Vol­le Kraft vor­aus statt Stand-by

Dampf­kraft­werk: Noch im Ok­to­ber wur­den gera­de mal 42 Be­trieb­s­ta­ge fürs ers­te Halb­jahr bi­lan­ziert

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Ste­fan Jeh­le Schorn­stein ist 233 Me­ter hoch

Rhein­ha­fen-Dampf­kraft­werk Karlsruhe „vol­le Kraft vor­aus“: Noch im Ok­to­ber war die Re­de da­von, das im Mai 2014 in den Re­gel­be­trieb über­gan­ge­ne neue St­ein­koh­le-Kraft­werk im Karls­ru­her Rhein­ha­fen ar­bei­te über­wie­gend im „Stand-by-Be­trieb“. Im ers­ten Halb­jahr 2016 sei das laut Be­trei­ber EnBW „ef­fek­tivs­te St­ein­koh­le-Kraft­werk der Welt“gar nur 1007 St­un­den (knapp 42 Ta­ge) in Be­trieb ge­we­sen, war im Ok­to­ber bei ei­ner von In­ge­nieur-Län­der­kam­mern aus Ba­den-Würt­tem­berg und Rhein­land-Pfalz or­ga­ni­sier­ten Be­sich­ti­gung be­kannt ge­wor­den.

Von „Stand-by“kann im Mo­ment ganz und gar nicht die Re­de sein. Der St­ein­koh­leblock RDK 8 (Ka­min rechts im Bild) und das äl­te­re „Schwes­ter­kraft­werk“, der in den 1980-er Jah­ren er­bau­te St­ein­koh­leblock RDK 7 (mitt­le­rer Ka­min) hei­zen der­zeit „vol­le Kraft vor­aus“. Wäh­rend in den be­nach­bar­ten Klein­gar­ten­an­la­gen am Waid­weg in Dax­lan­den der­zeit eher Ru­he ein­kehrt – nicht nur die Be­woh­ner der Vo­gel­häus­chen sind dort über­wie­gend „aus­ge­flo­gen“. Der Schorn­stein des Blocks 7 (Kraft­werks-Leis­tung von 550 MW als so ge­nann­tes „Mit­tel­last­kraft­werk“) im Rhein­ha­fen ist mit 233 Me­tern Hö­he das höchs­te Bau­werk Karls­ru­hes. Der Block 7 lie­fert schon seit 1985 Strom. Der 2008, weit vor In­be­trieb­nah­me des Kraft­werks selbst, er­rich­te­te Ka­min des be­nach­bar­ten Blocks 8 (Leis­tung von 912 MW, brut­to) ist mit 230 Me­tern nur un­we­sent­lich klei­ner. Das RDK 8 ist wei­test­ge­hend bau­gleich mit dem Block 9 des Groß­kraft­wer­kes Mannheim, das 2015 in Be­trieb ging. We­gen mut­maß­li­cher Über­las­ten hat der Ener­gie­ver­sor­ger EnBW un­ter­des­sen er­neut ei­nen An­trag auf Still­le­gung der Blö­cke 5 und 6 im Karls­ru­her Rhein­ha­fen ge­stellt. Die­se sind ei­ne so ge­nann­te „Kalt­re­ser­ve“; die bei­den Blö­cke, die in den 1990-er Jah­ren um­ge­baut wur­den, be­sit­zen je ei­nen Dampf­kes­sel, der mit Gas ge­feu­ert wird. Die­se Blö­cke ha­ben ei­ne Leis­tung von 350 Me­ga­watt - bei ei­nem 210 Me­ter ho­hen Schorn­stein (im Bild ganz links). Be­trei­ber EnBW ar­gu­men­tiert, die Gas­tur­bi­ne sei un­wirt­schaft­lich. Um­welt­schüt­zer kri­ti­sie­ren der­weil die ge­plan­te Ab­schal­tung, die von der Bun­des­netz­agen­tur ge­neh­migt wer­den müss­te. Der Bund für Um­welt und Na­tur­schutz Deutsch­land (BUND) et­wa hält das seit Jah­ren meist still­ste­hen­de Gas­kraft­werk für sehr viel um­welt­freund­li­cher als die Koh­leblö­cke.

IM DAUERBETRIEB hin­ter be­nach­bar­ten Klein­gär­ten am Waid­weg sind zur Zeit die bei­den St­ein­koh­le-Kraft­wer­ke RDK 7 und RDK 8 im Rhein­ha­fen. Der Schorn­stein des Blocks RDK 7 (Zwei­ter von links) ist mit 233 Me­tern das höchs­te Bau­werk in Karlsruhe. Fo­to: Jeh­le

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