Glücks­brin­ger mit Ex­tra­va­ganz

Re­nault Ta­lis­man Grand­tour dCi 130

Pforzheimer Kurier - - MOTOR UND VERKEHR -

Wer den Klas­sen­stre­ber VW Pas­sat Va­ri­ant zu bie­der fin­det, dem könn­te das selbst­be­wuss­te Äu­ße­re des Re­nault Ta­lis­man Grand­tour ge­fal­len: Üp­pig di­men­sio­nier­te LED-Tag­fahr­lich­ter in Bo­gen­form flan­kie­ren den lä­cheln­den Küh­ler­grill, die Heck­leuch­ten­gra­fik mit fast durch­gän­gi­gem LED-Band kün­det gleich­falls von Ex­tra­va­ganz und ho­hem tech­no­lo­gi­schem An­spruch.

Letz­te­ren löst der Ta­lis­man vor al­lem in sei­nen hö­he­ren Aus­stat­tungs­ni­veaus ein: Da gibt es bei­spiels­wei­se ei­ne All- rad-Len­kung und ei­ne Viel­zahl an As­sis­tenz­sys­te­men, ein ad­ap­ti­ves Fahr­werk und reich­lich Kom­fort im In­nern. Doch auch der Ta­lis­man für den Durch­schnitssver­die­ner bie­tet in­ne­re Wer­te. Zum Bei­spiel ei­nen Kof­fer­raum von mehr als zwei Me­tern La­de­län­ge, ei­ne au­gen­schein­lich so­li­de Ver­ar­bei­tungs­qua­li­tät, ei­ne nach kur­zer Ein­ge­wöh­nung sehr über­zeu­gen­de Be­die­nung oh­ne stän­di­ges Gefum­mel in un­durch­sich­ti­gen Me­nüs so­wie aus­kömm­lich Platz selbst für lan­ge Tou­ren zu fünft. Wie bei vie­len mo­der­nen Au­tos müs­sen al­ler­dings auch hier die Rück­sitz­pas­sa­gie­re mit ei­ner ho­hen Fahr­zeug­tail­le le­ben. Stets hat man im Fonds al­so ein we­nig das Ge­fühl, in ei­nem Pan­zer­späh­wa­gen durch die Ge­gend ge­fah­ren zu wer­den. Wenn­gleich der ta­del­lo­se Ab­roll­kom­fort und die sen­si­ble Dämp­fung an Bord des Re­nault um Wel­ten ge­schmei­di­ger aus­fal­len

En­ge In­nen­städ­te sind nicht das na­tür­li­che Re­vier des gro­ßen Kom­bis. Dort näm­lich er­wei­sen sich nicht nur sei­ne schie­ren Ab­mes­sun­gen als hin­der­lich. Vor al­lem der üp­pi­ge Wen­de­kreis ist in Park­häu­sern ei­ne ech­te Her­aus­for­de­rung: Recht­wink­li­ge Bie­gun­gen er­for­dern dort in der Regel ge­dul­di­ges Ran­gie­ren, weil der Lenk­win­kel des Ta­lis­man schlicht un­zeit­ge­mäß groß aus­fällt. Und auch die feh­len­de Über­sicht­lich­keit der Ka­ros­se­rie wä­re hier zu be­kla­gen, wenn der Wa­gen auf die se­gens­rei­che Er­fin­dung der Rück­fahr­ka­me­ra ver­zich­ten müss­te.

Doch ge­mach: Wie der Na­me Grand­tour be­reits deut­lich macht, geht es im Fall des gro­ßen Re­nault um Langstre­ck­en­ta­lent. Wo­bei dem fri­schen Fran­zo­sen un­schwer an­zu­mer­ken ist, dass sei­ne Ent­wick­ler wohl in ers­ter Li­nie die Ver­hält­nis­se auf den hei­mi­schen Au­to­bah­nen im Blick ge­habt ha­ben. Dort fährt man ent­spannt und vor al­lem – vom Tem­po­mat un­ter­stützt – mit gleich- blei­ben­der, mo­de­ra­ter Ge­schwin­dig­keit. Dann er­weist sich der mit 1,6 Li­tern Hu­b­raum re­la­tiv klein­vo­lu­mi­ge Die­sel als spar­sam, lei­se und aus­rei­chend kräf­tig. Die 130 Pfer­de müs­sen sich je­doch er­heb­lich ins Zeug le­gen, so­bald das Ge­päck et­was um­fang­rei­cher aus­fällt. Hin­zu kommt der et­was mü­de An­tritt: Zum flot­ten Be­schleu­ni­gen aus dem Stand muss man – die­sel­un­ty­pisch – be­herzt mit Dreh­zahl nach­hel­fen. Erst ober­halb von 1 500 Tou­ren macht der Tur­bo­la­der di­cke Ba­cken und lie­fert Schub.

Wenn der Ta­lis­man schon kein Feu­er­werk in punc­to Leis­tungs­ent­fal­tung ab­brennt, so doch beim The­ma Kon­nek­ti­vi­tät. Denn das Mul­ti­me­dia-Sys­tem „R-Link“ist in al­len Aus­stat­tun­gen oh­ne Auf­preis an Bord. Da­zu ge­hört et­wa di­gi­ta­ler Ra­dio­emp­fang eben­so wie Frei­spre­chen per Blue­tooth, ei­ne zu­ver­läs­si­ge Sprach­steue­rung, ein Na­vi und ein Ra­dio­klang, der sich hin­ter den auf­preis­pflich­ti­gen Soun­dy­s­te­men vie­ler Kon­kur­ren­ten nicht zu ver­ste­cken braucht. Dass ein CD-Lauf­werk nur op­tio­nal zu ha­ben ist, stört we­nig, da Smart­pho­neBe­sit­zer heu­te ih­re Mu­sik-Bi­b­lio­thek im Ta­schen­te­le­fon bei sich tra­gen. WV

Fo­to: Werk

FRAN­ZÖ­SI­SCHER PAS­SAT: Der Re­nault Ta­lis­man Grand­tour bie­tet Flair, reich­lich Platz und viel Aus­stat­tung.

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