Ora­le Pha­se be­en­det

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - RENÉ DANKERT

Im Ge­bäu­de des Karls­ru­her SC knirscht und knarrt es. Zwei Spiel­ta­ge vor Halb­zeit in der Zwei­ten Fuß­ball-Bun­des­li­ga hat sich der Siebt­plat­zier­te der ver­gan­ge­nen Sai­son von der Schwel­le zur un­be­denk­li­chen Ta­bel­len­re­gi­on sechs Zäh­ler weit ent­fernt. Dritt­letz­ter ist er für den Mo­ment, weil auch der FC St. Pau­li und Erz­ge­bir­ge Aue nicht in die Er­geb­nis­se kom­men.

War­um der KSC so lan­ge da­von ab­sah, auf sei­ne an­dau­ern­de sport­li­che Mi­se­re zu re­agie­ren und nach dem Sport­di­rek­tor Jens Todt auch den Chef­trai­ner To­mas Oral zu be­ur­lau­ben, dar­über wer­den sich die Fuß­ball-Ge­lehr­ten noch strei­ten – dann, so sich der nun doch voll­zo­ge­ne Schritt am Sai­son­en­de als zu spät ge­wählt er­wei­sen soll­te. Der Ein­druck, trotz end­lo­ser Su­che im Som­mer auf den fal­schen Mann ge­setzt zu ha­ben, war kein fri­scher mehr.

Nur vier Ta­ge nach sei­ner An­kunft im Cha­os wur­de der neue Sport­di­rek­tor Oli­ver Kreu­zer nun zum Er­fül­lungs­ge­hil­fen für ei­ne Ent­schei­dung, die an­de­re da­vor nicht tref­fen woll­ten oder konn­ten. Schließ­lich wis­sen nur Oral und des­sen Ver­trags­part­ner, zu wel­chen Ab­fin­dungs­ver­ein­ba­run­gen man bei der auf drei Jah­re an­ge­leg­ten Zu­sam­men­ar­beit fand. Al­so auch, wie teu­er den KSC die Re­pa­ra­tur sei­ner Feh­l­ein­schät­zun­gen nach nun nicht mal 160 Ta­gen kommt. In ers­ter Li­nie hat­ten wirt­schaft­li­che Er­wä­gun­gen

den Vor­stand lan­ge da­vor zu­rück­schre­cken las­sen, das Miss­ver­ständ­nis mit Oral zu stop­pen. Die nun ein­ge­schla­ge­ne kom­mis­sa­ri­sche Lö­sung mit A-Ju­nio­ren­trai­ner Lu­kas Kwas­ni­ok bis Weih­nach­ten er­öff­net Kreu­zer ein Zeit­fens­ter, um ei­nen Nach­fol­ger ding­fest zu ma­chen. Wer Kreu­zer kennt, der weiß, wel­che Denk­rich­tung er auf der Su­che ein­schla­gen wird. So dürf­ten ein Fran­co Fo­da, der­zeit Sturm Graz, oder ein Joe Zinn­bau­er, FC St. Gal­len, auf sei­ner Rech­nung nicht feh­len. Man kennt und schätzt sich – und das heißt auch im Pro­fi­fuß­ball et­was, wenn es ums Zu­sam­men­rü­cken geht.

Die miss­li­che La­ge des KSC zeigt sich auch in der Ge­sichts­lo­sig­keit sei­ner Mann­schaft, die un­ter Oral halt­los und oft ge­nug plan­los wirk­te. Der Zu­schau­er­schwund war wie ei­ne Quit­tung für al­le im Club, die den Um­bruch im Som­mer nicht ernst ge­nug nah­men. Der Ver­lust des Prag­ma­ti­kers Mar­kus Kauc­zin­ski auf der Trai­ner­bank war das ei­ne. Die Lü­cken, die Spie­ler wie Ma­nu­el Gul­de, Da­ni­el Gor­don, Jo­nas Mef­fert und Do­mi­nic Peitz ris­sen, wur­den qua­li­ta­tiv nicht auf­ge­fan­gen. Und den­noch ver­ein­bart sich der ak­tu­el­le Ta­bel­len­platz nicht mit dem Ka­der­po­ten­zi­al. Gera­de in die­sem Miss­ver­hält­nis lag die Ge­fahr, dass man sich hin­ter Oral ver­steckt. Da­vor hat­te man ihn, aber da­vor hat­te vor al­lem der KSC sich zu schüt­zen.

Die Ta­bel­le bil­det das ei­gent­li­che Po­ten­zi­al nicht ab

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