„Kul­tur und Bil­dung ver­netzt die Men­schen“

Fünf­ter Kul­tur­di­alog „Kunst ver­sus All­tag“für Er­zie­he­rin­nen und Mu­se­ums­päd­ago­gin­nen

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Jür­gen Pe­che

„Räu­me bil­den – der Raum ist der drit­te Päd­ago­ge.“Die­se Aus­sa­ge ist in der Päd­ago­gik be­kannt und gilt auch für den öf­fent­li­chen Raum, für die Pla­nung und Gestal­tung von städ­ti­schen Flä­chen und Stra­ßen. Ki­tas und Schu­len er­schlie­ßen sich zu­neh­mend die Stadt und wer­den zu Ak­teu­ren in der Ver­mitt­lung von Wis­sen über die Stadt an die von ih­nen be­treu­ten Kin­der. Der ak­tu­ell fünf­te Kul­tur­di­alog, ein Fort­bil­dungs­an­ge­bot von „Gold­ader Bil­dung“, zu­sam­men mit dem Kul­tur­amt der Stadt nennt sich „Kunst ver­sus All­tag – kul­tu­rel­le Bil­dung von An­fang an“, und rich­te­te sich an Er­zie­he­rin­nen und Mu­se­ums­päd­ago­gin­nen. Re­na­te Eng­ler von Gold­ader Bil­dung spricht von Stadt­bild-Päd­ago­gik, die Kin­dern bei der Ori­en­tie­rung und Iden­ti­täts­fin­dung hel­fen soll.

15 Teil­neh­me­rin­nen und ein Mann ab­sol­vier­ten ges­tern ein Pro­gramm, das an ei­nem sonst we­nig all­täg­li­chen Raum, dem Schmuck­mu­se­um, be­gann. „Was hat Pla­nen und Bau­en mit Kul­tur zu tun?“, ver­such­te Bür­ger­meis­te­rin Si­byl­le Schüs­s­ler zu be­ant­wor­ten und ver­mit­telt da­bei die in­ter­dis­zi­pli­nä­ren Zu­sam­men­hän­ge von Pla­nen, Bau­en, Um­welt und Kul­tur. Zwi­schen Na­mi­bia und Pforz­heim han­deln die Ak­ti­vi­tä­ten des Ver­eins Can, der ein Bil­dungs­pro­jekt in Na­mi­bia un­ter­stützt, bei dem die Be­woh­ner mit fi­nan­zi­el­ler Un­ter­stüt­zung ler­nen, Dä­cher als Schat­ten­spen­der zu er­rich­ten. Per­spek­tiv­wech­sel war al­so an­ge­sagt in den Köp­fen – und ver­netz­tes Den­ken.

„Kul­tur und Bil­dung ver­netzt die Men­schen“, sagt Re­na­te Eng­ler, die dar­in die Grund­la­ge für das bür­ger­schaft­li­che En­ga­ge­ment ih­res rund 50 Mit­glie­der zäh­len­den Ver­eins sieht. Den Ge­dan­ken der Ver­net­zung ver­folg­ten die Teil­neh­mer schließ­lich bei „Ur­ban Na­tu­re“, ei­nem Rund­gang durch das Quar­tier ent­lang der KF, das seit 2007 sa­niert wird. Rein­hard Mai­er, Ar­chi­tekt und Stadt­pla­ner bei der Stadt, er­klär­te da­bei Zu­sam­men­spiel von städ­te­bau­li­chen, so­zia­len und kul­tu­rel­len Maß­nah­men, die da­zu dien­ten, das Ge­biet auf­zu­wer­ten. Kul­tur, das sind im en­ge­ren Sin­ne die fünf Skulp­tu­ren von Re­né Dan­tes, die Cy­pres­se oder Ca­la hei­ßen und flo­ra­le Ele­men­te in den Be­ton-Dschun­gel tra­gen. Doch in die­sem Dschun­gel exis­tie­ren noch an­de­re kul­tu­rel­le Ele­men­te, et­wa das wun­der­schö­ne und denk­mal­ge­schütz­te Ge­bäu­de von G. Rau, mit sei­nen brau­nen und gel­ben Back­stei­nen, die sich an der Fas­sa­de zu or­na­men­ta­lem Fach­werk aus­brei­ten. Wie ver­trägt sich aber hier Ar­beit mit Woh­nen in di­rek­ter Nach­bar­schaft? „Ei­gent­lich ein ge­woll­tes Ne­ben­ein­an­der“, so Mai­er, aber durch­aus pro­blem­be­haf­tet. Bei Kon­flik­ten wer­de zum In­ter­es­sens­aus­gleich ein Dia­log ge­sucht.

Die Fas­sa­den der 56 Häu­ser, die an der Sa­nie­rung be­tei­ligt wa­ren, wur­den nach ei­nem Farb­kon­zept abwechslungsreich ge­stal­tet, was laut Mai­er zu hoch emo­tio­na­len Dis­kus­sio­nen An­lass gab. Ja, und dann stan­den al­le vor dem Ate­lier von Dan­tes, der sein Do­mi­zil in ei­ner frü­he­ren Gas-Pum­pen­sta­ti­on ge­fun­den hat – ein Ku­mu­la­ti­ons­punkt der Kul­tur in ei­ner lan­ge ver­nach­läs­sig­ten Ge­gend, die nun fast hei­me­lig ge­wor­den ist.

EIN RUND­GANG DURCH DAS QUAR­TIER ent­lang der KF stand un­ter dem Mot­to „Ur­ban Na­tu­re“, den die Er­zie­her und Mu­se­ums­päd­ago­gen mit Re­na­te Eng­ler von Gold­ader Bil­dung und Rein­hard Mai­er vom Amt für Stadt­pla­nung (rechts) mach­ten. Fo­to: pec

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