Kla­res Leit­bild oder ver­wa­sche­ne Vi­si­on?

Die Stadt­pla­nung zieht mit dem räum­li­chen Ent­wick­lungs­plan nach vier Jah­ren ins Fi­na­le ein

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Ru­pert Huste­de

Vier Jah­re wur­de dar­an ge­malt – mal Karls­ru­hes Zu­kunft ro­sa­rot ge­zeich­net, mal mit kräf­ti­gen Kon­tras­ten die Wi­der­sprü­che am Fä­cher­ho­ri­zont her­aus­ge­ar­bei­tet. Da pin­sel­ten be­son­ders krea­ti­ve Stadt­pla­ner gleich­zei­tig, dann wur­den zu dick auf­ge­tra­ge­ne Schich­ten wie­der ab­ge­kratzt. Und fer­tig ist das „Rä­um­li­che Leit­bild“, die un­ver­bind­li­che Richt­schnur für die Po­li­ti­ker, die nach Plan an Karls­ru­hes Zu­kunft bas­teln wol­len.

Das Stadt­pla­nungs­amt hat nun Kon­tras­te ge­mil­dert und Kon­tu­ren ge­schärft, hat die Vi­sio­nen ge­rahmt und dar­aus ei­ne Richt­schnur für die Stadt­po­li­tik ge­formt. Wird das Zu­kunfts­ge­mäl­de vom Wachs­tum auf vie­len Ge­bie­ten mit dem be­schlos­se­nem Ver­zicht auf wei­te­ren Flä­chen­fraß am letz­ten grü­nen Rand von Ba­disch Boom­town Wunsch­bild blei­ben? Oder kann das Leit­bild, wenn auch sehr ver­wischt vom schnel­len Lauf der Zeit, in ei­ner be­schleu­nig­ten Welt die Wirk­lich­keit er­rei­chen? Viel­leicht gar doch zum Vor­bild für man­che steu­er­ba­re Ent­wick­lung wer­den?

Nach der„Fi­na­li­sie­rung“zu Weih­nach­ten im Jahr nach dem 300. Stadt­ge­burts­tag wer­de man in fünf Jah­ren die Wir­kung des Räum­li­chen Leit­bilds über­prü­fen, ver­si­chert Stadt­pla­nungs­che­fin An­ke Kar­mann-Woess­ner. Bis da­hin aber „ar­bei­ten wir an der Ver­fei­ne­rung“, ver­spricht sie. „Der Plan ver­schwin­det nicht in der Schub­la­de“, das Leit­bild die­ne nun bei al­len Groß­pro­jek­ten und Struk­tur­ver­än­de­run­gen als Ori­en­tie­rungs­rah­men.

Beim „Fi­na­le“am 15. De­zem­ber ab 19 Uhr im Neu­en Stän­de­haus kön­nen die Bür­ger das Werk be­stau­nen. Vor der Fi­nis­sa­ge mit Prä­sen­ta­ti­on und Dis­kus­si­on will der Ge­mein­de­rat bei sei­ner Sit­zung am 13. De­zem­ber ab 15.30 Uhr im Rat­haus dem Leit­bild noch sei­nen Le­gi­ti­ma­ti­ons­stem­pel auf­drü­cken.

Die Lei­te­rin des Stadt­pla­nungs­amts und ihr Team sind stolz auf das wäh­rend der Olym­pia­de von Wett­be­wer­ben und Werk­stät­ten un­ter Be­tei­li­gung der Bür­ger Ge­leis­te­te. Hat man doch sie­ben Stoß­rich­tun­gen in Karls­ru­hes Zu­kunft und 24 Vor­ha­ben von ge­samt­städ­ti­scher Be­deu­tung for­mu­liert. Auf der Zeit­schie- ne reicht die Pa­let­te der Leit­bild­far­ben vom grel­len „so­fort“bis zu dem im Un­ge­fäh­ren ver­blas­sen­den „lang­fris­tig“.

Stadt­pla­ne­rin Hei­ke De­de­rer weiß, dass plötz­li­cher Druck durch ei­nen Groß­in­ves­tor die im Leit­bild ver­ewig­ten Wunschsze­na­ri­en weg­schie­ben kann. Wie ver­än­dern doch bei­spiels­wei­se dm und Ikea mit ih­ren Groß­pro­jek­ten das Bild, das sich die Städ­te­pla­ner zu­vor für die Dur­la­cher Al­lee als Ent­wick­lungs­ach­se der „Grü­nen Stadt“vor­ge­stellt hat­ten. Für Kar­mann-Woess­ner ist das Rä­um­li­che Leit­bild des­halb auch kein ewig gül­ti­ges Stadt­ge­mäl­de, son­dern ein Rah­men­pa­pier, an dem spä­ter mit neu­en Er­kennt­nis­sen und an­de­ren Er­for­der­nis­sen wei­ter­ge­malt wer­den kann. „Und das Leit­bild wirkt be­reits kon­kret, zum Bei­spiel bei der Su­che nach Wohn­raum­flä­chen“, un­ter­streicht Stadt­pla­ne­rin Si­grun Hü­ger. Da­bei nennt sie die „Dich­te-Un­ter­su­chung“der Nord­west­und der Wald­stadt. Zu­dem ist längst die po­li­ti­sche Dis­kus­si­on er­öff­net, wann, wie und viel­leicht doch nicht die freie Zo­ne zwi­schen dem Al­ten Flug­platz, der Nord­west­stadt und Neu­reut durch Woh­nungs­bau um ei­nen Land­schafts­park städ­te­bau­lich „ge­ord­net“wird. Auch die Un­ter­su­chung der Ge­wer­be­ge­bie­te ne­ben der Süd­tan­gen­te zwecks Ver­dich­tung und Qua­li­täts­stei­ge­rung sei an­ge­lau­fen, er­klä­ren die drei Stadt­pla­ne­rin­nen.

Fo­to: Sand­bil­ler

UNVERWECHSELBAR ist der Fä­cher, der Karls­ru­hes Bild be­stimmt. Dar­an kann und soll auch das neue Raum­kon­zept nichts än­dern. Mit ihm will die Stadt­pla­nungs­po­li­tik nur ei­nen Rah­men für die wei­te­re Stadt­ent­wick­lung lie­fern, da­mit auch au­ßer­halb des Fä­chers die boo­men­de Groß­stadt nicht an ih­ren Rän­dern wu­chert und zer­fled­dert.

Fo­to: jo­do

BAUPLATZ IN DER STADT: Bald lässt Ikea die Gru­be für die Fi­lia­le an der Dur­la­cher Al­lee (links) aus­he­ben. Die Stadt­pla­ner hat­ten dort ei­gent­lich an­de­res vor.

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