AUS­ZEIT

Pforzheimer Kurier - - SPORT -

Al­fons Hör­mann hat kei­nen leich­ten Stand beim Wahl­volk. Ei­ner­seits hat der Prä­si­dent des Deut­schen Olym­pi­schen Sport­bun­des sei­tens des för­dern­den In­nen­mi­nis­te­ri­ums den Druck, die ei­ge­nen Rei­hen hin­ter ei­ne Spit­zen­re­form zu brin­gen, die al­les an­de­re als aus­ge­go­ren, in Tei­len so­gar frag­wür­dig und da­her an­greif­bar wirkt. An­de­rer­seits muss er ge­ra­de mit den Fol­gen ei­ge­ner Un­ge­schick­lich­kei­ten bei der Ver­mitt­lung der Plä­ne le­ben. Die Skep­sis in den Rei­hen vie­ler Lan­des- und Fach­ver­bän­de stei­ger­te sich zwi­schen­zeit­lich in of­fe­nen Wi­der­spruch, in des­sen Schlepp­tau sich Zwei­fel an sei­nen Füh­rungs­qua­li­tä­ten reg­ten.

Wohl hat Hör­mann die gif­ti­ge Wir­kung sei­ner ei­ge­nen Feh­ler recht­zei­tig er­kannt. In den Vor­ge­sprä­chen zur heu­ti­gen DOSB-Mit­glie­der­ver­samm­lung in Mag­de­burg war sein Ton hör­bar mo­de­ra­ter ge­wor­den, ja so­gar an ge­eig­ne­ter Stel­le selbst­kri­tisch ge­färbt. Die De­le­gier­ten, das weiß er, müs­sen das Re­form­pa­ket an­neh­men, in­so­fern war Hör­mann auf Dee­s­ka­la­ti­on aus und die­se Tak­tik auch von sei­nem Macht­an­spruch her op­por­tun ge­wor­den. So dürf­te es heu­te nicht zum Äu­ßers­ten kom­men, das Re­form­pa­ket al­so An­nah­me fin­den.

Ru­he an der Ba­sis wird auch da­nach nicht ein­keh­ren. Im Ge­gen­teil. Denn mit Ve­rän­de­run­gen und Ein­schnit­ten tut man sich im deut­schen Sport schwer, und de­ren Aus­se­hen wer­den in den nächs­ten Mo­na­ten zu de­fi­nie­ren sein. Die Neu­auf­stel­lung der Olym­pia­und Bun­des­stütz­punk­te, bei der es um Exis­ten­zen geht, birgt Kon­flikt­po­ten­zi­al.

Die Re­form soll deut­sche Ath­le­ten zu­rück in die Welt­spit­ze füh­ren – die För­der­an­tei­le sol­len auf Wunsch des In­nen­mi­nis­ters Tho­mas de Mai­ziè­re des­halb stär­ker an ver­meint­li­chen Me­dail­len­po­ten­zia­len ein­zel­ner Dis­zi­pli­nen aus­ge­rich­tet wer­den. Nach ma­the­ma­ti­schem Prin­zip sol­len die­se er­mit­telt wer­den. Dass die Skep­sis an der Prak­ti­ka­bi­li­tät sol­cher Po­ten­zi­al­ana­ly­sen nur die Pra­xis wi­der­le­gen kann, soll­te klar sein. Ir­gend­wo zwi­schen po­li­tisch dik­tier­ter Theo­rie und der Pra­xis im All­tag der Leis­tungs­pro­duk­ti­on wird sich al­les ein­pen­deln müs­sen. Leicht ist das ge­sagt, schwer aber ge­tan. Re­né Dan­kert

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