Grö­ße­re Schrift und ge­dros­sel­tes Tem­po

Ein­ga­be­hil­fen er­leich­tern die Com­pu­ter­be­die­nung

Pforzheimer Kurier - - MENSCH UND MEDIZIN -

Es gibt kaum noch ei­nen Ar­beits­platz, an dem nicht min­des­tens zeit­wei­se ein Com­pu­ter zu be­die­nen ist, und auch im Pri­vat­le­ben spielt der Rech­ner oft ei­ne gro­ße Rol­le. Das stellt Men­schen vor Pro­ble­me, die schlecht se­hen oder an­de­re kör­per­li­che Ein­schrän­kun­gen ha­ben. Man­che Schwie­rig­kei­ten las­sen sich je­doch mit Bord­mit­teln be­he­ben. Ob Bild­schirm­lu­pe, Sprach­aus­ga­be oder Kon­tras­tein­stel­lun­gen: Mi­cro­soft hat ins Win­dows-Be­triebs­sys­tem zahl­rei­che Be­die­nungs­hil­fen in­te­griert. Sie las­sen sich über das „Cen­ter für er­leich­ter­te Be­die­nung“in der Sys­tem­steue­rung re­geln, das mit der Tas­ten­kom­bi­na­ti­on „Win­dows“und „U“be­son­ders schnell auf­ge­ru­fen wird. „Hier gibt es Mög­lich­kei­ten, Darstel­lung und Ein­ga­be des PCs zu mo­di­fi­zie­ren, bei­spiels­wei­se die Tas­ta­tur­maus, wo über den Num­mern­block die Be­we­gung der Maus ge­steu­ert wer­den kann“, er­klärt Micha­el Hu­bert vom For­schungs­in­sti- Tech­no­lo­gie und Be­hin­de­rung der Evan­ge­li­schen Stif­tung Vol­marstein.

Für Men­schen mit ein­ge­schränk­ten mo­to­ri­schen Fä­hig­kei­ten lässt sich hier auch die Ein­rast­funk­ti­on ak­ti­vie­ren, so dass nicht meh­re­re Tas­ten gleich­zei­tig, son­dern nur hin­ter­ein­an­der ge­drückt wer­den kön­nen. Auch ei­ne Ve­rän­de­rung der Op­tik und Ge­schwin­dig­keit des Maus­zei­gers ist hier mög­lich. „Ei­ne Ver­lang­sa­mung der Maus kann ei­ne gro­ße Er­leich­te­rung der Be­dien­bar­keit für Men­schen mit Ein­schrän­kun­gen dar­stel­len“, sagt Hu­bert. Dar­über hin­aus lässt sich die Bild­schirm­tas­ta­tur ak­ti­vie­ren. Hier er­fol­gen Tas­ta­tur­ein­ga­ben ent­we­der über ei­nen Touch­screen oder die Maus. Auch gibt es Free­ware-Pro­gram­me, die Ein­ga­ben über die Lap­topKa­me­ra er­mög­li­chen – et­wa durch Ges­ten oder Kopf­be­we­gun­gen.

Es­sen­zi­ell für Men­schen mit Seh­schwie­rig­kei­ten sind die Bild­schirm­ein­stel­lun­gen. Die Grö­ße der Schrift­ar­ten lässt sich mit we­ni­gen Klicks an­pas­sen. In gän­gi­gen Web­brow­sern lässt sich zu­dem die Grö­ße, mit der ge­öff­ne­te Web­sei­ten an­ge­zeigt wer­den, an­pas­sen – et­wa durch gleich­zei­ti­ges Drü­cken der Tas­ten Steue­rung (Strg) so­wie Plus oder Mi­nus.

„Auch der Kon­trast des Bild­schirms spielt ei­ne wich­ti­ge Rol­le“, sagt Micha­el Telg­kamp von der Stif­tung MyHan­di­cap. „Die meis­ten Men­schen dürf­ten mit ei­nem ho­hen Kon­trast am bes­ten klar­kom­men. Aber: Ei­ne Faust­re­gel, für wel­che Sicht­be­hin­de­run­gen wel­che Ein­stel­lun­gen sinn­voll sind, gibt es nicht.“Hier muss je­der Be­trof­fe­ne ver­schie­de­ne Ein­stel­lun­gen tes­ten.

Oft un­ter­schätzt wird auch die Be­deu­tung der La­ge der Icons auf dem Desk­top. „Man­che Men­schen ha­ben in ih­rem Sicht­feld schwar­ze Fle­cken“, er­klärt Bern­hard Spel­ten vom Pro­jekt PIKSL in Düsseldorf, das Men­schen mit Be­hin­de­rung mo­der­ne In­for­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie zu­gäng­lich ma­chen möch­te. „Lie­gen aus Sicht des Nut­zers dar­un­ter Icons, kann er sie gar nicht wahr­neh­men.“Wenn die Seh­kraft ganz ver­schwun­den ist, hel­fen so­ge­nann­te Screen Re­a­der, et­wa das im App­le-Be­triebs­sys­tem MacOS vor­in­stal­lier­te Voice Over. Das Pro­gramm liest vor, was das Dis­play an­zeigt und führt so auch durch Steue­rungs­ak­tio­nen wie dem Aus­wäh­len ei­ner Me­nü­op­ti­on.

Ei­ne ähn­li­che Hil­fe gibt es in Win­dows 10 mit der Sprach­aus­ga­be. Ist sie ak­ti­viert, er­klärt ei­ne Stim­me, was sich un­tut ter dem Maus­zei­ger be­fin­det oder dort steht. „Al­ler­dings sind die Ein­stel­lun­gen beim MacOS-Be­triebs­sys­tem deut­lich be­nut­zer­freund­li­cher ein­zu­stel­len“, sagt Bern­hard Spel­ten. „Aber auch für Win­dows gibt es her­vor­ra­gen­de Hilfs­pro­gram­me, die zwar zu­sätz­lich in­stal­liert wer­den müs­sen, aber dann auch Nut­zern mit Ein­schrän­kun­gen hel­fen, in der di­gi­ta­len Welt zu­recht zu kom­men.“Egal ob Win­dows oder Mac: Wich­tig sei, dass man je­man­den hat, der ei­nem bei der Ein­rich­tung der Ein­ga­be­hil­fen un­ter die Ar­me grei­fen kann, wenn man sich selbst viel­leicht nicht so gut aus­kennt.

Aus­nahms­los emp­feh­lens­wert für al­le Nut­zer sind üb­ri­gens mat­te Bild­schir­me: Weil sie nicht spie­geln, sei der In­halt leich­ter ab­zu­le­sen, er­klärt Micha­el Telg­kamp. Die Bild­schirm­grö­ße hin­ge­gen sei nicht un­be­dingt aus­schlag­ge­bend. Aber: „Für Se­nio­ren emp­feh­len sich bei nor­ma­ler Mo­to­rik mög­lichst gro­ße Tas­ta­tu­ren“, so der Ex­per­te. „Ist die Be­weg­lich­keit je­doch ein­ge­schränkt, kann ei­ne klei­ne Tas­ta­tur rat­sam sein, weil man sich dann mit ei­ner Hand auf der ge­sam­ten Tas­ta­tur zu­recht fin­det.“

So un­ter­schied­lich die Schwie­rig­kei­ten bei der Ein­ga­be, so un­ter­schied­lich sind auch die Hilfs­mög­lich­kei­ten, re­sü­miert der Ex­per­te. Je­der Nut­zer müs­se ei­ne in­di­vi­du­el­le Lö­sung fin­den, „und das geht am bes­ten durch Aus­pro­bie­ren der Ge­rä­te und Pro­gram­me“. To­bi­as Wi­en­ke

Fo­to: App­le

DA SCHAU HER: Wer Mü­he hat, ei­ne Tas­ta­tur zu be­die­nen, steu­ert den Com­pu­ter mit Ges­ten. Um die Be­we­gun­gen zu re­gis­trie­ren, ge­nügt die in Lap­tops oh­ne­hin ein­ge­bau­te Ka­me­ra.

WIE BITTE? Voice Over heißt das Hilfs­pro­gramm, das Text auf dem Bild­schirm vor­liest, so­bald man mit dem Maus­zei­ger die Zei­le ent­lang­fährt. Fo­to: Gab­bert

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