Hö­her als die ad­li­ge Her­ber­ge für Prinz Charles

Ein Schaf­fer, Schlitz­ohr und Stur­kopf: Mit sei­nem Ho­tel Ma­well sorgt der Land­wirt Wolf­gang Mai­er bun­des­weit für Fu­ro­re

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Dirk Neu­bau­er

Lan­gen­burg. Wolf­gang Mai­er ist ein Schaf­fer, Schlitz­ohr und ein sym­pa­thi­scher Stur­kopf. Sonst hät­te er die­se 19-Mil­lio­nen-Eu­ro-In­ves­ti­ti­on nie­mals ge­wagt. Da­bei hat­ten ihm Bran­chen­ex­per­ten drin­gend ab­ge­ra­ten, im 1 800-Ein­woh­ner-Städt­chen Lan­gen­burg, dem kleins­ten im Süd­wes­ten, ein hoch­wer­ti­ges Well­ness­ho­tel zu bau­en. Dort, wo sich Fuchs und Ha­se gu­te Nacht sa­gen, wo der Qua­drat­me­ter Bau­land noch 68,50 Eu­ro – er­schlos­sen – kos­tet, da­mit die jun­gen Leu­te in der Re­gi­on blei­ben. „Herr Mai­er, es ist doch ge­schei­ter, Sie bau­en am Flug­ha­fen ein Ho­tel“, hat­te ihn ei­ne De­ho­ga-Ex­per­tin ein­dring­lich ge­warnt. Doch der 57-Jäh­ri­ge, der Well­ness­ho­tels bis­lang nur als Gast kann­te, blieb stur, zu­mal er das aus­ge­dien­te Fe­ri­en­dor­fA­re­al der Evan­ge­li­schen Kir­che be­reits ge­kauft hat­te. Es hat Mai­er ge­fuchst, wenn er in teu­ren Well­nes­s­oa­sen an die Fel­sen ge­klopft hat. „Da war al­les Plas­tik. Das geht gar nicht!“

Al­so legt der hemds­är­me­li­ge Ma­cher, der stolz ist, von Hau­se aus staat­lich ge­prüf­ter Land­wirt zu sein, los. Nach sei­nen ei­ge­nen Ide­en und Plä­nen lässt er 8 000 Ton­nen Mu­schel­kalk­stein, 245 Mil­lio­nen Jah­re alt, aus dem Fels hoch über der Jagst hau­en und wie­der­ver­wer­ten. Er kre­iert ei­ne 3 500 Qua­drat­me­ter gro­ße Well­ness-Land­schaft, teils höh­len­ar­tig, teils licht­durch­flu­tet. 20 Lkw-La­dun­gen Ei­che aus dem ei­ge­nen Wald ver­ar­bei­tet er in dem Ho­tel. Ein In­fi­ni­ty-Pool ragt auch in sei­nen Forst. Und dann erst die­ser 27 Me­ter ho­he Turm. Op­tisch ist er, nun ja, Ge­schmacks­sa- che. Aber mit sei­ner Bar, dem Pool und der Sau­na ganz oben ragt er wie ein Leucht­turm aus der Land­schaft der deut­schen Well­ness-Ho­tels her­aus. Hier im Ho­hen­lo­hi­schen, wo Be­su­cher aus Würz­burg, Nürn­berg, Stutt­gart, Hei­del­berg oder Heil­bronn – al­les Städ­te im 100-Ki­lo­me­ter-Ra­di­us – bis­lang sel­ten hin­fan­den. Das hat sich ge­än­dert. Das Ma­well Re­sort mit sei­nen 64 Zim­mern und Sui­ten, ge­ra­de ein­mal vor gut drei Jah­ren er­öff­net, wird nach Mai­ers Wor­ten in die­sem Jahr zu über 80 Pro­zent aus­ge­las­tet sein. Es schreibt „schö­ne Ge­win­ne“und macht ihm schlicht­weg Spaß. Schließ­lich hat es das Schlitz­ohr al­len Skep­ti­kern ge­zeigt. Mitt­ler­wei­le ha­ben Me­di­en wie die „Süd­deut­sche Zei­tung“, der „SWR“, „Fo­cus“und die „Wirt­schafts­wo­che“über das Ma­well – ab­ge­lei­tet von Mai­er Well­ness – be­rich­tet. Das Rei­se-Por­tal Tri­va­go nennt des­sen Wald­pool so­gar in ei­nem Atem­zug mit den In­fi­ni­ty Pools des Ma­ri­na Bay Sands in Sin­ga­pur und dem von Schloss El­mau, wo schon Ba­rack Oba­ma näch­tig­te. Ge­ra­de ein­mal zehn Pro­zent Fremd­ka­pi­tal hat Mai­er für das Ma­well in die Hand ge­nom­men. Reich ge­wor­den ist er mit sei­ner Fir­ma Farm­bau. Die stellt vor al­lem Stäl­le in Be­ton-Fer­tig­bau­wei­se her und zählt da­mit in Süd­deutsch­land zu den Markt­füh­rern. Weil vie­le Land­wir­te auf­grund der be­hörd­li­chen Auf­la­gen und des Struk­tur­wan­dels in­ves­tie­ren müs­sen, ist die Auf­trags­la­ge in Mai­ers Haupt­me­tier nach wie vor „sehr gut“, wie er sagt. Sei­ne Hüh­ner­und Schwei­ne­stäl­le las­sen sich bei­spiels­wei­se schnell und ra­tio­nal kärchern. (Sie­he auch „Hin­ter­grund“.)

Mai­er ist der größ­te Ge­wer­be­trei­ben­de in Lan­gen­burg. Er sitzt im 15-köp­fi­gen Ge­mein­de­rat, in dem es üb­ri­gens kei­ne Frak­tio­nen gibt. Der Tüft­ler schwärmt von Fo­to­vol­ta­ik, Elek­tro­au­tos und sehnt sich nach mehr Schutz für die Um­welt. Im Ma­well ver­brennt er kei­nen Li­ter Öl. Aus Mais so­wie Hüh­ner- und Pu­ten­mist ent­steht auf sei­nem 3,2 Ki­lo­me­ter ent­fern­ten, ver­pach­te­ten land­wirt­schaft­li­chen Gut Bio­gas. Der ei­ge­ne Forst lie­fert den Roh­stoff für die zu­sätz­li­che Holz­hack­schnit­zel­hei­zung des Ma­well. Das ist für den Ho­tel­be­trieb wirt­schaft­lich, zu­mal Mai­er über­schüs­si­gen Strom und Wär­me ver­kau­fen kann.

Der „Bau­er, Hal­len­bau­er, Ho­tel­bau­er und Bü­ro­bau­er“, wie sich Mai­er, na­tür­lich im Dia­lekt, mit ei­nem Au­gen­zwin­kern be­zeich­net, ist auch ei­ne Art Da­ni­el Dü­sen­trieb aus Ho­hen­lo­he. Bei ei­nem Schlaf­be­darf von ge­ra­de mal vier bis fünf St­un­den kom­men ihm vie­le Ide­en nachts: So will er vom Wald­pool aus­ge­hend ei­ne 360 Me­ter lan­ge Rin­ne bau­en, durch die die Ba­de­gäs­te an den Baum­wip­feln ent­lang ins eben­falls ge­plan­te Hal­len­bad schwim­men kön­nen. Noch ist es nicht ge­neh­migt. An­ders die drei zu­sätz­li­chen Sau­nen und die neue 800 Qua­drat­me­ter gro­ße Emp­fangs­hal­le, in die Mai­er im kom­men­den Jahr al­lein fünf bis sechs Mil­lio­nen Eu­ro in­ves­tie­ren will. Kon­zer­te und ei­nen re­gel­mä­ßi­gen klei­nen Markt soll es dar­in auch ge­ben, so der Qu­er­den­ker, der zu­dem 20 Schau­fens­ter­pup­pen für sei­ne Emp­fangs­hal­le ge­kauft hat. De­si­gner aus Nord­ita­li­en wer­den sie re­gel­mä­ßig an­zie­hen – und so den Ma­wel­lGäs­ten Ge­sprächs­stoff über neue Mo­de­trends bie­ten.

Zu­rück­ge­stellt ist der ge­neh­mig­te Neu­bau für ein an­gren­zen­des Bu­si­nes­sHo­tel mit 48 Zim­mern. Das Ma­well liegt un­weit von Fir­men wie Würth, ebm­papst, Klafs, Mustang oder der Bau­spar­kas­se Schwä­bisch Hall. Der­zeit ten­diert Mai­er aber nach ei­ge­nen Wor­ten da­zu, mehr denn je auf Well­ness-Gäs­te zu set­zen.

In sei­ner Hei­mat­stadt hat er sich mit sei­nem Ho­tel­pro­jekt längst eta­bliert. Na­tür­lich gab es an­fangs Geg­ner. Vie­le Ein­hei­mi­sche kom­men mitt­ler­wei­le als Day-Spa-Gäs­te ins Ma­well oder las­sen sich in der Turm­bar von Bar­kee­per Hop Sing Cock­tails mi­xen – die­ses Ori­gi­nal sieht ein biss­chen sia­me­sisch aus, schwä­belt aber beim Sprü­che-Klop­fen und hat trotz sei­ner tür­ki­schen Wur­zeln schon als klei­ner Jun­ge den Spitz­na­men vom Koch der eins­ti­gen TV-Kult­se­rie „Bo­nan­za“be­kom­men.

Ein Stadt­rat-Kol­le­ge von Ma­well-Chef Mai­er ist Phil­ipp Fürst zu Ho­hen­lo­heLan­gen­burg, ein Nef­fe von Prinz Charles. Neu­gie­rig hat der Fürst sich den Turm an­ge­schaut. „Wolf­gang, der ist ja hö­her als mein Schloss“, hat er mit roya­lem Blick auf sei­nen ge­gen­über­lie­gen­den herr­schaft­li­chen Wohn­sitz – in dem auch be­reits der bri­ti­sche Thron­fol­ger näch­tig­te – ge­sagt. Das Ho­hen­lo­her Schlitz­ohr Wolf­gang Mai­er hat nur ver­schmitzt ge­grinst.

„Wolf­gang, der Turm ist ja hö­her als mein Schloss“

Fo­tos: Frei (2), din

DAS ZIEM­LICH AN­DE­RE HO­TEL: Das Ma­well Re­sort in Ho­hen­lo­he sorgt für ein ge­wal­ti­ges Me­dien­echo, zu­mal es trotz der Skep­sis von Bran­chen­ex­per­ten von ei­nem ge­lern­ten Land­wirt er­baut wur­de.

SPEKTAKULÄR: An den Pool will Wolf­gang Mai­er nun noch ei­ne 360 Me­ter lan­ge Rin­ne an­schlie­ßen, durch die die Gäs­te den Wald­wip­feln ent­lang schwim­men kön­nen.

HOHENLOHES DA­NI­EL DÜ­SEN­TRIEB: Mul­ti-Un­ter­neh­mer Wolf­gang Mai­er.

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