Ent­las­tung kaum spür­bar

Bun­des­tag be­schließt Än­de­run­gen bei Steu­er und Frei­be­trä­gen

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

Ber­lin. Spät am Abend, ver­steckt in ei­nem Ge­setz über ei­ne Rei­he von Maß­nah­men ge­gen die Ka­pi­tal­flucht, hat der Bun­des­tag in die­ser Wo­che die ver­spro­che­nen Steu­er­ent­las­tun­gen von mehr als sechs Mil­li­ar­den Eu­ro für die bei­den kom­men­den Jah­re be­schlos­sen, die al­ler­dings auch der Bun­des­rat noch ab­seg­nen muss. Gro­ße Sprün­ge dürf­te da­mit aber wohl nie­mand ma­chen kön­nen: Denn den al­ler­meis­ten Be­schäf­tig­ten wer­den am Mo­nats­en­de nur we­ni­ge Eu­ro mehr net­to vom Brut­to blei­ben.

Die Frei­be­trä­ge

An­fang nächs­ten Jah­res steigt der Gr­und­frei­be­trag um 168 auf 8 820 Eu­ro und ein Jahr spä­ter noch ein­mal um 180 auf dann 9 000 Eu­ro. Bis zu die­sem Be­trag bleibt ein Ein­kom­men steu­er­frei – er si­chert das Exis­tenz­mi­ni­mum ab. Ehe­paa­re er­hal­ten den dop­pel­ten Frei­be­trag.

Ana­log da­zu steigt der Kin­der­frei­be­trag von ge­gen­wär­tig 7 248 Eu­ro im ers­ten Schritt um 108 Eu­ro und An­fang 2018 noch ein­mal um 72 Eu­ro. Wer Kin­dern oder Le­bens­part­nern Un­ter­halt zahlt, kann bis zu 8 820 Eu­ro an au­ßer­ge­wöhn­li­chen Be­las­tun­gen gel­tend ma­chen.

Das Kin­der­geld

Es wird um zwei Eu­ro pro Kind und Mo­nat an­ge­ho­ben. Für das ers­te und zwei­te Kind gibt es dann 192 Eu­ro, für das drit­te 198 und für je­des wei­te­re Kind 223 Eu­ro. Im Jahr 2018 kom­men pro Kind und Mo­nat dann noch ein­mal zwei Eu­ro da­zu. Bei der jähr­li­chen Steu­er­er­klä­rung prüft das Fi­nanz­amt au­to­ma­tisch, wo­mit ein Be­schäf­tig­ter bes­ser fährt – mit dem Kin­der­geld oder dem Kin­der­frei­be­trag. Der so­ge­nann­te Kin­der­zu­schlag für Ge­ring­ver­die­ner steigt im nächs­ten Jahr von 160 auf 170 Eu­ro.

Die Pro­gres­si­on

Da­mit bei Lohn­er­hö­hun­gen die Steu­er­be­las­tung nicht stär­ker steigt als das Ein­kom­men, kor­ri­giert der Bund sei­ne Steu­er­ta­bel­len. Im Mo­ment führt die so­ge­nann­te kal­te Pro­gres­si­on da­zu, dass ein Ar­beit­neh­mer nach ei­ner Ge­halts­er­hö­hung in Hö­he der In­fla­ti­ons­ra­te fak­tisch we­ni­ger Geld ver­dient, weil die Steu­er­sät­ze meh­re­re Jah­re nicht an die In­fla­ti­on an­ge­passt wur­den. Die­sen Ef­fekt lin­dert Fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (CDU) jetzt, in­dem er die Pro­gres­si­on so ent­schärft, dass ei­ni­ge Sät­ze erst bei hö­he­ren Ein­kom­men grei­fen.

Die Pro­gres­si­on be­ginnt bei ei­nem Ein­kom­men von 8 821 Eu­ro für ei­nen Le­di­gen mit ei­nem Steu­er­satz von 14 Pro­zent. Der Spit­zen­steu­er­satz von 42 Pro­zent wird 2017 ab ei­nem zu ver­steu­ern­den Ein­kom­men von 54 058 Eu­ro fäl­lig.

Die Ent­las­tung

Nach Be­rech­nun­gen des Bun­des der Steu­er­zah­ler wird ein Sing­le mit ei­nem Mo­nats­brut­to von 2 500 Eu­ro im nächs­ten Jahr um 45 Eu­ro ent­las­tet – das sind 3,75 Eu­ro im Mo­nat. Im Jahr 2018 kom­men da­zu noch ein­mal 64 Eu­ro. Bei ei­nem Ein­kom­men von 5 000 Eu­ro blei­ben ei­nem Al­lein­ste­hen­den 79 Eu­ro mehr im nächs­ten und wei­te­re 139 Eu­ro im über­nächs­ten Jahr. Ein Ehe­paar mit zwei Kin­dern, bei dem nur ein El­tern­teil ar­bei­tet und 5 000 Eu­ro mo­nat­lich ver­dient, spart sich im ers­ten Jahr 143 Eu­ro und im Jahr 2018 noch ein­mal 180 Eu­ro.

Wie ei­ne Ent­las­tung aus­se­hen könn­te, die ih­ren Na­men ver­dient, ha­ben ges­tern das Münch­ner Ifo-In­sti­tut und die Initia­ti­ve neue So­zia­le Markt­wirt­schaft vor­ge­stellt. In de­ren Re­form­mo­dell, das den Fis­kus gut 31 Mil­li­ar­den Eu­ro pro Jahr kos­ten wür­de, spart sich ein Ehe­paar mit zwei Kin­dern und 60 000 Eu­ro brut­to mehr als 1 700 Eu­ro Steu­ern im Jahr. „Seit Jah­ren stei­gen die Steu­er­ein­nah­men des Staa­tes schnel­ler an als die Ein­kom­men der Bür­ger“, sagt der Ge­schäfts­füh­rer der Initia­ti­ve, Hu­ber­tus Pel­len­gahr. „Die star­ke wirt­schaft­li­che La­ge er­laubt spür­ba­re Steu­er­ent­las­tun­gen.“Ru­di Wais

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