Do­brindt läuft die Zeit da­von

Nach der Ei­ni­gung mit Brüs­sel ist der Är­ger noch lan­ge nicht vom Tisch

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

Ber­lin/Brüs­sel. Für Alex­an­der Do­brindt ist wie­der al­les im Lot. „Die Pk­wMaut kommt“, ver­kün­de­te ges­tern der Ver­kehrs­mi­nis­ter wie selbst­ver­ständ­lich im Bun­des­tag. Da­bei hat er das heiß um­kämpf­te Pres­ti­ge­pro­jekt sei­ner CSU erst am Vor­abend mit ei­nem Ab­ste­cher nach Brüs­sel über die nächs­te Hür­de ge­bracht – al­len Un­ken­ru­fen zum Trotz. Die har­te Kon­fron­ta­ti­on Ber­lin ver­sus Brüs­sel hat sich in ei­nen Kom­pro­miss auf­ge­löst.

Dass das noch nicht den Start­schuss für die Maut be­deu­tet, ist aber auch al­len klar. „Der Ball liegt jetzt in Alex­an­ders Feld“, for­mu­liert es EU-Kom­mis­sa­rin Vio­le­ta Bulc. Ein Spa­zier­gang wird das in den nächs­ten Wo­chen nicht. Mit ei­nem Schlag ist die mo­na­te­lang in der Ver­sen­kung ver­schwun­de­ne Maut zu­rück in der po­li­ti­schen Are­na. Die im ver­gan­ge­nen Jahr mit ma­xi­ma­lem Auf­wand ins Ge­setz­blatt ge­brach­ten Re­ge­lun­gen kom­men jetzt auf Wie­der­vor­la­ge. Da­bei läuft Do­brindt an­ge­sichts des auf­zie­hen­den Bun­des­tags­wahl­kamp­fes im neu­en Jahr ziem­lich die Zeit da­von.

Noch vor Weih­nach­ten will er ei­nen neu­en Ent­wurf für die „In­fra­struk­tur­ab­ga­be“in die re­gie­rungs­in­ter­ne Ab­stim­mung brin­gen. Für ei­ne Neu­fas­sung der be­glei­ten­den Kfz-Steu­erSen­kung ist Fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (CDU) zu­stän­dig. Dann muss das Pa­ket durch Bun­des­tag und Bun­des­rat. Der Ko­ali­ti­ons­part­ner hat schon deut­lich ge­macht, dass ein ein­fa­ches Durch­win­ken nicht zu er­war­ten ist. Die bei­den Mi­nis­ter müss­ten sich jetzt zü­gig auf neue Ge­setz­ent­wür­fe ei­ni­gen, sagt SPD-Frak­ti­ons­vi­ze Sö­ren Bar­tol. Die wür­den dann ge­nau ge­prüft.

„Un­se­re Mess­lat­te ist, dass es kei­ne zu­sätz­li­chen Be­las­tun­gen für deut­sche Au­to­fah­rer ge­ben darf.“Dar­über wacht auch Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU), die noch im vo­ri­gen Wahl­kampf be­teu­er­te: „Mit mir wird es kei­ne Pk­wMaut ge­ben.“Eher un­pro­ble­ma­tisch dürf­te da­bei Do­brindts Zu­sa­ge an Brüs­sel sein, bei den Kurz­zeit­ta­ri­fen für Fah­rer aus dem Aus­land fünf statt drei Preis­stu­fen ein­zu­zie­hen. Die SPD setz­te sich schon ein­mal für ei­ne stär­ke­re Dif­fe­ren­zie­rung ein. Künf­tig soll es auf Wunsch der EU-Kom­mis­si­on ei­ne güns­ti­ge­re Zehn-Ta­ges-Maut für nur noch 2,50 Eu­ro ge­ben – aber für Sprit­fres­ser sol­len die Ta­ri­fe zugleich spür­bar teu­rer wer­den. Do­brindt kal­ku­liert da­durch ins­ge­samt so­gar mit Mehr­ein­nah­men. Kom­pli­zier­ter ist Do­brindts zwei­tes Zu­ge­ständ­nis: So sol­len Be­sit­zer be­son­ders um­welt­scho­nen­der Au­tos nun so­gar mehr Kfz-Steu­er spa­ren als sie Maut zah­len – ins­ge­samt geht es um 100 Mil­lio­nen Eu­ro mehr im Jahr als bis­her ge­plant. An­ge­sichts die­ser Grö­ßen­ord­nung gab Bulc nun ihr Okay, dass es kei­ne Be­nach­tei­li­gung von Aus­län­dern mehr dar­stel­le; ge­ne­rell für In­län­der ist vor­ge­se­hen, dass sie auf den Cent ge­nau so viel bei der Steu­er spa­ren, wie sie Maut zah­len. Wie hoch der neue „ÖkoBo­nus“je nach Mo­dell sein soll, ist noch un­be­kannt. Eben­so, was der be­trof­fe­ne Mi­nis­ter da­von hält.

Denn die 100 Mil­lio­nen Eu­ro feh­len nicht in Do­brindts Maut­kas­se, son­dern in Schäu­bles Haus­halt. An­ge­sichts die­ser Bau­stel­len hät­te sich Do­brindt wohl zu­min­dest rück­bli­ckend ei­ni­gen Är­ger spa­ren kön­nen, wenn er schon frü­her zu ge­ring­fü­gi­gen Än­de­run­gen be­reit ge­we­sen wä­re.

Al­ki­mos Sar­to­ros/ Sa­scha Mey­er

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