Gip­fel­tref­fen mit dem Weih­nachts­mann

Über dem Gen­fer See

Pforzheimer Kurier - - REISE -

Wer will schon bei sei­ner Ar­beit stän­dig nur im Schnee ste­hen und Eis­zap­fen im Bart tra­gen? Der Weih­nachts­mann je­den­falls nicht. Der hat die ro­te Na­se voll vom ei­si­gen Weiß in Finn­land und ist in ei­ne Fi­lia­le über den Gen­fer See ge­zo­gen. Wo sonst lie­gen wei­ße Weih­nach­ten und me­di­ter­ra­nes Flair so nah bei­ein­an­der wie in Mon­treux, mag sich der gu­te Mann ge­sagt ha­ben. Bis zum 24. De­zem­ber re­si­diert der Rau­sche­bart auf dem über 2 000 Me­ter ho­hen Ro­chers­de-Nay und emp­fängt Tau­sen­de von Kin­dern. Nur mon­tags und diens­tags ist die stim­mungs­vol­le De­pen­dance ge­schlos­sen. Dann fliegt der Weih­nachts­mann mit sei­nem Ren­tier­ge­spann nach Finn­land.

Zehn Geh­mi­nu­ten vom Gen­fer See ent­fernt, herrscht vor dem „Gol­den­pass“-Schal­ter am Bahn­hof Mon­treux re­ger Be­trieb. El­tern, Groß­el­tern und Kin­der spu­ten sich, ei­nen Fens­ter­platz in der Zahn­rad­bahn zu er­gat­tern. Die ein­stün­di­ge Fahrt auf den Haus­berg bie­tet spek­ta­ku­lä­re Pan­ora­men für Au­ge und Ob­jek­tiv. Wäh­rend der Zug stei­le Berg­hän­ge er­klimmt, schrumpft weit un­ten Mon­treux zu ei­ner Spiel­zeug­stadt.

Seit mehr als 130 Jah­ren fah­ren Zü­ge der Gol­den­pass-Li­nie auf den Bal­kon des Gen­fer Sees. Frü­her muss­ten Rei­sen­de noch mit ei­ner Seil­bahn vom See bis zum Schie­nen­an­schluss fah­ren. Ab 1909 brach­te sie dann ein Dampf­zug und spä­ter ein elek­tri­sches Bähn­lein di­rekt von Mon­treux auf den Ro­chers-de-Nay. Eng­li­sche Tou­ris­ten hat­ten En­de des 19. Jahr­hun­derts den Charme die­ser Re­gi­on er­kannt. Da­mals war Mon­treux noch ein win­zi­ges Wein­dorf. Die ver­mö­gen­den Bri­ten schätz­ten in­des die herr­li­che La­ge ei­nes mon­dä­nen Grand­ho­tels am Berg, von dem aus sie hin­auf zum Win­ter­sport und zum Fla­nie­ren hin­un­ter an den See fuh­ren.

ver­dan­ken ha­be man die frü­he Ent­wick­lung des Tou­ris­mus Lord By­ron, be­rich­tet Nik­laus Ma­ni, Mar­ke­tin­gchef der Gol­den­pass-Li­nie. Mit sei­nem Ge­dicht „Der Ge­fan­ge­ne von Chil­lon“sei der En­g­län­der der ers­te kul­tu­rel­le Wer­be­trä­ger für Mon­treux ge­we­sen. Heu­te ver­wand­le sich das See­schloss Chil­lon je­des Jahr zur Weih­nachts­zeit in ei­ne mit­tel­al­ter­li­che Zau­ber­welt. Mu­si­ker, Jon­gleu­re und Stel­zen­läu­fer tre­ten auf. Am Ka­min­feu­er lau-schen Kin­der und Er­wach­se­ne den Sa­gen und Ge­schich­ten aus ur­al­ten Zei­ten.

Noch ei­ne Kur­ve, noch ein Tun­nel, dann stoppt der Zug an der Berg­sta­ti­on Caux. Auf ei­nem lan­gen Pan­ora­ma­weg hoch über dem Gen­fer See rei­hen sich Holz­häus­chen mit Werk­stät­ten, rus­ti­ka­le Gast­stu­ben so­wie das Post­bü­ro des Weih­nachts­man­nes auf. Ren­tie­re und Al­pa­kas be­äu­gen neu­gie­rig die Be­su­cher. Über of­fe­nen Feu­ern damp­fen Sup­pen­töp­fe, zwei Clowns be­rei­ten ih­ren Auf­tritt vor. Und wei­ter oben an ei­nem Wald­hang woh­nen in win­zi­gen, bunt be­leuch­te­ten Häu­schen ver­mut­lich Wich­tel und Fe­en.

Der Zug pas­siert al­te Vil­len und zu­ckelt durch ei­ne Mär­chen­welt wie aus Pu­der­zu­cker. Der­weil be­rei­tet sich Je­anMa­rie Dau­nas im Weih­nachts­man­nZu Stüb­chen auf sei­nen Di­enst vor. Oh­ne Fa­mi­lie ha­be Weih­nach­ten für ihn nie ei­ne Be­deu­tung ge­habt, ge­steht der Schau­spie­ler und Re­gis­seur. Das än­der­te sich, als er die Rol­le des Weih­nachts­man­nes über­nahm. Sei­ne Ar­beit be­greift der fünf Spra­chen spre­chen­de Schwei­zer Weih­nachts­mann seit­her als ei­ne „ge­schicht­li­che Her­aus­for­de­rung“. Für ihn sei San­ta Claus die Ver­kör­pe­rung ei­ner po­si­ti­ven Gestalt, die kei­ner Re­li­gi­on zu­zu­ord­nen sei. Der Weih­nachts­mann sei kein Zucht­meis­ter, „er will Kin­der stau­nen las­sen und für ei­nen Mo­ment in ein Reich der Fan­ta­sie füh­ren, aus dem sie schon bald ver­trie­ben

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