Neu­er Streit um Bau­spar­ver­trä­ge

Ver­brau­cher­zen­tra­le klagt ge­gen Kas­sen im Süd­wes­ten

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT -

Karls­ru­he/Stutt­gart (dpa). Bau­spar­kas­sen müs­sen sich künf­tig in ei­nem wei­te­ren Streit um ei­ne Kün­di­gungs­klau­sel vor Ge­richt recht­fer­ti­gen. Kla­gen ge­gen die Karls­ru­her Bau­spar­kas­se Ba­de­nia, die LBS Süd­west so­wie den Ver­band der Pri­va­ten Bau­spar­kas­sen sei­en ein­ge­reicht wor­den, teil­te die Ver­brau­cher­zen­tra­le Ba­den-Würt­tem­berg mit, wel­che die In­sti­tu­te ab­ge­mahnt und nicht die ge­for­der­te Un­ter­las­sungs­er­klä­rung be­kom­men hat­te. Die Be­klag­ten wie­sen die Vor­wür­fe als un­be­grün­det zu­rück. Das Ver­fah­ren vor dem Stutt­gar­ter Land­ge­richt ge­gen die LBS Süd­west sei für den 23. Fe­bru­ar ter­mi­niert wor­den.

Es geht um ei­ne Klau­sel, die et­wa bei der LBS Süd­west – ak­tiv in Ba­denWürt­tem­berg und Rhein­land-Pfalz – im Jahr 2005 ein­ge­führt wur­de und der zu­fol­ge Ver­trä­ge 15 Jah­re nach Ab­schluss ge­kün­digt wer­den könn­ten, wenn sie nicht in Dar­le­hen um­ge­wan­delt wur­den. Aus Sicht der Klä­ger gin­gen sol­che Kün­di­gun­gen stark zu­las­ten der Ver­brau­cher.

Die Vor­wür­fe wer­den bei Ver­tre­tern der Bau­spar­kas­sen mit Kopf­schüt­teln re­gis­triert. So be­grün­det die LBS Süd­west die Klau­sel mit be­triebs­wirt­schaft­li­cher Vor­sor­ge im Sin­ne des „Bau­spar­kol­lek­tivs“, al­so als Schutz­maß­nah­me für das Bau­spar­sys­tem und da­mit für al­le Kun­den. Ein Spre­cher der Ba­de­nia sag­te: „Wir hal­ten die Kla­ge für un­be­grün­det und wer­den da­her we­der ei­ne Un­ter­las­sungs­er­klä­rung ab­ge­ben noch die Klau­sel strei­chen.“Der Ver­band der Pri­va­ten Bau­spar­kas­sen hat die ent­spre­chen­de Klau­sel seit 2013 in Ver­trags­vor­ga­ben – den Mus­ter­be­din­gun­gen – ent­hal­ten. Der Ver­band ha­be die Frist für ei­ne Un­ter­las­sungs­er­klä­rung ver­strei­chen las­sen, da­her ha­be man Kla­ge ein­ge­reicht, sag­te Ver­brau­cher­schüt­zer Niels Nau­hau­ser. Die­ses Ver­fah­ren wä­re in Ber­lin. Man prü­fe den Sach­ver­halt noch, sag­te ein Spre­cher des Ver­ban­des.

Se­pa­rat zu den neu­en Kla­gen lau­fen schon seit 2015 zahl­rei­che Pro­zes­se ge­gen die Kün­di­gun­gen von gut ver­zins­ten Alt­ver­trä­gen. Hier­bei be­zie­hen sich die Bau­spar­kas­sen nicht auf ei­ne sol­che Klau­sel, son­dern auf ei­ne Art Son­der­kün­di­gungs­recht im Bür­ger­li­chen Ge­setz­buch. Der Bun­des­ge­richts­hof wird wohl 2017 klä­ren, ob die Ver­wen­dung die­ses Son­der­kün­di­gungs­rech­tes le­gi­tim ist. Wä­re es dies nicht, so könn­te die neue Klau­sel für die Bran­che in der Zu­kunft

Fir­men und Ver­band wei­sen Vor­wür­fe zu­rück

ei­ne gro­ße Rol­le spie­len – auf ih­rer Ba­sis könn­ten sich In­sti­tu­te aber­mals von vie­len Kun­den tren­nen. Ver­brau­cher­schüt­zer Nau­hau­ser sag­te zur neu­en Kla­ge sei­ner Or­ga­ni­sa­ti­on: „Mit un­se­rem Ver­fah­ren wol­len wir Rechts­si­cher­heit schaf­fen und mög­lichst ei­ne neue Kün­di­gungs­wel­le von Alt­ver­trä­gen ver­hin­dern.“

WUNSCHVORSTELLUNG: Bau­spar­kas­sen wol­len, dass ih­re Kun­den nicht nur spa­ren, son­dern auch Geld für den Haus­bau lei­hen. Wer das nicht tut, dem soll ge­kün­digt wer­den. Ar­chiv­fo­to: dpa

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