Häus­li­che Pfle­ge soll bes­ser be­zahlt wer­den

Das än­dert sich mit der Re­form

Pforzheimer Kurier - - MENSCH UND MEDIZIN - Fo­to: dpa

neu­es Be­gut­ach­tungs­ver­fah­ren und die Um­stel­lung von Stu­fen auf Gra­de sind Kern­punk­te der Pfle­ge­ver­si­che­rungs­re­form, die ab Ja­nu­ar wirk­sam wer­den. Bei der Um­stel­lung auf ein neu­es Leis­tungs­sys­tem nach Pfle­ge­gra­den soll nie­mand schlech­ter ge­stellt wer­den, der heu­te schon Leis­tun­gen be­zieht.

Wer hat künf­tig An­spruch auf Leis­tun­gen der Pfle­ge­ver­si­che­rung?

Erst­mals er­hal­ten ab kom­men­dem Jahr al­le Pfle­ge­be­dürf­ti­gen gleich­be­rech­tigt Zu­gang zu den Leis­tun­gen der Pfle­ge­ver­si­che­rung – egal, ob sie von kör­per­li­chen, psy­chi­schen oder ko­gni­ti­ven Be­ein­träch­ti­gun­gen be­trof­fen sind.

Wie vie­le Pfle­ge­stu­fen wird es ge­ben und wie läuft die Ein­stu­fung?

An­stel­le der bis­he­ri­gen drei Pfle­ge­stu­fen gibt es künf­tig fünf Pfle­ge­gra­de. Der je­wei­li­ge Grad wird auf der Grund­la­ge ei­nes neu­en Be­gut­ach­tungs­ver­fah­rens er­mit­telt. Der Hilfs­be­darf, den je­mand hat, wird künf­tig nicht mehr in Mi­nu­ten ge­mes­sen. „Das Maß für die Ein­schät­zung von Pfle­ge­be­dürf­tig­keit soll künf­tig der Grad der Selbst­stän­dig­keit ei­nes Men­schen sein – al­so wie selbst­stän­dig er oh­ne Hil­fe und Un­ter­stüt­zung von an­de­ren sein Le­ben füh­ren kann“, er­läu­tert Cat­ha­ri­na Han­sen von der Ver­brau­cher­zen­tra­le. Hier­für gibt ein Gut­ach­ter des Me­di­zi­ni­schen Di­ens­tes der Kran­ken­ver­si­che­rung sei­ne Ein­schät­zung ab.

Wel­che Be­rei­che beim Be­gut­ach­tungs­ver­fah­ren spie­len ei­ne Rol­le?

Sechs: Mo­bi­li­tät, geis­ti­ge und kom­mu­ni­ka­ti­ve Fä­hig­kei­ten, Ver­hal­ten, Selbst­ver­sor­gung, Um­gang mit Er­kran­kun­gen Be­las­tun­gen so­wie so­zia­le Kon­tak­te. Für je­den wer­den ab­hän­gig vom Aus­maß der Be­ein­träch­ti­gung Punk­te ver­ge­ben. Sie wer­den am En­de ge­wich­tet und ad­diert. Von der Ge­samt­punk­te­zahl hängt ab, in wel­chen Pfle­ge­grad ein Be­trof­fe­ner ein­ge­stuft wird. „Bei der bis­he­ri­gen Ein­stu­fung in Pfle­ge­stu­fen war nur der ver­rich­tungs­be­zo­ge­ne Hil­fe­be­darf bei Kör­per­pfle­ge, Er­näh­rung, Mo­bi­li­tät und haus­wirt­schaft­li­cher Ver­sor­gung be­rück­sich­tigt wor­den“, er­klärt Han­sen.

Müs­sen Pfle­ge­be­dürf­ti­ge ei­nen neu­en An­trag stel­len?

Nein. Nach dem neu­en Sys­tem mit Pfle­ge­gra­den wer­den zu­nächst nur die Men­schen be­gut­ach­tet, die erst ab Ja­nu­ar 2017 ei­nen Pfle­ge­grad be­an­tra­gen. Die­je­ni­gen, die be­reits ei­ne Pfle­ge­stu­fe ha­ben, ha­ben so­zu­sa­gen ei­nen Be­stands­schutz. Von sich aus müs­sen sie nichts un­ter­neh­men. „Al­le Ver­si­cher­ten, die am 31. De­zem­ber 2016 be­reits Leis­tun­gen der Pfle­ge­ver­si­che­rung be­zie­hen, wer­den am 1. Ja­nu­ar 2017 oh­ne neue An­trag­stel­lung und oh­ne er­neu­te Be­gut­ach­tung aus den bis­he­ri­gen Pfle­ge­stu­fen in die neu­en Pfle­ge­gra­de über­ge­lei­tet“, be­tont Ger­not Kie­fer, Vor­stand des Spit­zen­ver­bands der Ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung in Ber­lin.

Was kommt auf die Pfle­ge­be­dürf­ti­gen zu?

Grund­sätz­lich gilt: Pfle­ge­be­dürf­ti­ge mit aus­schließ­lich kör­per­li­chen Be­ein­träch­ti­gun­gen er­hal­ten an­stel­le der bis­he­ri­gen Pfle­ge­stu­fe den nächst­hö­he­ren Pfle­ge­grad. „Die Po­li­tik hat zu­ge­si­chert, dass nie­mand durch die Um­stel­lung von Pfle­ge­stu­fe auf Pfle­ge­grad we­ni­ger Leis­tun­gen als zu­vor er­hält“, sagt Ul­ri­ke MaEin Prä­si­den­tin des So­zi­al­ver­bands VdK. Im Ge­gen­teil: Die al­ler­meis­ten er­hal­ten durch die Um­stel­lung mo­nat­lich mehr. „So er­hält ein Pfle­ge­be­dürf­ti­ger der Stu­fe zwei oh­ne ein­ge­schränk­te All­tags­kom­pe­tenz im Pfle­ge­grad drei ins­ge­samt 87 Eu­ro zu­sätz­lich für die Pfle­ge durch An­ge­hö­ri­ge be­zie­hungs­wei­se 154 Eu­ro mehr für die Un­ter­stüt­zung durch ei­nen Pfle­ge­dienst“, er­läu­tert Kie­fer.

Was än­dert sich im Heim?

Im sta­tio­nä­ren Be­reich wird ab Ja­nu­ar ein ein­rich­tungs­ein­heit­li­cher Ei­gen­beund trag ein­ge­führt. In­ner­halb der glei­chen Ein­rich­tung sol­len die Ei­gen­an­tei­le al­ler Be­woh­ner ab Pfle­ge­grad zwei gleich hoch sein. Er­höht sich die Hil­fe­be­dürf­tig­keit und führt zu ei­nem hö­he­ren Pfle­ge­grad, wird der Ei­gen­an­teil nicht mehr er­höht. „So sol­len Pfle­ge­be­dürf­ti­ge und ih­re Fa­mi­li­en fi­nan­zi­ell bes­ser pla­nen kön­nen“, er­läu­tert Ma­scher. Da­für sin­ken die Zu­schüs­se für das Le­ben im Heim ab 2017: Für Men­schen der Pfle­ge­stu­fe eins gibt es 294 Eu­ro we­ni­ger im Mo­nat, in der Pfle­ge­stu­fe zwei 68 Eu­ro we­ni­ger, gibt Han­sen zu be­den­ken. Durch die ein­heit­li­che Ver­scher, tei­lung der Pfle­ge­kos­ten auf al­le Be­woh­ner wird es zu ei­ner Kos­ten­stei­ge­rung in den un­te­ren Pfle­ge­gra­den kom­men.

Wie wer­den Pfle­ge­be­dürf­ti­ge über die Än­de­run­gen in­for­miert?

Die Pfle­ge­kas­sen wol­len schrift­lich und in Ge­sprä­chen über die Neue­run­gen in­for­mie­ren. Bis Jah­res­en­de sol­len Be­trof­fe­ne ei­nen Be­scheid be­kom­men, in dem sie über ih­ren künf­ti­gen Pfle­ge­grad und die künf­ti­gen Leis­tun­gen in­for­miert wer­den. Sa­bi­ne Meu­ter

NEUE RE­GELN: Die jüngs­te Re­form der Pfle­ge­ver­si­che­rung bringt im neu­en Jahr Än­de­run­gen.

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