Un­be­irrt in die Hof­burg

Pforzheimer Kurier - - ZEITGESCHEHEN - A. Van der Bel­len

Wi­en. Sechs Mo­na­te muss­te Alex­an­der Van der Bel­len ban­gen, nun hat der 72-jäh­ri­ge Ex-Grü­nen-Chef es doch noch ge­schafft: Im zwei­ten An­lauf wur­de „Sa­scha“, wie er von sei­nen An­hän­gern ge­nannt wird, zum neu­en Bun­des­prä­si­den­ten Ös­ter­reichs ge­wählt.

Ge­gen­über dem rhe­to­risch ge­schul­ten Rechts­po­pu­lis­ten und FPÖ-Kon­kur­ren­ten Nor­bert Ho­fer hat­te Van der Bel­len (Fo­to: dpa) in TV-Auf­trit­ten oft höl­zern ge­wirkt. Doch der re­nom­mier­te Öko­nom und frü­he­re Hoch­schul­pro­fes­sor hielt un­be­irrt an sei­ner Ge­gen­po­si­ti­on ei­ner welt­of­fe­nen, mul­ti­kul­tu­rel­len Ge­sell­schaft fest. Und zieht nun in die Wie­ner Hof­burg ein. Der selbst er­nann­te Kämp­fer für die „Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Eu­ro­pa“setzt sich auch für Min­der­hei­ten­schutz und das Recht auf gleich­ge­schlecht­li­che Ehe­schlie­ßun­gen ein. Ger­ne ver­weist Van der Bel­len dar­auf, dass er selbst ein „Flücht­lings­kind“sei. Sei­ne El­tern, ein rus­si­scher Aris­to­krat und ei­ne Es­tin, wa­ren vor dem Sta­li­nis­mus ge­flo­hen. Vor der An­kunft der Ro­ten Ar­mee in Wi­en im Früh­jahr 1945 floh die Fa­mi­lie in das süd­li­che Bun­des­land Ti­rol.

Er stu­dier­te Öko­no­mie an der Uni­ver­si­tät Inns­bruck. In den 80er Jah­ren war Van der Bel­len Mit­glied der so­zi­al­de­mo­kra­ti­schen SPÖ. An­fang der 90er Jah­re schloss er sich den Grü­nen an. Elf Jah­re lang, bis 2008, war er ihr Vor­sit­zen­der. Zur Wahl war er aber als un­ab­hän­gi­ger Kan­di­dat an­ge­tre­ten. Sein Pri­vat­le­ben hält der ehe­ma­li­ge Frei­mau­rer lie­ber be­deckt und auch ei­ne ak­ti­ve „First La­dy“will er Ös­ter­reich nicht prä­sen­tie­ren. So­phie Ma­kris

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.