Wie mit der Hand­brem­se

Jazz-Trom­pe­ter Till Brön­ner bleibt im Fest­spiel­haus un­ter sei­nen Mög­lich­kei­ten

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

Die Band klingt wie ei­ne Blech­schüs­sel – die Sound­ab­mi­schung im Fest­spiel­haus lässt zu wün­schen üb­rig. Band­lea­der Till Brön­ner muss es aus­hal­ten, auch dass sei­ne Trom­pe­te mat­schig durch den Saal wa­bert. Aber schon nach zwei Mi­nu­ten hat man sich dar­an ge­wöhnt. Die CD zur Tour „The Good Li­fe“ließ ei­ni­ges er­hof­fen: Auf­ge­nom­men mit sehr gu­ten Mu­si­kern in Los An­ge­les, bie­tet die Schei­be akus­ti­schen, toll pro­du­zier­ten, sen­si­blen „Strai­ght-Ahead“-Jazz.

Aber das in­ti­me Quin­tett-For­mat mu­tier­te in Ba­den-Ba­den zu ei­nem weich­ge­spül­ten Fu­si­on-Sep­tett. Till Brön­ner brach­te sie­ben Leu­te auf die Büh­ne, die eher Hand­brem­sen­jazz lie­fer­ten und vie­les mit Key­board­tep­pi­chen ver­kleis­ter­ten – al­so glei­ches Mot­to, an­de­rer Sound. Der Abend bot dann al­les von 70er-Pop-Fu­si­on-Jazz, R&B, La­tin-Rock, Blues-Style bis hin zu kom­mer­zi­el­lem Jazz-Rock. Das ist Brön­ner sei­nem Pu­bli­kum, so scheint‘s, schul­dig. Die Mu­sik ist nicht pro­gres­siv, aber es hängt er­staun­lich we­nig Staub dran. Die So­li sind ge­fäl­lig (und da­her meist lang­wei­lig), die Um­set­zung des Kon­zepts al­ler­dings ist so­li­de und schlüs­sig, elek­tro­ni­sche Ele­men­te wer­den ef­fekt­voll ein­ge­setzt, das Band­sys­tem ist gut durch­dacht, und wenn Brön­ner im So­lo kurz mal ein paar „schie­fe“Tö­ne wagt, dann ist auch das ein ge­konnt ge­setz­ter Ak­zent.

Das Un­ter­halt­sams­te an die­sem Abend wa­ren al­ler­dings Brön­ners sym­pa­thi­sche Mo­de­ra­tio­nen: Ge­schich­ten von Stevie Won­der an der Co­pa­co­ba­na, von Film­klas­si­kern aus den 70ern, oder von Jazz­gi­tar­rist Wes Mont­go­me­ry, der laut Brön­ner an der lin­ken Hand nur zwei Fin­ger ge­habt ha­ben soll – ei­ne glat­te Ver­leum­dung. Und dann das al­ler­letz­te Stück: ei­ne schö­ne, pop­pi­ge Bal­la­de mit me­lan­cho­li­schem Trom­pe­ten-Touch – da ging ja doch noch was!

Till Brön­ner ist ein gu­ter Trom­pe­ter, ein Per­fek­tio­nist, der sich mit leicht zu kon­su­mie­ren­dem Jazz nicht nur in Deutsch­land weit nach oben ge­spielt hat: Im ver­gan­ge­nen April kon­zer­tier­te er im Wei­ßen Haus ne­ben Jazz-Gi­gan­ten wie Pat Me­the­ny, Her­bie Han­cock oder Wyn­ton Mar­sa­lis – ein Rie­sen­er­folg. Kat­ha­ri­na Loh­mann

PER­FEK­TIO­NIST FÜR WOHLKLÄNGE: Till Brön­ner mach­te auf sei­ner Tour „The Good Li­fe“Sta­ti­on im Fest­spiel­haus Ba­den-Ba­den. Vom in­ti­men Sound der Plat­te ließ die sie­ben­köp­fi­ge Band al­ler­dings nur we­nig üb­rig. Fo­to: Loh­mann

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