Thril­ler in Düs­ter­grau

TV-Pre­mie­re: „Ru­het in Frie­den“

Pforzheimer Kurier - - FILM UND TV-SZENE -

New York Ci­ty im Jahr 1999. In­mit­ten von Mill­en­ni­um-Eu­pho­rie und Welt­un­ter­gangs­pa­nik schleicht der ehe­ma­li­ge Cop Mat­t­hew Scud­der (Li­am Nee­son) als li­zenz­lo­ser Pri­vat­de­tek­tiv durch ei­ne düs­te­re Me­tro­po­le. Seit er sei­ne Ar­beit als Po­li­zist auf­ge­ben muss­te, weil er be­trun­ken um sich ge­schos­sen hat­te, nimmt der nun­mehr tro­cke­ne Al­ko­ho­li­ker zwie­lich­ti­ge Jobs als Er­mitt­ler an. So ge­rät der fa­mos auf­spie­len­de Nee­son als mit­ge­nom­me­ner Ein­zel­gän­ger in „Ru­het in Frie­den – A Walk Among The Tombs­to­nes“(2014) auf die Spur bru­ta­ler Se­ri­en­mör­der. Mit sei­nem pa­cken­den Thril­ler ge­lingt Re­gis­seur und Dreh­buch­schrei­ber Scott Frank ein ein­drück­li­cher und at­mo­sphä­ri­scher Film Noir mit­samt iro­ni­scher Bre­chung. Das „ZDF Mon­tags­ki­no“(22.15 Uhr) zeigt den Thril­ler nun als Free-TVP­re­mie­re.

Zu­nächst wirkt al­les wie ge­habt: Li­am Nee­son ver­kör­pert ei­nen ge­schei­ter­ten Lo­ne­so­me Ri­der mit Knar­re und je­der Men­ge Ab­scheu für die Welt. Bei ei­nem Tref­fen der An­ony­men Al­ko­ho­li­ker be­kommt je­ner ab­ge­fuck­te Scud­der das An­ge­bot, die Ent­füh­rer der ge­kid­napp­ten Frau ei­nes Dro­gen­dea­lers (Dan Ste­vens) aus­fin­dig zu ma­chen. In an­de­ren Nee­sonFil­men wie „96 Hours“wür­de nun die St­un­de des bal­lern­den Hel­den schla­gen. Doch statt­des­sen prä­sen­tiert sich „Ru­het in Frie­den“als äs­t­he­tisch an­spruchs­vol­les und ru­hig er­zähl­tes Klein­od von Noir-Thril­ler mit ei­ner her­aus­ra­gen­den Cha­rak­ter­ent­wick­lung. Franks stil­les wie atem­lo­ses Werk be­sticht durch ei­ne gran­di­os düs­te­re At­mo­sphä­re und an­ge­spannt-qual­vol­le Stim­mung. Es ver­mag dar­über hin­aus in­ner­halb der künst­le­ri­schen wie ar­ti­fi­zi­ell über­höh­ten Sze­ne­rie ei­nen un­er­träg­li­chen Rea­lis­mus zu ver­mit­teln, der die ei­gent­li­che Kri­mi-Hand­lung ne­ben­säch­lich er­schei­nen lässt. Da­für spricht auch, dass der Zu­schau­er die Tä­ter schon vor Scud­der zu se­hen be­kommt. Bis­wei­len er­in­nert die selbst­ver­ständ­lich in an­spre­chen­dem Grau-in-Grau ge­hal­te­ne Äs­t­he­tik an Se­ri­en-Er­fol­ge wie „True De­tec­tive“. Die­se Ana­lo­gie spie­gelt sich auch in Nee­sons Fi­gur, die sich die Ah­nung ei­ner fer­nen hu­ma­nen Zi­vi­li­sa­ti­on der Stadt auf den re­gen­nas­sen Stra­ßen und Fried­hö­fen im­mer wie­der er­hält und dar­aus auch Hoff­nung schöpft. Schöp­fen muss.

Dass sich „Ru­het in Frie­den“aber nicht zu ernst nimmt, kann die­sen Ein­druck nur ver­stär­ken. Ei­ne da­hin­ge­hend wun­der­ba­re Ent­schei­dung war es, Scud­der den über­aus wit­zi­gen und smar­ten Jun­gen TJ (Bri­an Brad­ley) an die Sei­te zu stel­len. Der er­klärt dem aus der Welt ge­fal­le­nen Ein­zel­gän­ger die Welt. Sub­ti­le An­spie­lun­gen auf neue Ent­wick­lun­gen und Anachro­nis­men, bei­spiels­wei­se auch die Hin­wei­se auf das Cha­os des Jahr2000-Pro­blems zu je­ner Zeit, zeu­gen von ei­ner Iro­nie, die „Ru­het in Frie­den“ne­ben sei­ner greif- und fühl­ba­ren Span­nung zum sehr se­hens­wer­ten, düs­te­ren Ver­gnü­gen macht.

Ma­xi­mi­li­an Haa­se

Fo­to: ZDF / Atsu­shi Nis­hi­ji­ma

HOF­FEN AUF HU­MA­NI­TÄT: Li­am Nee­son in ei­ner Pa­ra­de­rol­le als Ein­zel­gän­ger.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.