Wie­ner in Karls­ru­he

Sän­ger­kna­ben gas­tier­ten

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

Sie sind der äl­tes­te Kn­a­ben­chor der Welt, der nicht an ei­ne Kir­che ge­bun­den ist: die Wie­ner Sän­ger­kna­ben. Sie wa­ren, wenn man so will, die Ju­ke­box des spä­te­ren Kai­sers Ma­xi­mi­li­an I., als die­ser sei­nen Hof im Jah­re 1498 von Inns­bruck nach Wi­en ver­leg­te. Bis 1918 san­gen die Kn­a­ben nur für den Hof, zu pri­va­ten Fes­ten, bei Mes­sen und zu Staats­an­läs­sen. Seit 1924 exis­tie­ren sie of­fi­zi­ell als Ver­ein und wur­den zu ei­nem pro­fes­sio­nel­len Mu­sik­be­trieb aus- und um­ge­baut.

Was nach au­ßen hin als Wie­ner Sän­ger­kna­ben auf­tritt, ist im­mer ei­ner von vier Chö­ren, de­ren Sän­ger zwar ge­mein­sam aus­ge­bil­det wer­den, die aber ihr Re­per­toire un­ab­hän­gig von­ein­an­der ein­stu­die­ren. Je­der Chor ist nach ei­nem Kom­po­nis­ten be­nannt, der für die Wie­ner Sän­ger­kna­ben wich­tig ge­we­sen ist. Die dies­jäh­ri­ge Weih­nachts­tour­nee wird von den 23 Kn­a­ben, im Al­ter zwi­schen zehn und 14 Jah­ren, des Bruck­ner-Chors durch­ge­führt. Im gut be­such­ten Karls­ru­her Kon­zert­haus mach­ten sie mit ih­rem Di­ri­gen­ten Ma­no­lo Ca­gnin Sta­ti­on, um das Pu­bli­kum mit Ad­vents- und Weih­nachts­mu­sik aus der gan­zen Welt zu er­freu­en.

Im Zen­trum der Büh­ne steht ein Flü­gel. Von ihm aus wird Ca­gnin die Sän­ger­kna­ben di­ri­gie­ren, die sich, im tra­di­tio­nel­len Ma­tro­sen­hemd ge­klei­det, an den Sei­ten des In­stru­ments auf­stel­len. Be­reits nach den ers­ten kur­zen Phra­sen des ers­ten Stü­ckes „Glo­ria lau­da­mus te“von An­to­nio Vi­val­di wird die Klas­se des Cho­res of­fen­bar. Die Stim­men sit­zen per­fekt, die In­to­na­ti­on ist ma­kel­los. Den Kin­dern wird da­bei ei­ne enor­me Ge­dächt­nis­leis­tung ab­ver­langt, denn sämt­li­che Ar­ran­ge­ments wer­den aus­wen­dig ge­sun­gen.

Zu­nächst liegt der Schwer­punkt auf dem ita­lie­ni­schen Re­per­toire. Ei­ne ba­ro­cke Mo­tet­te von Lo­do­vi­co Gros­si da Vi­ada­na ist da­bei, Ros­si­nis be­rühm­tes Buf­foDu­ett für zwei Kat­zen wird wirk­sam und zum Spaß des Pu­bli­kums in Sze­ne ge­setzt, Schu­berts Lied „Der Gon­del­fah­rer“fügt sich ein. Spä­ter dann, im zwei­ten Teil, wird es or­dent­lich weih­nacht­lich. Mit be­kann­ten Lie­dern zur be­sinn­li­chen Zeit neh­men die Sän­ger­kna­ben das Pu­bli­kum auf ei­ne gro­ße Rei­se mit. Vom Hir­ten­lied aus der Stei­er­mark „O Ju­bel, o Freud“, über das thü­rin­gi­sche „Am Weih­nachts­bau­me die Lich­ter bren­nen“geht es über Zwi­schen­sta­tio­nen nach Nord- und Süd­ame­ri­ka („Wal­king In The Air“und „Fe­liz Na­vi­dad“) und von dort zum schle­si­schen „O Tan­nen­baum“. Das Pu­bli­kum lässt sich nur zu ger­ne von den Wie­ner Sän­ger­kna­ben um die hal­be Welt füh­ren.

Um Kin­dern zu hel­fen, de­nen es nicht gut geht, war­ben die Sän­ger­kna­ben für die Spen­den­ak­ti­on von Unicef und wer­den selbst ei­nen Teil der Ein­nah­men spen­den. Mit „Jing­le Bell Rock“und „A Mer­ry Mer­ry Christ­mas“ver­ab­schie­de­ten sie sich von ei­nem glück­li­chen Pu­bli­kum. Jens Wehn

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