Spaß statt Prü­fungs­stress

Hun­de­füh­rer­schein

Pforzheimer Kurier - - HOBBY UND FREIZEIT - TEAM­AR­BEIT: Für den Hun­de­füh­rer­schein üben Hund und Mensch ge­mein­sam. Fo­to: Kah­nert

In zwei Bun­des­län­dern ist er in vie­len Fäl­len schon Pflicht: der Sach­kun­de­nach­weis, oder auch Hun­de­füh­rer­schein ge­nannt. Da­mit wei­sen Hal­ter nach, dass sie al­les We­sent­li­che über Hun­de wis­sen und ihr Tier un­ter Kon­trol­le ha­ben. In Nie­der­sach­sen ist der Hun­de­füh­rer­schein seit 2013 für Hun­de­hal­ter Pflicht, in Ber­lin müs­sen Hun­de­hal­ter den Sach­kun­de­nach­weis seit die­sem Jahr ab­le­gen, wenn sie ihr Tier oh­ne Lei­ne füh­ren wol­len. In al­len an­de­ren Bun­des­län­dern kann der Hun­de­füh­rer­schein auf frei­wil­li­ger Ba­sis ab­ge­legt wer­den. Aber Hun­de­be­sit­zer pro­fi­tie­ren ge­ne­rell von dem Füh­rer­schein, und das Trai­ning macht so­gar Spaß.

Wo gibt es den Hun­de­füh­rer­schein?

Kurs und Prü­fung bie­ten un­ter an­de­rem der Be­rufs­ver­band der Hun­de­er­zie­her und Ver­hal­tens­be­ra­ter (BHV), der Ver- für das Deut­sche Hun­de­we­sen (VDH) und der Be­rufs­ver­band Zer­ti­fi­zier­ter Hun­de­trai­ner. Die Kos­ten va­ri­ie­ren. „Der Kurs des BHV wird von Hun­de­schu­len und -ver­ei­nen an­ge­bo­ten, und ent­spre­chend wird dort der Preis fest­ge­legt“, er­klärt Pres­se­re­fe­ren­tin Ariane Ull­rich. „Das Ab­le­gen des Füh­rer­scheins kos­tet cir­ca 100 Eu­ro.“Nach be­stan­de­ner Prü­fung er­hält der Hal­ter ei­ne Be­stä­ti­gungs­kar­te, der Hund ei­ne Pla­ket­te.

Was muss der Hal­ter kön­nen?

Bei der theo­re­ti­schen Prü­fung wer­den zum Bei­spiel Fra­gen zum So­zi­al­ver­hal­ten von Hun­den, ih­rer Kom­mu­ni­ka­ti­on und Kör­per­spra­che, Hal­tung und Pfle­ge ge­stellt. Je nach Bun­des­land und Hun­de­füh­rer­schein um­fasst der Theo­rie­teil zwi­schen 100 bis 220 Fra­gen als Lern­stoff, die der Hal­ter be­herr­schen soll­te. „Im Theo­rie­test der nie­der­säch­si­schen Sach­kun­de­prü­fung wer­den ins­ge­samt 35 Fra­gen aus fünf un­ter­schied­li­chen Sach­ge­bie­ten ge­stellt“, er­klärt Hun­de­trai­ne­rin Il­ka Schu­ma­cher aus Han­no­ver. „Be­stan­den hat, wer ins­ge­samt min­des­tens 70 Pro­zent – 25 von 35 Fra­gen – und aus je­der Ka­te­go­rie min­des­tens 50 Pro­zent kor­rekt be­ant­wor­tet.“Zur Vor­be­rei­tung auf den Hun­de­füh­rer­schein gibt es Kur­se an Hun­de­schu­len, Ler­napps für Smart­pho­ne, Ta­blet und PC so­wie Fach­bü­cher. Bei­spiel­fra­gen fin­den In­ter­es­sier­te auch im In­ter­net, et­wa auf der Home­page des Nie­der­säch­si­schen Mi­nis­te­ri­ums für Er­näh­rung, Land­wirt­schaft und Ver­brau­cher­schutz. Klingt nach Prü­fungs­stress, ist aber halb so wild. „Ich kann nur für mei­ne Hun­de­schu­le spre­chen, aber die Durch­fall­quo­te liegt un­ter ei­nem Pro­zent“, sagt Schu­ma­cher. Und wenn es trotz­dem nicht klappt: Der Test kann so oft wie nö­tig wie­der­holt wer­den – al­ler­dings kos­tet es je­des Mal.

Was pas­siert im prak­ti­schen Teil?

Hier ist das Mensch-Hund-Team ge­fragt. „Es wer­den gän­gi­ge All­tags­si­tua­tio­nen über­prüft“, sagt Udo Koper­nik vom VDH. „Dies ge­schieht an un­ter­schied­li­chen Or­ten – auch un­ter Ablen­kung.“Ge­prüft wird das kon­trol­lier­te Ge­hen an der Lei­ne. Das heißt: Der Hund darf nicht stän­dig an der Lei­ne zie­hen, muss Rich­tungs- und Tem­po­wech­seln fol­gen und an­hal­ten, wenn der Hun­de­füh­rer ste­hen bleibt. Das Aus­füh­ren der Kom­man­dos „Sitz“, „Platz“, „Steh“oder „Bleib“und der Rück­ruf müs­sen be­herrscht wer­den. Der un­an­ge­lein­te Hund soll sei­nem Hal­ter in an­ge­mes­se­nem Ab­stand fol­gen und muss ei­nen frem­den Hund im Ab­stand von zwei bis drei Me­tern pas­sie­ren las­sen. Gu­tes Be­neh­men ge­gen­über an­de­ren ist eben­band falls ein Muss. Au­ßer­dem muss das Tier sich vom Hun­de­füh­rer pro­blem­los Au­gen, Oh­ren, Zäh­ne und Pfo­ten kon­trol­lie­ren las­sen.

Wo kön­nen Hund und Hal­ter trai­nie­ren?

In der Hun­de­schu­le üben Mensch und Tier. Das ge­mein­sa­me Trai­ning macht nicht nur Spaß, son­dern fes­tigt die Be­zie­hung. Selbst wenn die prak­ti­schen Übun­gen nicht per­fekt funk­tio­nie­ren, ist das kein Welt­un­ter­gang. Denn wäh­rend der Prü­fung sind Hilfs­mit­tel er­laubt. So dür­fen ein fest­schnall­ba­res Hals­band, Lei­ne und Pfei­fe zum Ein­satz kom­men. Fut­ter oder Spiel­zeug als Be­loh­nung sind eben­so zu­läs­sig wie Hörund Sicht­zei­chen.

Was muss man zur Prü­fung mit­brin­gen?

Zur Prü­fung müs­sen der Per­so­nal­aus­weis oder Rei­se­pass mit Mel­de­be­stä­ti­gung, Heim­tier- oder Impf­aus­weis des zu prü­fen­den Hun­des mit ein­ge­tra­ge­ner Chip­num­mer, Haft­pflicht-Ver­si­che­rungs­nach­weis und An­mel­de­be­schei­ni­gung mit­ge­bracht wer­den. Von der An­lein­pflicht kann nur die Per­son be­freit wer­den, die die Prü­fung mit dem Hund ab­sol­viert hat.

Wird es bald über­all ei­ne Hun­de­füh­rer­schein­pflicht ge­ben?

Beiß­an­grif­fe un­er­zo­ge­ner Hun­den füh­ren re­gel­mä­ßig zur For­de­rung, den Hun­de­füh­rer­schein deutsch­land­weit ver­pflich­tend ein­zu­füh­ren. „Der Sach­kun­de­nach­weis hilft, Un­fäl­le zu ver­mei­den, die oft aus Miss­ver­ständ­nis­sen ent­ste­hen“, be­stä­tigt Ariane Ull­rich. „Kennt man die Kör­per­spra­che von Hun­den, weiß man lan­ge vor­her, dass man ein­grei­fen muss.“Sie hält es al­ler­dings für sinn­voll, das Ab­le­gen des Hun­de­füh­rer­scheins mit Vor­tei­len zu ver­bin­den. Ei­ni­ge Kom­mu­nen be­frei­en Hal­ter et­wa ein Jahr von der Hun­de­steu­er, nach­dem sie die Prü­fung ab­ge­legt ha­ben.

Ul­ri­ke Ha­ver­kamp

Fo­to: Eb­bing­haus

NUR EI­NER VON HUN­DERT FÄLLT DURCH: Trai­ne­rin Il­ka Schu­ma­cher, hier mit ei­ge­nen Hun­den.

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