„Es hat uns rich­tig rein­ge­hau­en“

Tex­til­haus Schä­fer in Kö­nigs­bach-St­ein schließt nach 138 Jah­ren / Um­sät­ze ex­trem zu­rück­ge­gan­gen

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Ul­ri­ke Faul­ha­ber

Kö­nigs­bach-St­ein. Auf ei­ne lan­ge, wech­sel­vol­le Ge­schich­te kann das Kö­nigs­ba­cher Tex­til­haus Schä­fer zu­rück­bli­cken. Von der Grün­dung im Jahr 1878 bis heu­te ist es in Fa­mi­li­en­be­sitz ge­blie­ben. Nun schließt das in fünf­ter Ge­ne­ra­ti­on von Mi­ri­am Schä­fer-Ro­then ge­führ­te, äl­tes­te Tex­til­ge­schäft am Ort, zum Jah­res­en­de sei­ne Pfor­ten. In­ha­be­rin Mi­ri­am Schä­fer-Ro­then be­dau­ert na­tür­lich sehr, die­sen Schritt ge­hen zu müs­sen. Seit ei­nem Jahr ha­be sich das ab­ge­zeich­net. Die Um­sät­ze sei­en ex­trem zu­rück­ge­gan­gen, um min­des­tens 50 Pro­zent. „Es hat uns rich­tig rein­ge­hau­en. Wir hat­ten noch nicht mal ein Weih­nachts­ge­schäft“, be­grün­det sie die­sen für sie und die Fa­mi­lie schmerz­haf­ten Schritt. „Die al­ten Kun­den wer­den we­ni­ger, und die Jun­gen kau­fen im In­ter­net“, so ih­re Er­fah­rung.

Ge­grün­det wur­de das Ge­schäft 1878 von Da­ni­el und Kat­ha­ri­na Lam­precht als klei­ne Ge­mischt­wa­ren­hand­lung in ei­ner ge­räu­mi­gen Wohn­stu­be. Der La­den wur­de haupt­säch­lich von Kat­ha­ri­na Lam­precht auf­ge­baut und be­trie­ben, da Ehe­mann Da­ni­el als Dre­her nur über be­schei­de­ne Ein­künf­te ver­füg­te. Seit die­ser Zeit kau­fen die Kö­nigs­ba­cher „bei Dre­hers“ein. Das Ge­schäft ent­wi­ckel­te sich so gut, dass das al­te Haus 1909 ab­ge­bro­chen und an des­sen Stel­le ein für da­ma­li­ge Ver­hält­nis­se statt­li­ches Wohn­haus mit grö­ße­rem Ver­kaufs­raum ge­baut wer­den konn­te. Nach­dem das Ehe­paar Lam­precht ins Ren­ten­al­ter ge­kom­men und Schwie­ger­sohn Karl Ebel im Ers­ten Welt­krieg ge­fal­len war, über­nahm Toch­ter Mag­da­le­na Ebel, geb. Lam­precht, 1919 das Läd­le. Sie hei­ra­te­te 1923 Ernst Schä­fer aus Wös­sin­gen. Da­her kommt der Na­me Tex­til­haus Schä­fer. • Toch­ter Ber­ta, seit 1939 mit Wal­ter Her­ter ver­hei­ra­tet, trat nach dem Tod ih­rer Mut­ter Mag­da­le­na 1954 in de­ren Fuß­stap­fen. Zu­vor wa­ren schon die Schau­fens­ter­an­la­gen re­no­viert und ei­ne grö­ße­re La­den­ein­rich­tung ein­ge­baut wor­den war. Un­ter Ber­ta Her­ter wur­de das Le­bens­mit­tel­sor­ti­ment auf­ge­ge­ben zu­guns­ten ei­ner Spe­zia­li­sie­rung auf Tex­ti­li­en al­ler Art. Ber­tas Toch­ter Bri­git­te half seit ih­rer Kind­heit im Ge­schäft mit und mach­te dort auch ih­re Ausbildung zur Ein­zel­han­dels­kauf­frau. In­zwi­schen mit Mar­tin Ro­then ver­hei­ra­tet, wur­de ihr 1977 das Fach­ge­schäft von ih­rer Mut­ter über­tra­gen. Zum Ju­bi­lä­ums­jahr 2003 hat sie die Rä­um­lich­kei­ten um­fas­send re­no­vie­ren las­sen, so dass sich die Ver­kaufs­flä­che von 60 Qua­drat­me­tern hel­ler, freund­li­cher und groß­zü­gi­ger als je zu­vor prä­sen­tiert. Und auch von Bri­git­te Ro­then ging das Ge­schäft an die Toch­ter über. Seit zehn Jah­ren steht nun Mi­ri­am Schä­fer-Ro­then in Ver­ant­wor­tung. Sie hat das be­währ­te An­ge­bot des Kö­nigs­ba­cher Fa­mi­li­en­be­triebs mit ei­ner gro­ßen Aus­wahl an Ober- und Un­ter­be­klei­dung für Da­men und Her­ren so­wie Kurz­wa­ren für den täg­li­chen Be­darf bei­be­hal­ten.

Wenn die lan­ge Ge­schich­te des Fa­mi­li­en­un­ter­neh­mens jetzt zu En­de geht, so zeugt sie doch vom un­er­müd­li­chen Fleiß al­ler In­ha­ber­ge­ne­ra­tio­nen, die das Ge­schäft im­mer wie­der den Zei­ten an­pass­ten und 138 Jah­re lang für sein Wei­ter­be­ste­hen sorg­ten.

EN­DE EI­NER ÄRA im Kö­nigs­ba­cher Ein­zel­han­del: Das Tex­til­haus Schä­fer in der An­ker­stra­ße schließt. Bri­git­te Ro­then (links) und Mi­ri­am Schä­fer-Ro­then be­dau­ern das. Fo­tos: Faul­ha­ber

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