Vo­tum ge­gen Rechts

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - RUDOLF GRUBER

Ös­ter­reich bleibt die zwei­fel­haf­te Eh­re ei­nes Vor­rei­ters der „rechts­po­pu­lis­ti­schen Re­vo­lu­ti­on“in Eu­ro­pa er­spart. Die kla­re Mehr­heit hat mit der Wahl Alex­an­der van der Bel­lens zum neu­en Bun­des­prä­si­den­ten ein deut­li­ches Vo­tum ge­gen Rechts und da­mit ei­ne Ve­rän­de­rung in Rich­tung ei­nes au­to­ri­tä­ren Sys­tems ab­ge­ge­ben. Ös­ter­reich hät­te sich im Fall ei­nes Sie­ges des FPÖ-Kan­di­da­ten Nor­bert Ho­fer vie­le Pro­ble­me ein­ge­han­delt: Ge­fähr­dung der re­prä­sen­ta­ti­ven De­mo­kra­tie und des in­ne­ren Frie­dens, in­ter­na­tio­na­le Äch­tung, Dau­er­kon­flik­te mit der EU, Ein­bu­ßen in der Ex­port­wirt­schaft und im Tou­ris­mus. Ob das Bei­spiel Ös­ter­reichs auch Rechts­be­we­gun­gen in an­de­ren Län­dern wie Deutsch­land und Frank­reich ei­nen Dämp­fer ver­setzt, bleibt vor­erst Wunsch­den­ken. Je­den­falls ist es nach­ah­mens­wert und soll­te den zag­haf­ten und rat­lo­sen de­mo­kra­ti­schen

Par­tei­en wie­der Hoff­nung ma­chen. Van der Bel­len hat den Sieg dem Um­stand zu ver­dan­ken, dass sich sei­ner brei­ten Wäh­ler­al­li­anz auch der Groß­teil des bür­ger­li­chen La­gers und die So­zi­al­de­mo­kra­ten an­ge­schlos­sen ha­ben, de­ren Kan­di­da­ten ja kra­chend durch­ge­fal­len wa­ren.

Der Wahl­aus­gang zeigt aber auch, dass das Land tief ge­spal­ten bleibt. Zu tief sind die Wun­den, die ein über­aus häss­li­cher Wahl­kampf, der die Gren­zen von Ver­nunft und An­stand weit ge­sprengt hat, auf­ge­ris­sen hat­te. Und die nächs­te Kraft­pro­be steht schon an: Die Par­la­ments­wahl könn­te frü­her kom­men als zum re­gu­lä­ren Ter­min 2018. Die FPÖ hat jetzt ei­nen Dämp­fer be­kom­men, aber die Chan­cen von Par­tei­chef Stra­che aufs Kanz­ler­amt blei­ben in­takt, So­zi­al­de­mo­kra­ten und Kon­ser­va­ti­ve ha­ben noch kein Kon­zept, sei­nen Sieg zu ver­hin­dern.

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