­ten als „Flie­gen­der Weih­nachts­mann“et­was Ru­he braucht, dann setzt er sich auf das be­que­me Le­der­so­fa sei­nes um­ge­bau­ten Wohn­wa­gens und gönnt sich ei­ne Tas­se frisch ge­brüh­ten Kaf­fee. Von der all­abend­li­chen Hek­tik di­rekt vor der dün­nen Holz­tür ist dann nur noch we­nig zu spü­ren und selbst das all­abend­li­che Stim­men­ge­wirr von täg­lich Tau­sen­den von Weih­nachts­markt­be­su­chern dringt nur sehr ge­dämpft ins Wa­gen­in­ne­re. „Hier kann ich wun­der­bar ent­span­nen“, er­zählt der Hoch­seil­ar­tist, „und au­ßer­dem ist die­ser Platz für mich auch ein Stück Hei­mat“.

Der creme­far­ben ge­stri­che­ne Holz­wa­gen zwi­schen der Glüh­wein­py­ra­mi­de und dem Na­tur­kun­de­mu­se­um ist näm­lich be­reits seit über 100 Jah­ren im Fa­mi­li­en­be­sitz, und schon Fal­ko Tra­bers Ur­groß­va­ter Ju­li­us Spind­ler fuhr da­mit als Wan­der­schau­spie­ler über die Lan­de. „Da­mals war die­ser Wa­gen das Kas­sen­häus­chen für ein ober­baye­ri­sches Volks­thea­ter“, wirft Fal­ko Tra­ber ei­nen Blick zu­rück in die Fa­mi­li­en­ge­schich­te. Über­nach­tet ha­be in dem schnu­cke­li­gen Wa­gen zwar nie­mand, aber sei­ne Mut­ter Ma­ria ha­be dort als klei­nes Mäd­chen oft ihr „Nach­mit­tags­schläf­chen“ge­macht, be­rich­tet Tra­ber.

Ma­ria Spind­ler er­blick­te 1921 in der Fä­cher­stadt das Licht der Welt. „Des­halb sind Auf­trit­te in Karlsruhe auch für mich im­mer et­was ganz Be­son­de­res“, sagt Tra­ber, der seit vier Jah­ren mit sei­nen täg­li­chen Schlit­ten­flü­gen über die Wald­weih­nacht auf dem Fried­richs­platz für Fu­ro­re sorgt. Der his­to­ri­sche Wa­gen wur­de aber be­reits vor der Hoch­zeit sei­ner Mut­ter Ma­ria mit dem Ar­tis­ten Jo­hann Tra­ber au­ßer Be­trieb ge­setzt und stand seit 1934 auf dem Stamm­sitz der Fa­mi­lie im „Jä­ger­hof“bei Brei­sach. Erst um die Jahr­tau­send­wen­de ha­be er den Wohn­wa­gen wie­der­ent­deckt und re­stau­riert, sagt Tra­ber.

Beim In­stand­set­zen des Wa­gens war für den heu­ti­gen Se­ni­or­chef des nach ihm be­nann­ten Ar­tis­ten­un­ter­neh­mens al­ler­dings Prag­ma­tis­mus Trumpf. Au­ßen­hül­le und In­nen­ver­tä­fe­lung wur­den frisch ge­stri­chen. Ein neu­er Fuß­bo­den so­wie ei­ne klei­ne Kü­chen­zei­le mit Haus­bar und Kaf­fee­ko­cher sor­gen eben­so wie das So­fa für et­was Be­hag­lich­keit. Bei den Auf­trit­ten als „Flie­gen­der Weih­nachts­mann“wer­de ihm auch die Sehn­sucht vie­ler Leu­te nach solch tra­di­tio­nel­len Wer­ten im­mer wie­der von Neu­em be­wusst. „Die schöns­ten Mo­men­te sind je­des Mal, wenn die Kin­der un­ten nach dem Weih­nachts­mann ru­fen und dann we­nig spä­ter mit leuch­ten­den Au­gen nach oben schau­en“, sagt Tra­ber, denn da spü­re er dann den so oft be­schrie­be­nen „Geist der Weih­nacht“. Ja, er sei ein „hoff­nungs­lo­ser Ro­man­ti­ker“.

Das Ge­schäft mit den flie­gen­den Weih­nachts­män­nern ist in­zwi­schen ein ech­ter Fa­mi­li­en­be­trieb ge­wor­den. Das Un­ter­neh­men „Fal­ko Tra­ber – die Hoch­seil­show“hat mitt­ler­wei­le zehn Mit­ar­bei­ter und Sohn Fal­ko jr. sorgt seit ei­ni­gen Jah­ren mit sei­nen Schlit­ten­flü­gen über den Bochu­mer Weih­nachts­markt für Be­geis­te­rung. In Karlsruhe wird der Se­ni­or schon re­gel­mä­ßig von sei­nem jüngs­ten Spröss­ling Fer­nan­do ver­tre­ten, der sich dann auf dem Dach des Ein­kaufs­zen­trums Ett­lin­ger Tor in vol­ler Weih­nachts­mann-Mon­tur an ein Stahl­seil ein­klinkt und schnell wie si­cher zum Ge­schen­keVer­tei­len hin­ter die Glüh­wein­py­ra­mi­de hin­ab­glei­tet. „Wer in ei­ner Künst­ler­fa­mi­lie auf­ge­wach­sen ist, kann sich ir­gend­wann kein an­de­res Le­ben mehr vor­stel­len“, weiß Tra­ber.

Schlit­ten­flü­ge gibt es nicht nur in Karlsruhe

Ser­vice

Der „Flie­gen­de Weih­nachts­mann“schwebt all­abend­lich um 17 und 19 Uhr über den Christ­kind­les­markt. Am mor­gi­gen „lan­gen“Ver­kaufs­sams­tag gibt es um 21.30 Uhr ei­ne Zu­satz­show.

FAL­KO TRA­BER er­holt sich zwi­schen sei­nen Auf­trit­ten als „Flie­gen­der Weih­nachts­mann“in ei­nem his­to­ri­schen Wa­gen, der einst als Kas­sen­häus­chen dien­te. Fo­to: eki

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