Ein-Eu­ro-Job für die Plau­der­ta­sche

Zu­rück zum Ra­dio: Tho­mas Gott­schalk

Pforzheimer Kurier - - FILM UND TV-SZENE -

Ra­dio kam er, zum Ra­dio zieht’s ihn zu­rück: Ab 8. Ja­nu­ar wird Tho­mas Gott­schalk ein­mal im Mo­nat ei­ne noch na­men­lo­se Mu­sik­sen­dung bei Bay­ern 1 mo­de­rie­ren. Auf ne­ga­ti­ve Re­ak­tio­nen zu sei­nem Hör­funk­come­back macht sich der 66-Jäh­ri­ge schon mal ge­fasst: „Ich wer­de na­tür­lich ge­se­hen als Un­to­ter, der es nicht schafft auf­zu­hö­ren“, räum­te er vor Jour­na­lis­ten in Mün­chen ein.

Der ver­lo­re­ne Sohn, der­zeit oh­ne fes­tes re­gel­mä­ßi­ges TV-For­mat, ist wie­der da. Schließ­lich hat­te Gott­schalks Welt­kar­rie­re einst in der Münch­ner Ar­nulf­stra­ße zwi­schen Plat­ten­tel­lern be­gon­nen. „Pop nach acht“(1977 bis 1980) und die ge­mein­sam mit Gün­ther Jauch prä­sen­tier­te „B3 Ra­dio­show“(1985 bis 1989) sind haus­in­ter­ne Le­gen­den. Gott­schalk ha­be da­mals den gan­zen Sen­der re­vo­lu­tio­niert, weil er vor­ge­macht ha­be, dass man im Ra­dio „re­den darf, wie ei­nem der Schna­bel ge­wach­sen ist“– so wür­digt der heu­ti­ge Hör­funk­di­rek- tor Mar­tin Wa­gner den Heim­keh­rer. Dies­mal sind die Voraussetzungen frei­lich an­de­re.

Nicht aus­zu­schlie­ßen, dass Gott­schalk ein biss­chen Nest­wär­me sucht, nach­dem zahl­rei­che Fern­se­h­en­ga­ge­ments zu­letzt ge­floppt sind. Der eins­ti­ge „Wet­ten, dass ..?“-Mas­sen­be­spa­ßer weiß das selbst am bes­ten. Er sagt: „Mein Be­rufs­bild hat sich ver­än­dert. Man braucht we­der den Sams­tag­abend­un­ter­hal­ter auf dem So­fa, noch braucht man den Ra­dio­men­schen, der ge­gen den Strom Mu­sik spielt, die sonst nir­gend­wo ge­spielt wird.“Tun wird er es trotz­dem. Elf­mal im Jahr, drei St­un­den lang, live aus Mün­chen, im­mer sonn­tags. Auf­ge­legt wird Lieb­lings­mu­sik von Je­thro Tull, Sting, Phil Col­lins, Eric Clap­ton und Co. Mo­de­riert wird im Ste­hen.

Der schil­lern­de Fran­ke soll – wie B1-Chef Wal­ter Schmich sagt – die „Ba­by­boo­mer-Ge­ne­ra­ti­on“ab­ho­len. Leu­te al­so, die mit Gott­schalk alt geVom wor­den sind und sei­ne aus­ster­ben­de Un­ter­hal­ter­kunst ge­nau­so zu schät­zen wis­sen wie sein Fai­b­le für Rod Ste­wart und die Rol­ling Sto­nes. Er wer­de im Zu­ge sei­ner Ra­dio-Auf­trit­te je­den­falls „nicht den Feh­ler ma­chen, mei­ne Klicks zu zäh­len und zu gu­cken, ob ich Tren­ding To­pic bin und ob ich be­lei­digt wer­de“. Man ahnt, dass Gott­schalk das me­dia­le Be­gleit­rau­schen um sein Schaf­fen in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zu­ge­setzt hat. „Ich muss mich von der Ängst­lich­keit be­frei­en“, er­klärt er of­fen: „Sonst sit­ze ich da und ent­schul­di­ge mich von An­fang bis En­de.“

Um mög­li­chem Ge­mo­ser um ein ge­büh­ren­fi­nan­zier­tes Lu­xus­ho­no­rar vor­zu­beu­gen, wur­de üb­ri­gens ein Spon­sor auf­ge­trie­ben. Es hand­le sich um ei­nen „mit­tel­stän­di­schen bay­ri­schen Un­ter­neh­mer“. Gott­schalk er­leich­tert: „ Es ist mir ganz lieb, weil ich nicht wie­der in der Bring­schuld ste­he.“Die Ho­no­rar­de­bat­te um sei­ne ARD-Vor­abend­sen­dung „Gott­schalk Live“hat er nicht ver­ges­sen.

Ob der 66-Jäh­ri­ge, denn aus­ge­las­tet ist mit elf Ra­dio­sen­dun­gen im Jahr? Na­tür­lich nicht. „Nur“für ei­ne Ra­dio­mo­de­ra­ti­on wird er auch nicht in den Flie­ger stei­gen. „Ich ha­be noch mehr zu tun, wenn ich nach Deutsch­land kom­me“, gibt sich der Un­ter­hal­ter ge­heim­nis­voll. „Ich ha­be mei­ner Frau ge­sagt: Wenn ich ein­mal im Mo­nat da hin­flie­ge, muss es klin­geln in der Haus­halts­kas­se. Wie ge­nau ver­kün­de ich auf ei­ner an­de­ren Pres­se­kon­fe­renz.“

Am Le­bens­mit­tel­punkt Ame­ri­ka wer­de sich gleich­wohl nichts än­dern. Aus Ma­li­bu zieht es den blon­den Hü­nen nicht weg. Schon we­gen der Fa­mi­lie, die in Ka­li­for­ni­en Wur­zeln ge­schla­gen hat. Und auch vom neu­en Prä­si­den­ten lässt er sich nicht ver­trei­ben – da gibt sich Plau­der­ta­sche Gott­schalk ge­wohnt ge­las­sen: „Blon­de Män­ner mit Scheiß-Fri­sur müs­sen nicht das En­de be­deu­ten.“Jens Sza­meit

Fo­to: BR / Ralf Wil­schew­ski

ER IST WIE­DER DA: Tho­mas Gott­schalk gibt am 8. Ja­nu­ar 2017 sein Ra­dio­come­back bei Bay­ern 1. Elf Sen­dun­gen pro Jahr sind ge­plant.

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