Dad­dy Cool

Rob­bie Wil­li­ams

Pforzheimer Kurier - - MUSIK-SZENE -

Knuffi­ger Laus­bu­ben­charme und hell­wa­che Au­gen

Er ist fit, er ist mo­ti­viert, er greift wie­der an. Drei Jah­re nach sei­nem letz­ten Al­bum mel­det sich Rob­bie Wil­li­ams mit „The Hea­vy En­ter­tain­ment Show“macht­voll zu­rück. Rob­bie, in­zwi­schen 42 und die grau­en Schlä­fen nicht ka­schie­rend, sieht im­mer noch blen­dend aus. Die Jah­re ha­ben das Ge­sicht ganz leicht zer­furcht, sei­nem knuffi­gen Laus­bu­ben­charme und den blit­zen­den, hell­wa­chen Au­gen konn­ten sie nichts an­ha­ben. Schlank sieht er aus, der Mann, der in frü­he­ren Jah­ren ja auch schon mal zur ge­pfleg­ten Wohl­stands­wam­pe neig­te. Er muss hart trai­niert ha­ben. „Lei­der gar nicht. Das war nicht mög­lich, weil ich üb­le Rü­cken­pro­ble­me ha­be. Al­les, was ich ge­tan ha­be, um fit aus­zu­se­hen, ist, nichts mehr zu es­sen.“Kei­ne schö­ne Me­tho­de, gibt er zu, und ja ver­dammt, ei­ne Tü­te Chips wä­re jetzt ge­nau das Rich­ti­ge. „Schei­ße ist das mit der Di­ät. Ich ha­be im­mer Hun­ger. Das ist, als wür­de ich die gan­ze Zeit mit ei­nem wü­ten­den, be­dürf­ti­gen, gie­ri­gen Bä­ren rin­gen. Aber wenn es sein muss, dann muss es sein.“Er will kon­kur­renz­fä­hig blei­ben, mit Bru­no Mars, Jus­tin Bie­ber und Micha­el Bu­blé mit­hal­ten kön­nen. Und ein di­cker Rob­bie ist eben kein be­son­ders gu­ter Rob­bie, wenn es dar­um geht, in den mitt­le­ren Jah­ren noch ein­mal den PopOlymp zu be­stei­gen. Im Ti­tel­song „The Hea­vy En­ter­tain­ment Show“be­haup­tet er so­gar, er wür­de sei­ne Kin­der für ei­nen Hit in Bel­gi­en ver­kau­fen. Die Iro­nie hat ei­nen wah­ren Kern. „Ich spü­re ein schwe­res Ge­wicht auf mei­nen Schul­tern, gro­ßen Druck. Ich weiß nicht, ob mein nicht ge­ra­de klei­nes Ego es aus­hiel­te, wenn die Fans plötz­lich al­le weg wä­ren.“

Seit 25 Jah­ren ist der Pop­star nun schon ein Teil un­se­res Le­bens. Wil­li­ams war noch kei­ne 18, da kam er als der jüngs­te, cools­te und frechs­te Typ bei Ta­ke That groß raus. Der Jun­ge aus der Ar­bei­ter­klas­se, auf­ge­wach­sen im tris­ten Sto­ke-on-Trent na­he Man­ches­ter, ge­noss sei­ne Mög­lich­kei­ten bis zum An­schlag, al­lein mit vier der fünf Spice Girls will er ge­schla­fen ha­ben, so war der eng­li­schen Pres­se zu ent­neh­men. Ir­gend­wann über­trieb er es mit dem Sau­fen und den Dro­gen, er flog raus bei den Sau­ber­män­nern von Ta­ke That und be­gann bald da­nach schon ei­ne So­lo­kar­rie­re mit der Jahr­hun­dert­bal­la­de „An­gels“. Sei­ne Dä­mo­nen, auch die Sucht­pro­ble­me, die zeit­wei­li­gen De­pres­sio­nen, die Selbst­zwei­fel blie­ben je­doch. „Ich hät­te mich fast um­ge­bracht da­mals“, be­haup­tet er. „Ich hat­te nur noch die Wahl zwi­schen drauf­ge­hen oder Ent­zug. Ich ent­schied mich für den Ent­zug und ei­ne Psy­cho­the­ra­pie.“Rob­bie raucht seit ei­ni­ger Zeit wie­der, Al­ko­hol und an­de­re Mit­tel­chen sei­en aber ta­bu. Das Le­ben des jun­gen Wil­li­ams, er ver­mis­se es nicht. „Ich bin so­gar froh, dass ich das nicht mehr ma­chen muss. Ich wür­de das kör­per­lich nicht schaf­fen, ich will und kann den Preis nicht mehr be­zah­len. Die fürch­ter­li­chen Ka­ter, die Kopf­schmer­zen. Je äl­ter du wirst, des­to kür­zer wer­den die Hö­he­punk­te und die Eu­pho­rie, das Ver­hält­nis stimmt nicht mehr.“

Wirk­li­che Sta­bi­li­tät fand Wil­li­ams, der vor dem Tru­bel schon En­de der Neun­zi­ger nach Los An­ge­les ge­flüch­tet war, 2006, als er die US-Schau­spie­le­rin Ay­da Field ken­nen­lern­te. „Als ich dich

ge­fun­den ha­be, ha­be ich mich selbst ge­fun­den“, singt Rob­bie im neu­en Stück „When You Know“über Ay­da.

Er sagt, als er sei­ner Frau das Lied zum ers­ten Mal vor­spiel­te, sa­ßen sie bei­de in der Ba­de­wan­ne. „Al­le den­ken im­mer, Ay­da wür­de mich er­den, aber das stimmt gar nicht“, er­zählt Rob­bie. „Mei­ne Frau ist ge­nau­so ver­rückt und chao­tisch wie ich. Des­halb lie­ben wir uns so.“2010 hei­ra­ten sie, 2012 kam Toch­ter Ted­dy auf die Welt, zwei Jah­re spä­ter Söhn­chen Char­lie.

„Die Kin­der wach­sen in ei­ner rei­chen, be­hü­te­ten Welt auf“, so Wil­li­ams, des­sen geld­knap­pe El­tern sich trenn­ten, als er drei Jah­re alt war. „Ay­da und ich möch­ten sie so lan­ge es geht vor der har­schen Rea­li­tät fern­hal­ten. Die bei­den sol­len sich die Un­schuld ih­rer Ju­gend be­wah­ren.“Ei­ne Ju­gend mit Vil­len in Be­ver­ly Hills und im Lon­do­ner Rei­chen­vier­tel Hol­land Park. „Das Geld als sol­ches war nie ei­ne Mo­ti­va­ti­on für mich, aber ich neh­me es gern und ha­be mich dar­an ge­wöhnt. Ich fin­de es schön, mei­ner Fa­mi­lie ei­nen teu­ren Li­fe­style bie­ten zu kön­nen. Um den zu be­wah­ren, ar­bei­te ich wei­ter.“Er sei, so Rob­bie, aber auch sehr viel zu­hau­se. „Mir ist es ex­trem wich­tig, Zeit mit den Klei­nen zu ver­brin­gen. “

Die Sau lässt Wil­li­ams heu­te nur noch in sei­ner Mu­sik raus. „Par­ty Li­ke A Rus­si­an“heißt die ers­te Sing­le. Der Ti­tel sagt schon al­les. „Wod­ka, Mäd­chen, Jungs, Glamour“, bringt es Rob­bie auf den Punkt. „Ma­chen wir uns nichts vor, so ei­ne Par­ty kann schon ver­dammt geil sein. Und nie­mand ver­an­stal­tet gei­le­re Par­tys als die Rus­sen. Das weiß ich aus ei­ge­ner An­schau­ung“.

Aber selbst auf sei­nem Al­bum ist Rob­bie ins­ge­samt mehr ver­ant­wor­tungs­vol­ler Fa­mi­li­en­va­ter als un­er­sätt­li­ches Par­ty­tier. Die neu­es­te Sing­le „Lo­ve My Life“ist ei­ne wun­der­bar zärt­li­che Bal­la­de für sei­ne Fa­mi­lie. „Ich hof­fe, dass ich mei­nen Kin­dern ge­nug Grun­die­rung und Un­ter­stüt­zung und Lie­be wer­de ge­ben kön­nen, da­mit sie nicht so ka­putt und ab­ge­fuckt wer­den, wie ich es ein­mal war“, sagt Rob­bie. Aber gleich die fol­gen­de Num­mer auf dem Al­bum, „Mo­ther­fu­cker“, re­la­ti­viert die Ernst­haf­tig­keit wie­der auf ein er­träg­li­ches Ni­veau. „Das ist ein Song an den zu­künf­ti­gen, 13-jäh­ri­gen Char­lie. Ich wün­sche mir, dass er ein kras­ser, coo­ler Kerl wird und so vie­le Dumm­hei­ten ma­chen wird, wie sich das für ei­nen Te­enager ge­hört.“Stef­fen Rüth

Fo­to: So­ny Mu­sic

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