„Ra­chel“ist lei­der schon ver­ge­ben

Artothek in der Pforz­heim Ga­le­rie: Co­rin­na Pav­lic kommt et­was zu spät für die Wunsch-Leih­ga­be

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Su­san­ne Roth

„Ja, ir­gend­wie ha­be ich es mit Frau­en­fi­gu­ren“, stellt Co­rin­na Pav­lic (36) fest. Eben hat sie die dick in Fo­lie ein­ge­pack­ten „Freun­din­nen“des Pforz­hei­mer Ma­lers Wil­li Zan­ger bei Gun­di Lehr ab­ge­ge­ben, schon steht sie wie­der vor ei­ner Frau. Es ist die „Ra­chel“, die Richard Zieg­ler mit re­du­zier­ter Far­big­keit, fast skiz­zen­haft mit gro­ßen Au­gen und an­mu­tig ge­senk­tem Haupt 1978 auf die Lein­wand ge­bannt hat.

Und ge­bannt steht auch die Kunst­lieb­ha­be­rin, die an­sons­ten in der Ge­schäfts­lei­tung ei­ner Ge­sund­heits­grup­pe ar­bei­tet, vor dem Werk, das ges­tern auf dem Bo­den der Pforz­heim Ga­le­rie zwi­schen­ge­parkt wur­de. Doch sie hat Pech: Der Zet­tel, der noch ei­ne hal­be St­un­de zu­vor auf dem Bo­den lag, ist weg. Es fällt Co­rin­na Pav­lic sicht­lich schwer, sich von „Ra­chel“zu lö­sen. „Das ist ei­ne Bauch­ent­schei­dung, wenn ei­nem was ins Au­ge fällt, dann ist es das meist auch, was man ha­ben will.“Auf Zeit ha­ben darf, müss­te man sa­gen, denn Pav­lic ist – heu­te in Be­glei­tung ih­rer acht­jäh­ri­gen Toch­ter Vio­let­ta – ei­ne der rund 40 Kunst­lieb­ha­ber, die sich im Halb­jah­res­Rhyth­mus in der Ga­le­rie in der Bleich­stra­ße tref­fen, um aus­ge­lie­hen Kunst­wer­ke ab­zu­ge­ben und ge­gen ei­ne Ge­bühr wie­der neue mit­zu­neh­men. „Heu­te sind es 40 Kunst­wer­ke, die ab­ge­ge­ben wer­den. Meis­tens kom­men auch neue Aus­lei­her da­zu“, sagt Kunst­his­to­ri­ke­rin Re­gi­na M. Fi­scher, die das Pro­jekt „Artothek“der Stadt Pforz­heim be­treut. Und eben­so wie die kom­mis­sa­ri­sche Kul­tur­amts­lei­te­rin An­ge­li­ka Dre­scher auch gern mal an Stamm­kun­den et­was emp­fiehlt.

Doch da­zu kommt man an die­sem Nach­mit­tag kaum, es ist vor al­lem di­rekt nach der Öff­nung je­de Men­ge los. Schlan­gen bil­den sich bei Gun­di Lehr vom Stadt­mu­se­um Bröt­zin­gen, die die Rück­ga­ben in Emp­fang nimmt. Dann ist der Weg frei für ei­ne neue Leih­ga­be. Frei­lich wer­den, so sagt Fi­scher, kei­ne Kunst­wer­ke aus dem städ­ti­schen Fun­dus ver­lie­hen, de­ren Wert un­er­mess­lich ist. „Ei­nen Spitz­weg wer­den sie hier nicht fin­den.“

An­sons­ten aber ste­hen ge­nü­gend Bil­der und auch klei­ne Skulp­tu­ren zur Aus­wahl. Über­rascht zeigt sich die Kunst­his­to­ri­ke­rin dar­über, dass zeit­ge­nös­si­sche Kunst sehr ge­fragt ist von den Aus­lei­hern.

„Ich fin­de, es ist wich­tig, Kunst den Kin­dern nä­her zu brin­gen“, sagt Co­rin­na Pav­lic. Kein Wun­der, dass Vio­let­ta, die oft auch Work­shops in der Pforz­heim Ga­le­rie be­sucht (und noch zwei Schwes­tern hat) so­gar schon Kunst­wer­ke Zu­hau­se nach­malt.

Fo­to: Roth

WER DIE WAHL HAT, HAT DIE QU­AL: Co­rin­na Pav­lic nimmt die Leih­ga­ben in der Pforz­heim Ga­le­rie in Au­gen­schein. Rund 40 wei­te­re Kunst­lieb­ha­ber wa­ren ges­tern zur halb­jähr­li­chen „Art­ho­thek“in die Pforz­heim Ga­le­rie ge­kom­men.

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